Ferrari LaFerrari, Porsche 918, McLaren P1

Ferrari LaFerrari, Porsche 918, McLaren P1

Die drei Muskeltiere

Leistungen nahe 1.000 PS, Preise im siebenstelligen Bereich, bei unvorstellbaren 350 km/h elektronisch abgeregelt – mit den neuen Supersportwagen kommt was auf uns zu!

Fangen wir doch einmal negativ an: Macht es wirklich Sinn, mit einem immensen Aufwand Autos für die Straße zu entwickeln, die in Chassis, Fahrwerk und bei den Motoren reinrassige Motorsporttechnik nutzen? Die wahrscheinlich in den gut klimatisierten Garagen der Sammler verschwinden und nur alle Jubeljahre einmal gefahren werden? Die ihrer Umwelt eindrucksvoll signalisieren, dass der Besitzer im Geld schwimmt?

 

 
 

Willkommen ganz oben

Na klar macht das Sinn. Okay, über den letzten Punkt kann man streiten. Immerhin aber signalisiert der Besitzer eines solchen Boliden, dass ihm die fällige Neiddiskussion nichts ausmacht. Für die Firmen sind diese Fahrzeuge eine kraftvolle Darstellung der eigenen technischen Möglichkeiten und des derzeitigen Entwicklungsstandes bei den Königen aller Fahrzeuggattungen, den Supersportwagen.

Einfach mal Spaß haben

Und schließlich ist da noch ein Punkt, in dem wir Deutschen nicht gerade Weltmeister sind: dem Spaß. In seiner berühmten Ode „An die Freude“ hat der Dichter Friedrich Schiller schon 1785 diese Autos vorhergesehen. Wie anders ist es sonst zu erklären, dass er genau die passenden Worte fand? Schon in der ersten Strophe heißt es: „Wir betreten feuertrunken, Himmlische, dein Heiligthum“.

Ganz billig ist der Spaß nicht

Einsteigen werden bei vorhersehbar geringen Stückzahlen und prohibitiven Preisen zwischen 768.026 Euro (Porsche) über 1,1 Mio (McLaren) und voraussichtlich drei Millionen (Ferrari) eher wenige Menschen. Und dass ein Porsche mal zum vergleichsweise günstigen Auto werden wird, hätten sich wohl selbst die Zuffenhausener nicht zu träumen gewagt.

Alle setzen auf Hybridtechnik

Sonst muss der Fahrer eines Porsche 918 auf nichts verzichten – wenn man von wirklich Überflüssigem wie Rücksitzen oder einem Kofferraum mal absieht. Wie bei den Konkurrenten kommt reine Rennsporttechnik zum Einsatz. Erstaunlich einig sind sich die drei über den Einsatz der Hybridtechnik. Will heißen: In manchen Fahrzuständen unterstützen ein oder mehrere Elektromotoren das Vorwärtskommen.

Der Extra-Punch kommt elektrisch

Keine Sorge: Diese Autos sind keine etwas edleren Toyota Prius. Im Rennsport wird die zusätzliche Kraft der Stromer heute nicht vorrangig für einen geringeren Benzinverbrauch eingesetzt, sondern um dann, wenn es wirklich um Alles geht, wie etwa beim Überholen, das Extra-Sahnehäubchen Kraft abrufen zu können.

612 PS sind erst der Anfang

Der V8 des Porsche hat 612 PS und damit die geringste Leistung des Trios. Zusammen mit den Elektromotoren kommt er auf insgesamt 887 PS. Für die Dauer des Strom-Einsatzes hat der Porsche Vierradantrieb, denn die Elektromotoren treiben die Vorderachse an. Noch gibt es keine unabhängigen Tests des Porsche 918. Aber Walter Röhrl schaffte auf der berühmten Nordschleife des Nürburgrings schon eine Fabelzeit von 7.14 Minuten.

Er könnte noch schneller als 350 km/h

Weit weniger bekannt ist, dass die britische Rennwagenschmiede McLaren auch Straßenautos baut. Der letzte Spross dieser Tradition ist der MP4-12C genannte Supersportwagen, McLaren bringt nun den spirituellen Nachfolger des legendären F1: den McLaren P1.

Neben einer erstarkten Version des Biturbo-V8 aus dem MP4-12C mit jetzt 737 PS und war noch Platz für einen 179 PS starken Elektromotor und Akkus, was zusammengerechnet satte 916 PS ergibt. Auch hier gibt es keine unabhängigen Tests, doch bekannt ist schon, dass der McLaren bei 350 km/h elektronisch abgeregelt wird.

Er könnte sonst schneller. Wie der Porsche kann auch der McLaren rein elektrisch betrieben werden.

Kein Deckmäntelchen bei Ferrari

Das kann der Ferrari nicht, er versucht gar nicht erst sich ein ökologisches Mäntelchen umzuhängen. Danke, liebe Italiener, dass ihr darauf verzichtet. Das Hybridsystem im Ferrari wird anders als bei der Konkurrenz eingesetzt.

Doch erst einmal zum Wesentlichen. Denn einen Benzinmotor gibt es natürlich auch, und dieser V12 hat schon allein 800 PS. Die beiden Elektromotoren im LaFerrari befördern die Gesamtleistung auf 963 PS. Und das ist noch nicht alles: Über die geplanten 499 Stück hinaus sind etwa 10 Exemplare als seriennahe Rennversion mit mehr als 1.000 PS vorgesehen.

Reiner Vortrieb bei Ferrari

Was den Ferrari in der Antriebstechnik unterscheidet ist die Art, wie die Elektromotoren wirken. Der eine schickt seine Kraft direkt an das Doppelkupplungsgetriebe. Der andere jedoch treibt nur Nebenaggregate wie die Motorelektrik oder die Lichtmaschine an. Damit braucht der Benzinmotor dieses nicht mehr zu übernehmen, womit ihm mehr Leistung für den reinen und unverfälschten Vortrieb bleibt.

Fabelzeit auf „dem Ring“ steht noch aus

Die Höchstgeschwindigkeit wird von Ferrari mit „mehr als 350 km/h“ angegeben. Zwar hat der Wagen auch einen kleinen Spoiler, für den nötigen Abtrieb sorgt allerdings der ingeniös geformte Unterboden. Insgesamt traut Ferrari dem LaFerrari denn eine Zeit auf dem Nürburgring von unter sieben Minuten und damit den Spitzenwert zu. Was man aber auch erwarten können sollte, für rund drei Millionen Euro.

Insgesamt können wir uns auf einen heißen Herbst gefasst machen, wenn die drei Supersportler an die ersten Kunden ausgeliefert werden. Aber bitte nur im übertragenen Sinne.

Sie finden immer noch, dass diese Autos Teufelswerk seien? Dann greifen wir nochmal zum Gedichteband und zitieren den Schiller: „Allen Sündern soll vergeben, und die Hölle nicht mehr seyn“. Jetzt aber!

Text: SH | Bildmaterial: Porsche