Neuvorstellung Ford Mustang

Neuvorstellung Ford Mustang

Pferdeausflug

Ford will die Automobilwelt aufmischen. Wie ginge das besser als mit dem legendären Mustang? Die nächste Generation kommt auch nach Europa.

5. Dezember 2013

Endlich kann man sich den düsteren Weg zum US-Grau-Importeur sparen. Ford trägt seine Markenikone mit dem galoppierenden Pferd im Logo nun in die ganze Welt hinaus, um die frohe Botschaft über den Erdball zu verbreiten. Ford will mehr Emotionen, Ford will mehr Sportlichkeit und das Wichtigste überhaupt: Ford will überhaupt wieder.

Die Jahre des Darbens sind vorbei und da kommt die Neuauflage der Ikone gerade Recht zum 50. Modellgeburtstag im nächsten Frühjahr. „Auf der ganzen Welt ist völlig klar, was ein Mustang bedeutet“, Ford-Designer Moray Callum, „man hat nur eine Chance, für einen ersten Eindruck.“

 

 
 

Immer noch eindeutig ein Mustang

Zeitsprung ein paar Wochen zurück in die Ford-Zentrale in Dearborn, vor den Toren von Motorcity Detroit. Es ist kalt, doch die Sonne scheint. Der Himmel ist klar, als hätte die Welt auf diesen Ford Mustang gewartet. Im streng gesicherten Designzentrum stehen altes und neues Modell in knalligem Rot direkt nebeneinander. So werden die Unterschiede besonders deutlich.

Der neue Mustang ist keine automobile Revolution. Dazu kam das aktuelle Modell viel zu gut an. Doch er ist markanter, kraftvoller und insbesondere feiner gezeichnet. Die Front mit den kleinen Leuchten, die an die nächste Mondeo-Generation erinnern, ist drei Zentimeter flacher, das Dach 3,5 Zentimeter, und das Heck mit der angeschrägten Lichtleiste ist eine echte Augenweide – hier wurden sogar acht Zentimeter Höhe abgebaut. Die Flanken haben mehr Kontur bekommen, was die Brüstungsspiegel noch unterstreichen. Der Breitenzuwachs von vier Zentimetern lässt den Mustang, der bis auf weiteres ausschließlich in seinem amerikanischen Stammwerk Flat Rock gebaut wird, bulliger und kraftvoller erscheinen.

„Ich habe drei Jahre lang am Mustang gearbeitet“, erzählt Kemal Curic aus dem Ford-Designteam, „das ist doch das tollste, was man sich vorstellen kann. Ich fahre selbst einen Mustang GT 500. Einfach spektakulär. Bei dem Neuen haben wir viel Detailarbeit geleistet, um den Mustang muskulösere Formen an Dach und Motorhaube zu geben.“

Ein Pony mit „nur“ vier Zylindern

Ende 2014 soll es in den USA losgehen und zum Jahreswechsel 2014 / 2015 kommt der neue Mustang endlich auch nach Europa. Bei den Motoren mag man zunächst die Nase rümpfen. „Besitzer von Sportwagen kaufen Motorleistung, doch sie fahren Drehmoment“, irritiert Mustang-Chefentwickler Dave Pericak nicht nur nur Ford-Fans, „der Ecoboost-Motor liefert genau das, was man von einem Mustang erwartet.“

Gerade für Europa setzen die Amerikaner überraschenderweise auf einen aufgeladenen Vierzylinder mit 2,3 Litern Hubraum und 310 PS / 407 Nm. Doch ein Ponycar mit nur vier Brennkammern dürfte trotz aller Downsizing-Trends kaum in die Herzen echter Mustang-Fans galoppieren.

Da irritiert, dass die beiden Ford-Sechszylinder mit 3,7 Litern Hubraum – mit wie ohne Turboaufladung – für Europa außen vor bleiben. Wer einen echten Mustang reiten will, dürfte daher hierzulande um den fünf Liter großen Achtzylinder des Mustang GT kaum herum kommen, der rund 430 PS und 530 Nm Drehmoment auf die Straße bringt.
Zum Glück habe sich die Mustang-Ingenieure von der Starrachse verabschiedet, die abgesehen von einer SVT-Kleinserie Ende der 90er Jahre, seit Jahrzehnten eines der Kennzeichen der Mustang-Modellreihe war. Der Mustang-Fan hat die Wahl, ob der manuell ins Geschehen eingreift oder eine Sechsgang-Automatik die Schaltarbeit verrichten lässt.

Mehr Dynamik

In Sachen Leichtbau darf man schon angesichts der zu erwartenden Preisstruktur keine Wunder erwarten, auch wenn etwa 100 kg eingespart werden konnten. Der neue Mustang liegt insgesamt in Dimensionen und Gewicht auf dem Niveau seines Vorgängers.

Der Innenraum bietet keinerlei Premiumelemente, doch er sieht wertiger und aufgeräumter aus als bisher. Die Instrumente sollen Anleihen an die Aeronautik darstellen. Das Platzangebot vorne ist gut; im Fond kann in zwei Sitzhöhlen jedoch kaum ernsthaft jemand sitzen, der den Kinderschuhen entwachsen ist.

Fahrdynamisch soll es aufwärts gehen, denn sonst könnte man sich den Ausflug nach Europa wohl sparen. Nach Ford-Aussagen hat man sich am aktuellen Boss Mustang, dem Topmodell mit Saugmotor, orientiert. Zudem waren bei den Vergleichsfahrten als Zielgrößen BMW M3 und der Porsche 911 mit dabei.

Cabrio kommt zeitgleich

Als es schließlich aus dem Designcenter in Dearborn heraus geht, schaut Fords COO Mark Fields vorbei: „Der Mustang ist als Ikone ein sehr besonderes Auto für uns. Wir haben bereits neun Millionen verkauft. Er ist ein zentraler Bestandteil der Ford-Kultur. Es gibt 400 Clubs und wir haben fünf Millionen Facebook-Fans. Das sagt doch alles.“

Und die Mustang-Fans können sich auf den Sommer 2015 besonders freuen, denn das Mustang Cabrio kommt zeitgleich mit dem Coupé. Sein Dach öffnet in rekordverdächtigen sieben Sekunden.

Vielleicht reicht es auch einmal wieder für eine Hauptrolle in einem Film. Ein 1971er Mustang Mach 1 donnert mit James Bond am Steuer durch „Diamantenfieber“, und jeder kennt den 1968er Mustang Fastback in „Bullit“ mit Steve McQueen. Es muss zukünftig kein Hollywood-Streifen mehr sein. Der nächste Mustang ist ja auf der internationalen Bühne zu Hause.

Text: Stefan Grundhoff; press-inform