Das Comeback der Limousinen

Das Comeback der Limousinen

Länge läuft

Vorn so lang wie hinten – das war einmal. Die neuen Stufenheck-Limousinen spielen geschickt mit der klassischen Form. Und punkten bei den Käufern.

22. November 2013

Limousinen erleben eine Renaissance, nicht nur, weil der aufstrebende osteuropäische Markt danach verlangt und im Absatzwunderland China gilt: Nur ein Auto mit Stufenheck ist ein gutes Auto. Opulenter Auftritt vorausgesetzt.

Länge läuft. Das gilt nicht nur für die Langversionen, die auf dem asiatischen Markt blendende Absatzzahlen einfahren. Auch auf den deutschen Straßen kann sich die klassische Stufenheck-Limousine wieder sehen lassen. Dank ihres modern interpretierten „Three-Box-Designs“.

Mercedes hat der E-Klasse das bislang teuerste Facelift der Firmengeschichte angedeihen lassen, um gegen den formvollendeten BMW 5er nicht weiter an Boden in der Businessklasse zu verlieren. Auch der Audi A6 ist nach der Milliarden-Investition plötzlich wieder in Schlagdistanz der Schwaben. Nicht einmal mehr 250 Einheiten trennen die beiden laut Oktober-Zulassungsstatistik des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA). Das sah zum Halbjahr 2013 noch ganz anders: Da lag die A6-/A7-Familie (20.642 Neuzulassungen) noch mit mehr als 2.400 Einheiten vor der E-Klasse (18.204).

 

 
 

Gewinner fahren mit Stufenheck vor

Aus den Langweilern von einst sind elegante Trendsetter geworden. Die neue Businessklasse macht an. In allen Preis- und Fahrzeugklassen. Viele der wenigen Modelle, die auf dem rückläufigen deutschen Markt (minus 5,2 Prozent) von Januar bis Oktober 2013 zulegen konnten, treten auch oder ausschließlich mit klassischen Kofferraumabteil an: Hyundai i40 plus 11,3 Prozent, BMW 3er +18,2%, Jaguar XF +26,6%, Chevrolet Malibu +32,1% Prozent.

Skodas neuer Stufenheck-Kompakter Rapid steht mit plus 893 Prozent in der KBA-Hitliste. Ende 2012 gestartet, hat es der kleine Octavia in Deutschland auf 5.014 Neuzulassungen in den ersten zehn Monaten des Jahres 2013 gebracht. 4,0 Liter auf 100 km, 550 bis 1.490 Liter Stauraum bei knapp 4,50 Meter Länge, Preise ab 13.990 Euro. Das zieht in dieser Klasse.

Wachstumsbringer Audi A3 Limousine

Ein neues Kapitel bei den Kompakten schlägt auch Audi auf. Die A3 Limousine ist das erste Stufenheck-Modell von Audi in der Premium-Kompaktklasse. 4,46 Meter lang, ergänzt der A3 mit Gepäckfortsatz die MQB-Familie (Modularer Querbaukasten) des Volkswagen-Konzerns in einem der global am schnellsten wachsenden Segmente.

Im Frühjahr 2014 startet die A3 Limousine auch in den USA und in China. Gebaut wird sie im ungarischen Győr und künftig auch am neuen chinesischen Standort in Foshan. 425 Liter Gepäck passen in das auffallend kurze Stufenheck, dass die A3 Limousine im Vergleich mit den großen Brüdern A4 und A6 durchaus eigenständig auftreten lässt.

Audi spendiert dem verlängerten A3 (plus 19 Zentimeter) nahezu alle Assistenzsysteme, die das Konzernregal derzeit hergibt – vom Abstandsautomaten „adaptive cruise control“ über die Einparkhilfe plus (erkennt Längs- und Querparklücken) bis hin zur kameragesteuerten Verkehrzeichenerkennung. Schon der Basisbenziner 1.4 TFSI mit 125 PS (ab 24.300 Euro) läuft 212 Spitze und sprintet in 9,4 Sekunden auf 100. Der kleinste Diesel (1.6 TDI) bringt es auf 198 km/h und braucht 10,9 Sekunden auf Tempo 100. Spitzenmodell ist die S3 Limousine mit 300 PS und 380 Nm ab 1.800 Touren. Nackt für sportliche 41.050 Euro.

Mercedes S-Klasse mit 1.000 Nm Drehmoment

Außergewöhnliche Fahrleistungen und souveräne Dynamik – es ist wohl durchaus etwas dran, wenn Mercedes-Benz beim Topmodell der neuen S-Klasse, dem S 65 AMG, von „Driving Performance in Vollendung“ spricht.

6,0 Liter Hubraum, V12-Biturbomotor, 630 PS, 1.000 Newtonmeter Drehmoment. Bei diesen Eckdaten dürften ambitionierte Autofahrer durchaus feuchte Hände bekommen. Der Mercedes S 65 AMG ist derzeit das stärkste Serienmodell im KBA-Segment Oberklasse. Trotzdem lässt sich der Über-Benz laut Datenblatt mit 11,9 l/100 km (kombiniert) bewegen und erfüllt dabei die Euro-6-Abgasnorm. Ein Antrieb mit Zukunft, so gesehen.

Das „sehende Fahrwerk“ der S-Klasse erkennt Bodenwellen mittels Stereokameras im Voraus – ausreichende Lichtverhältnisse vorausgesetzt – und stellt das Auto darauf ein („Magic Body Control“). Im Topmodell der Baureihe gibt es diese Technik („Road Surface Scan“) natürlich serienmäßig.

Head-up-Display und Handablagen-Erkennung

Das neue farbige Head-up-Display der S-Klasse haben sich die Schwaben bei BMW abgeguckt. Es projiziert fahrrelevante Daten wie gefahrene Geschwindigkeit, Tempolimit oder Navigationshinweise auf die Windschutzscheibe, ins direkte Sichtfeld des Fahrers. Gefühlt schweben die Angaben rund zwei Meter vor ihm über der Motorhaube. Sehr lässig und schon nach kurzer Zeit gefühlt unentbehrlich.

Die Bedienung von Navi, Telefon und allen Infotainmentsystemen erfolgt über ein neuartiges Touchpad mit sensorgesteuerter Handablagen-Erkennung. Das dreidimensionale Signal weiß, ob der Fahrer einfach nur lässig seine Hand auf der kratzfesten Oberfläche parkt oder tatsächlich eine Eingabe erfolgt. Über dieses Feature dürfen sich ab 2014 auch die Chauffeure der neuen C-Klasse und des Viano-Nachfolgers freuen.

Mazda6 punktet in der Mittelklasse

„Wer Innovation schaffen will, muss mit der Konvention brechen.“ Philosophische Worte, mit denen Mazda die Besucher seiner Website empfängt. Gepriesen wird damit unter anderem die Skyactiv-Technologie, Mazdas modellübergreifendes Effizienzkonzept.

Mehr Energie aus dem Kraftstoff holen, weniger Emissionen in die Umwelt pusten – das steckt hinter dem ungewöhnlich hohen Verdichtungsverhältnis von 14:1, mit dem Mazda fast alle neuen Motoren ins Rennen schickt und mit dem ansonsten eigentlich nur Formel-1-Boliden unterwegs sind.

Kombinierter Verbrauch ab 3,9 Liter pro 100 Kilometer und CO2-Emissionen ab 104 Gramm pro Kilometer melden die Japaner für ihren 150-PS-Diesel. 5,5 l/100 km und 129 g/km CO2 lauten die Werte beim 145-PS-Benziner. Die Preise starten bei 24.990 Euro bzw. 28.490 Euro.

„Kodo“ schwelgt in lasziven Formen

Das sind echte Kaufargumente für den schnieken Mazda. Plus 76 Prozent lautet die Bilanz des Mazda6 in Deutschland seit Anfang 2013. Exakt 7.786 Neuzulassungen bescheren ihm einen Marktanteil von 2,5 Prozent in der Mittelklasse. Das kann sich sehen lassen. Ebenso wie das mehrfach ausgezeichnete „Kodo“-Design (u.a. Red Dot Award 2013) mit dem markanten 5-Punkt-Grill und den lasziv geschwungenen Flanken.

Start-Stopp-System („i-stop“) gibt es serienmäßig, ab Ausstattungsniveau Sports-Line ist auch das Energierückgewinnungssystem (i-Eloop) aufpreisfrei an Bord. Nimmt der Fahrer den Fuß vom Gas oder tritt er auf die Bremse, wird die kinetische Energie in elektrische umgewandelt und mittels Kondensator gespeichert. Komponenten wie Audio- oder Klimaanlage können mit dieser zusätzlichen Energie bis zu eine Minute lang gesteuert oder der Motor beim Beschleunigen entlastet werden. Mazda verspricht bis zu zehn Prozent Kraftstoffersparnis.

Mehr über die Trendsetter mit Stufenheck in der Bildergalerie.

Text: nh/fayvels büro