Teure Extras

So viel kostet Vollausstattung

Teure Extras

Der Basispreis eines Autos dient nur zur groben Orientierung. Was ein Neuwagen letztlich kostet, bestimmen die Extras.

28. März 2013

Sonderausstattung. Das Wort sagt eigentlich schon alles. Hier geht es nicht um Standardware, nein, das Besondere ist gefragt. Etwas, das über das eigentliche Angebot hinausgeht, aber was die meisten gern hätten – und im Zweifel auch bereitwillig bezahlen. Elektrische Fensterheber hinten, zum Beispiel, oder ein Lenkrad mit Multifunktionstasten.

„Gefühlt“ ist beides Stand der Technik und sollte in einem Neuwagen „eigentlich“ ohnehin vorhanden sein, bezahlt werden derlei „Komfortmerkmale“ aber bei den allermeisten Modellen extra – sei es als separate „Option“, über Ausstattungspakete bzw. –linien oder über den Sonderpreis eines Sondermodells.

Das Angebot möglicher Sonderausstattungen ist riesig. Vom Smartphone-Adapter über Eukalyptus-Zierblenden bis zu glanzgedrehten Felgen und allerlei Trägersystemen ist – je nach Hersteller – nahezu alles gegen Aufpreis zu haben. Wer munter zugreift, kann den Preis eines Autos mehr als verdoppeln.

 

 
 

 

Von 16.550 auf 39.000 Euro

Beispiel Audi: Die kleinste Währung der Ingolstädter sind 16.550 Euro für den A1 Attraction 1.2 TFSI. Mit allen lieferbaren Extras kostet der Nobelknirps so viel wie ein ausgewachsener A6 Avant: 39.000 Euro. „Charakter und Emotion“ soll der 3,95 Meter kurze Audi A1 mit Frontantrieb, Fünfgang-Getriebe und 86 PS verströmen – unter anderem dank werksseitiger Ausströmermanschetten in schwarz matt, Stahlrädern mit Radvollblende in sozialverträglichen 15 Zoll und Sportlenkrad in 3-Speichen-Design.

Im Konfigurator auf der Audi-Webseite muss man den Spar-A1 allerdings erst einmal finden. Der Konfigurator springt automatisch zum gut 4.000 Euro teureren A4 Ambition 1.4 TFSI mit zeitgemäßerem 6-Ganggetriebe, üppigerer Ausstattung und 122 PS (ab 20.400 Euro).

Auch die online erreichbaren „Technischen Daten“ starten ihre Modellauswahl nicht mit der günstigsten Version des A1. Hier besetzt die nächsthöhere Ausstattungsvariante Ambition (ab 17.950 Euro) die ersten elf Positionen des Dropdown-Modell-Menüs. Ein Schelm, der mehr als eine alphabetische Sortierung dahinter vermutet.

Klickparadies Konfigurator

Ist die Wahl des Ausgangsmodells getroffen, startet die Reise durchs Wünsch-dir-was-Paradies der Sonderausstattungen. Ein Klick im Online-Konfigurator, und es gehört fürs Erste dir, das Extra. Und dies noch, und das, und ach, nicht zu vergessen jenes. Im Kalkulationsfenster rattert derweil der Sonderausstattungs-Zähler. Bis er letztlich bei 22.446 Euro stehenbleibt – Fahrzeug exklusive.

Auch bei Mercedes-Benz lässt sich trefflich einkaufen. 76 Seiten umfasst die PDF-Preisliste des neuen, rundum aufgehübschten E-Klasse T-Modells. Bei 43.644 Euro startet die Preisliste des stilvollen Raumwunders. Dafür liefert der E 200 CDI zarte 136 PS und begnügt sich als Handschalter mit 5,2 l/100 km. Da bleibt was übrig für Extras, gern auch vom oberen Regal.

Gehen wir mal ran wie ein frisch gebackener Lotto-Millionär mit Hang zum Besten: Vollausstattung. Also alles rein, was geht und sich nicht gegenseitig ausschließt. Lackierung Diamantweiß Bright Metallic: 1.963 Euro. Zierelemente Holz Esche offenporig: 333 Euro. Polsterung Leder: 2.058 Euro, plus Sitzheizung vorn (ohne die gibt es kein Leder) für weitere 404 Euro bzw. 1.285 Euro inklusive Sitzklimatisierung vorn. Sport-Paket AMG: 3.986 Euro. Aktiv-Multikontursitz-Paket: 1.523 Euro. Sitzheizung im Fond: 404 Euro. Fahrassistenz-Paket Plus: 2.677 Euro, dazu das obligatorische Automatikgetriebe 7G-TRONIC PLUS: 2.558 Euro. Und, und, und (siehe Bildergalerie). Macht unterm Strich laut Web-Konfigurator: 47.350 Euro – ohne T-Modell.

Dacia schafft nur den halben Neupreis

Begibt man sich in die Niederungen des automobilen Lebens, wird die Auswahl karger. Dacia bietet für das Basismodell des Kompakten Sandero Sonderausstattung und Zubehör im Wert von insgesamt 3.156 Euro an – so man sich mit je einem Satz Winterräder und Teppich zufriedengibt. Das entspricht nicht einmal der Hälfte des Anschaffungspreises von wenigstens 6.989 Euro (Dacia Sandero 1.2 16V Essentiel, 72 PS).

Greift man zur nächsthöheren Sandero-Ausstattung Ambiance, kann man für maximal 5.308 Euro zusätzlich einkaufen. Oder lieber gleich die Topversion Stepway Prestige ordern (ab 11.990 Euro). Was für Power-Sonderausstatter natürlich keinerlei Anreiz bietet, lässt sich dort doch nur gut ein Viertel des Neupreises in zusätzliche Ausstattung investieren.

Beim Topmodell Duster (mit 105 PS ab 10.490 Euro) kommen laut Dacia-Website immerhin Extras im Wert von 6.940 Euro zusammen, wenn man es drauf anlegt und grundsätzlich schon mal wenigstens 13.590 Euro für den zweiradgetriebenen 1.6 16V in der gehobenen Ausstattung Lauréate hinblättert. Für die Basisvariante Essentiel gibt es beim Dacia-Händler Aufrüstungsmöglichkeiten in Höhe von 5.800 Euro.

Mehr dazu in der Bildergalerie.

 

Text: Ralf Bielefeldt