Modellwechsel 2013

Modellwechsel 2013

Zeit für Schnäppchenjäger

Die ersten Auslaufmodelle des Jahres locken mit hohen Preisabschlägen. Zugreifen oder auf die Neuheiten warten?

14. März 2013

Irgendwann macht das Alter selbst vor den Besten und Schönsten und Schnellsten nicht mehr halt. Zeit für einen Nachfolger. Der kann dann vieles bis alles noch viel besser, sollte man meinen. Aber ist er deshalb zwangsläufig die bessere Wahl?

Generationswechsel sind immer so eine Sache, auch bei Autos. Da hat man sich an ein „Gesicht“ gewöhnt, es lieben und schätzen gelernt mit all seinen Ecken und Kanten und Falten und Furchen und Macken und Marotten und Stärken und Schwächen, und dann soll es das auf einmal nicht mehr sein?

Menschen, die emotionale Bindungen zu ihrem Fahrzeug pflegen und/oder keinen übertriebenen Wert auf Veränderungen legen, stehen solchen Momenten gelassen gegenüber. Andere sind sofort alarmiert: Auslaufmodell!

 

 
 

Hohe Preisabschläge für gestandene Autos

Wirtschaftlich ist so ein Modellwechsel nicht zu unterschätzen: Sobald der Nachfolger in den Medien auftaucht, verliert das aktuelle Modell an Wert. Steht er dann beim Händler, gehören selbst Bestseller schlagartig zum alten Eisen. Wer an Trennung beziehungsweise seinen ganz persönlichen „Modellwechsel“ von alt auf neu denkt, sollte das also frühzeitig in die Wege leiten.

Die andere Seite der Medaille: Die Preise der Ausgemusterten purzeln wie im Schlussverkauf. Was noch beim Händler steht, muss weg. Runter vom Hof, Platz machen für den gewienerten Nachfolger. 15, 25 oder mehr Prozent an Ersparnis sind drin. Und zwar für Autos, denen eventuelle Marotten im Zuge von Service-Aktionen oder sogar einer größeren Modellpflege ausgetrieben wurden, und die mit Reife und Stückzahlen für Qualität bürgen. Böse Überraschungen ausgeschlossen. Also zugreifen?

Toyota RAV4: Eine neue Liga

Ein aktueller Fall dieser Art ist der Toyota RAV4. Die neue, jetzt startende vierte Generation ist ein echter Schnitt. 20 Zentimeter legt der neue RAV4 in der Länge zu, damit wächst er auf amtliche 4,57 Meter. Zehn Zentimeter mehr Radstand (2,66 m) lassen ihn stattlicher auf der Straße stehen. Alle Motoren bieten im Vergleich mit der aktuellen Baureihe deutlich bessere CO2- und Verbrauchswerte.

Sparsamstes Aggregat ist künftig der 2,0-l-D-4D mit 124 PS. Der Turbodiesel mit Start-Stopp-Automatik belastet die Umwelt mit lediglich 127 g/km CO2. Bester Wert im aktuellen Modell: 156 g/km, emittiert vom 2,2-Liter-Diesel mit Frontantrieb. Aber muss es deshalb wirklich das neue Modell sein?

Das Fahrwerk stammt von Generation drei, die elektrische Servolenkung auch, beides wurde lediglich überarbeitet. In puncto Assistenzsysteme hat der Neue natürlich die Nase vorn. Dennoch: Um die letzten Exemplare des Auslaufmodells lohnt es sich zu feilschen.

Laut Liste gehen die Preise bei 24.550 Euro los, der neue RAV4 liegt mit 26.650 Euro deutlich darüber, ab 13. April 2013 steht er beim Händler. Wer Spaß am Preise drücken hat und es lieber kompakt mag, sollte sich auf den Weg machen.

Skoda Octavia Combi: Generation drei sticht

Spaß am Sparen – den unterstellt man gemeinhin Skoda-Käufern. Die tschechische Volkswagen-Tochter steht nach wie vor für ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis. Topseller ist der Skoda Octavia, und den gibt es jetzt rundum neu.

Wie schon Audi A3 und VW Golf VII profitiert die dritte Generation des familienfreundlichen Skoda Octavia Combi vom „Modularen Querbaukasten“, kurz MQB, dem neuen Auto-Stecksystem von Volkswagen.

Radstand plus 11 cm, Länge plus 9 cm – der neue Octavia wächst in jeder Hinsicht. Das Ladevolumen steigt auf maximal 1.740 Liter. Das sind 120 Liter mehr als der Vorgänger zu bieten hatte – und der neue VW Golf VII Variant vorweisen kann. Ein treffliches Kaufargument.

Darum kann die Empfehlung in diesem Fall – bei aller Qualität der noch bei vielen Händlern mit teils deutlichen Preisabschlägen wartenden, leicht angegrauten zweiten Generation – nur heißen: auf jeden Fall den neuen Octavia Combi nehmen. Optional gibt es fast alle Assistenzsysteme, die auch der VW Golf VII bietet. Die Preise beginnen bei fairen 16.640 Euro.

VW Golf Variant: Das Warten lohnt

Das Pendant aus Wolfsburg ist natürlich einer der heißesten Kandidaten im Modellkarussell 2013. Der Packesel der siebten Golf-Generation debütierte Anfang März auf dem Genfer Salon und lässt seinen rundlichen Vorgänger ganz schön alt aussehen.

Unter dem Golf-VI-Blechkleid steckt ein gut abgehangenes Auto. Anders als der neue Variant wurde der amtierende allerdings nicht von vornherein als Kombi konzipiert, sondern ist ein verlängertes Derivat der Limousine. 18.950 Euro beträgt der offizielle Listenpreis für das Basismodell in „Trendline“-Ausführung. Im Angesicht des nahenden Variant VII dürften da locker ein paar Tausender rauszuschlagen sein, erst recht für die vergleichsweise teure Topvariante „Exclusive“ (ab 27.900 Euro).

Aber: Das deutlich bessere Auto ist der neue VW Golf VII Variant. Er ist größer, leichter und sparsamer – und er bietet mehr Stauraum. Voll bestuhlt steigt das Ladevolumen von derzeit 505 auf 605 Liter, maximal sind es 1.620 statt bislang 1.495 Liter. Damit geht der Neue fast als VW Passat Variant „light“ durch (max. 1.731 l).

Endgültig den Sack zu in Sachen Kaufentscheidung macht der neue Golf Variant mit seinen Assistenzsystemen. City-Notbremsfunktion, automatische Distanzregelung, Verkehrszeichenerkennung, Parklenkassistent, Displaygrößen von 5,8 bis 8 Zoll – all das kann der „alte“ Golf nicht bieten.

Insoweit: Abwarten – auch wenn noch keine konkreten Preise kommuniziert wurden. Die dürften – Hauspolitik – auf Niveau des Vorgängers liegen. Ab Spätsommer 2013 soll der lange Golf zu haben sein. Rechtzeitig zum Modelljahr 2014, sozusagen. Dann geht der Rechenspaß von vorne los. Weitere Infos in der Bildergalerie.

Text: Ralf Bielefeldt