Top 10 der schönsten Cockpits

Top 10 der schönsten Cockpits

Glamourös und funktional

Ein attraktiver Arbeitsplatz hebt die Laune. Auch im Auto. Zehn Vorschläge für die Wahl zum Cockpit des Jahres.

31. Juli 2013

Über Geschmack lässt sich trefflich streiten, auch wenn gern das Gegenteil behauptet wird. Autos sind famos dafür geeignet. Der Singleframe-Kühler von Audi, die Kotflügel der Mercedes E-Klasse vor dem jüngsten Facelift, die punktuellen LED-Tagfahrleuchten von VW – alles beste Beispiele für Beurteilungen von „geht gar nicht“ bis „nicht zu toppen“.

Oder Porsche. Auch so ein Geschmacksspalter. Außen teils zeitlos schön mit geradezu ikonenhaften Formen, und innen dann, tja. Die voluminöse Mittelkonsole von Cayenne und Panamera ist ein Labyrinth aus Schaltern und Tasten und sonstigen Bedienelementen. Dass nicht jeder einzelne Gang per separater Taste angewählt werden muss, scheint einzig den sportlichen Wurzeln der Marke geschuldet. Trotzig ragt aus dem Tastenmeer der Schaltstock empor. Und signalisiert: Hallo, ich bin auch noch da.

Weniger ist mehr, möchte man den Schwaben stecken. Dass sie das eigentlich wissen, zeigt die Rückkehr zu den schmalen Heckleuchten bei der aktuellen Elfer-Generation. Ein feines Zitat aus der Krabbelphase des Kurvenkünstlers liefern auch die Instrumente des Jubiläumsmodells „50 Jahre 911“: schwarz hinterlegt mit grüner Ziffern- und Skalenfarbe – so war das bis 1967. Was blieb, über all die Jahre und zum Glück, sind die fünf Rundinstrumente und das Zündschloss links. Zumindest diese Konstellation ist über jeden Zweifel erhaben.

 

 
 

Schrankwandstil war gestern

Die asketische Lehre von der Leere gilt für Cockpits ganz extrem. Auffällige, aber wenige Akzente. Schluss mit Schrankwandstil und Setzkasten-Gefriemel. Die neue Generation des Audi A3 macht es vor. Vier große, runde Lüftungsdüsen mit Metalleinfassungen – eine links, eine rechts, zwei mittig – bilden die optische Fixpunkte des Armaturenbretts, wie bereits im kleinen Bruder A1.

Darunter, dezent und funktional ins Armaturenbrett eingebettet, neun nahezu bündig gesetzte Schalter. Eine halbe Etage tiefer: die reduzierte, übersichtliche Bedieneinheit für die Klimaanlage. Gut is’. Nächster Fixpunkt ist bereits der Schalknüppel mit optisch korrespondierenden Aluminium-Akzenten.

Auch der neue BMW 4er ist ein Musterbeispiel an Aufgeräumtheit. Freistehender großer Bildschirm (bis zu 8,8 Zoll) „auf“ dem Armaturenbrett, darunter – von oben nach unten schmaler werdend – Lüftungsgitter, Radioeinheit, Klimaanlage. Und auf der Mittelkonsole: der runde iDrive Controller, das zentrale Multifunktions-Bedienelement mit Dreh-Drück-Mechanik und „touch“-Funktion (Sonderausstattung). Buchstaben und Zahlen können einfach „gemalt“ werden. Das System macht daraus Namen, Orte, Telefonnummern. Ein wirklich nettes Gimmick; Premiere feierte es in Audis Oberklasse.

Pomp und Glamour à la Glööckler

Schön ordentlich. Das mag natürlich nicht jeder. Echte Freigeister bevorzugen das Chaos. Oder den Pomp eines Glööckler. Als automobiles Abbild der schrillen Glamour-Kreationen des schrägen Designers taugt Pagani. Der italienische Supersportwagen-Hersteller treibt das Spiel mit Formen und Materialien auf die Spitze, erst recht im Innenraum.

Bling-Bling- oder besser Kling-Klong-Optik vom Allerfeinsten: überall nacktes bzw. gebürstetes oder wie auch immer bearbeitetes Metall, neonfarbenes Display. Der phallische Handbremshebel würde bei der Handgepäckkontrolle für mittelschwere Irritationen sorgen. Wie überhaupt das ganze Auto eine eher verstörende Ausstrahlung hat. Vierer-Auspuff im Stalinorgel-Look, mächtige Türschwingen, Heckfenster mit V-Ausschnitt. Der Huayra darf, nein, er muss so ein Interieur haben.

Extrem in jeder Hinsicht ist auch der Ferrari LaFerrari. Drei Sekunden auf 100, sieben auf 200, 15 auf 300 km/h. E-Motor mit 163 PS, V12 mit 800 PS (ohne Turbo). Preis: eine Million Euro plus Steuern. Im Innenraum haben die Italiener eine bizarre Kohlefaserlandschaft geformt. Techniker und PS-Fanatiker rühmen sie für ihre nackte Funktionalität und den konsequenten Verzicht auf jedes überflüssige Grämmchen. Das Wissen darum hilft, die eigentümliche Ästhetik wertzuschätzen.

Grinsendes Volant im Panoramakino

Die Schaltzentrale der neuen Mercedes-Benz S-Klasse hat bei der Präsentation für viel Aufsehen gesorgt. Manch einer sieht im Lenkrad das Grinsen eines Clowns – und wird das Bild dann auch nicht mehr los. Ärzte und Apotheker würden vermutlich raten: Schauen Sie sich niemals auf dem Flachbildschirm (gigantische 31,7 cm Bildschirmdiagonale!) Zirkusfilme an, das macht alles nur viel schlimmer.

Davon ab, sieht es im Panoramakinosaal der S-Klasse aus wie nach der Kehrwoche. Alles blitzeblank und da, wo es hingehört. Das freut das Schwabenherz. Und der Ästhet juchzt auch.

Mehr über die möglichen Kandidaten für die inoffizielle Wahl zum Cockpit des Jahres in der Bildergalerie.

Text: Ralf Bielefeldt