Trend zum Pseudo-SUV

Trend zum Pseudo-SUV

Mehr Schein als Sein

Die SUV-Optik ist gefragt. Da nur diese den Kunden wirklich wichtig ist, bieten Automobilbauer zunehmend Fahrzeuge an, die keinen Allradantrieb haben.

26. Juli 2013

Dass selbst BMW beim X5 den Trend zu SUVs ohne Allradantrieb mitmachen würde, war nur sehr schwer vorstellbar. Aber der Kunde ist König. Also wird es die nächste Generation des X5 auch als s25d mit einem 218 PS starken 2.0-Liter-Vierzylinder-Diesel und Heckantrieb geben.

So dürfte der eine oder andere der neuen BMW X5 bei Schneefall in der Garage stehenbleiben. Denn bei glattem Untergrund ist ein Heckantrieb nicht ganz unkritisch. Vor allem, wenn das Fahrzeug einen hohen Schwerpunkt hat.

 

 
 

Optik gefragt

Andere setzen konsequent auf die Optik ohne Allradtechnik. Beispiele sind der Renault Captur, der Fiat 500 oder der Peugeot 2008. Sie bieten leicht angedeuteten Unterbodenschutz, ein Mehr an Bodenfreiheit und natürlich die erhöhte Sitzposition.

Namen führen da gerne in die Irre. Bei VW haben einige Modelle den Zusatz "Cross" im Namen: Wie der up!, Polo oder Golf. Bei keinem dieser Vertreter gibt es Allradantrieb. Weder für Geld noch für schöne Worte. Lediglich beim Handwerker-Liebling Caddy steht "Cross" auch für "Cross Country" und ist mit einem Vierradantrieb verbunden.

Verkaufszahlen steigen

Die Verkaufszahlen geben den Herstellern recht, die auf diese Gelände-Mimikry setzen. Die brachiale SUV-Optik ist "in" und die Fahrzeuge verkaufen sich wie geschnitten Brot.

Beim Mini Countryman entschieden sich im vergangenen Jahr fast 59 Prozent der Käufer für die Frontantriebs-Variante. Beim BMW X1 ist die Verteilung paritätisch, während beim Opel Mokka 1,7 CDTi sogar 70 Prozent der Käufer die 2.000 Euro Aufpreis für den Allradantrieb scheuen. Beim Nissan Qashqai haben drei von vier Modellen Frontantrieb. Volkswagen schlägt mit dem Tiguan etwas aus der Reihe: Immerhin 65 Prozent des kompakten Geländewagens werden mit Allradantrieb geordert.

Der Trend zu weichgespülten Möchtegern-Kraxlern hält an: Laut den Vorhersagen der Analysten von IHS Global Insight wird sich der Anteil der SUVs am Gesamtmarkt weltweit bis 2017 auf 17 Prozent erhöhen.

Verbesserte Traktionskontrolle kein Ersatz

Oft soll eine verbesserte Traktionskontrolle bei den "einbeinigen" SUVs für zusätzlichen Grip sorgen. Die Realität schaut bisweilen etwas anders aus.

Beim Peugeot 2008 kann die gutgemeinte "Grip Control" einen echten Allradantrieb bei weitem nicht ersetzen. Beim Renault Captur ist die Kraftverteilung auf vier Rädern erst gar nicht vorgesehen.

Die Verfechter der einen angetriebenen Achse nehmen gerne das Mehrgewicht eines Allradantriebs von etwa 80 Kilogramm und das damit verbundene Verbrauchsplus von rund einem halben Liter auf hundert Kilometer als Argument. Schließlich sind SUVs in der Regel schwerer und haben im Vergleich zu den flacheren Autos einen höheren Luftwiderstand.

Da kommt jedes Mittel zur Verbrauchsreduzierung gerade recht. Besonders mit Blick auf die EU-Pläne, den Flottenausstoß an CO2 jedes Herstellers auf 95 g pro Kilometer zu drücken.

Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll | Bildmaterial: Hersteller