Kaufberatung: Vespa-Motorroller

Der legendäre Motorroller wird 70

Eine Vespa macht den Sommer

Italiens Zweirad Nummer 1 feiert Geburtstag: Seit 1946 baut Piaggio Vespa-Motorroller. Vom antiken Zweitakter bis zum modernen Viertakt-Scooter warten mehr als 2.000 „Wespen“ aller Jahrgänge bei mobile.de auf neue Fans.

 
 
  • Vespa-Motorroller sind praktisch und stilvoll.
  • Moderne Modelle eignen sich gut für Pendler.
  • Historische Roller sind langsam und unsicher.

Motor, Getriebe und Rad als Einheit

Not macht erfinderisch: Nach dem Zweiten Weltkrieg waren auch in Italien Rohstoffe knapp. Ein Kettenantrieb kam da nicht in Frage für das Gefährt, das der Ingenieur Corradino D’Ascanio im Auftrag von Enrico Piaggio auf zwei Räder stellen sollte.

Seine Vorgaben: Der Antrieb sollte möglichst simpel, robust und so gestaltet sein, dass sich der Fahrer möglichst nicht schmutzig machen konnte. Also entschied sich Corradino für eine Triebsatzschwinge ohne Antriebskette.

Hierbei sind Motor, Getriebe und Antriebsrad eine Einheit, verpackt in einer Stahlblech-Karosserie mit praktischem Durchstieg. Eine buchstäblich saubere Lösung, die die Zweiradwelt erobern sollte. Bis heute wurden über 17 Millionen Vespas gebaut. Und das Grundprinzip ist immer noch das Gleiche.

Aus dem Entchen wurde eine Wespe

Vor 70 Jahren lief die erste vom Band, eine Vespa 98 mit rund 60 Kilogramm Gewicht. Im Werk nannten sie sie anfangs noch „Paperino“ genannt, zu Deutsch „Entchen“. Der Spitzname war inspiriert von der Position des Scheinwerfers unten auf dem vorderen Kotflügel; das erinnerte an einen Entenschnabel. Doch Piaggio selbst soll schon beim Prototyp MP6 ausgerufen haben: „Sembra una vespa!“ – sieht aus wie eine Wespe.

Unter dem schwungvollen Blechkleid schuftete ein 98-ccm-Motor mit Dreigang-Getriebe und 3,2 PS. Immerhin 60 km/h Höchstgeschwindigkeit kitzelte er aus dem rundum verkleideten Roller. Völlig ausreichend für damalige Straßenverhältnisse.

Heute schafft das stärkste Modell – die Vespa GTS Super 300 4V mit 22 PS – laut Hersteller 122 km/h Spitze. Wer sich in alter Mofa-Manier duckt und mit der Kinnspitze auf dem längst nach oben gewanderten, charakteristischen Scheinwerfer aufsetzt, holt bergab auch noch eine Handvoll Stundenkilometer mehr raus.

Heute sind ABS und ASR Serie

Aber ums Rasen ist es der Vespa und ihren Fans nie gegangen. Schon die Sitzhaltung, etwas zwischen Hocken und Kauern, wirkt nicht eben sportlich. Und geben wir es ruhig zu: Geparkt sehen die aparten Rundungen der Karosserie weit besser aus, als mit einem behelmten Menschen gekrönt im Verkehrsgewühl. Bei alten Modellen mehr als bei zeitgemäßen.

Heute ist das Sinnbild italienischer Lebensfreude nicht mehr ganz so rundlich, dafür aber erfüllt es alle Sicherheitsansprüche der Gegenwart. Die superschmalen und kleinen Räder der Anfangsjahre sind bei fast allen Modellen 12-Zoll-Varianten in immerhin 120/70 vorn und bis 130/70 hinten gewichen. Lediglich zwei Modelle sind noch auf den Miniaturrädern mit 11 bzw. 10 Zoll unterwegs – die „kleine“ Primavera 50 und die schnörkellose PX 150 bzw. 125.

Antiblockiersystem (ABS) und Antischlupfregelung (ASR) gibt es beim 300er Spitzenmodell inzwischen serienmäßig. Modellabhängig alarmiert LED-Tagfahrlicht andere Verkehrsteilnehmer. Das Schalten übernimmt eine Variomatik, nur die PX als Retro-Roller hat noch eine Viergang-Handschaltung.

Miserable alte Trommelbremsen

Was sich über die letzten sieben Jahrzehnte kaum geändert hat: Eine Vespa ist nicht Leistung, sondern Lebensgefühl – wohl auch ein Grund, warum sie in jüngster Zeit wieder so angesagt ist, auch als Oldtimer mit weniger als fünf PS. Und: Die schlichte Konstruktion kann jeder leicht und schnell reparieren, alle Teile sind verfügbar.

Das heißt aber auch: Eine Vespa ist langsam, sie stinkt (anders lässt sich das nicht sagen) bis Baujahr 2000 (im Modell ET4 wurden erstmals Viertakter installiert), und die Technik ist bis in die späten 1990er-Jahre auf amüsante Weise altmodisch. Das fängt damit an, dass der Tank für kaum mehr als 150 km ausreicht.

Einen hohen Sicherheitsstandard dürfen die Käufer einer historischen Vespa nicht erwarten: So haben PX-Modelle erst ab 1998 eine (1!) Bremsscheibe. Nur die Vespa Cosa hatte bereits 1988 Bremskraftverstärker und optional ABS. Und die miserablen vorderen Trommelbremsen der alten Roller sind Legende...

Kleiner Vespa-Typenberater

Welche Vespa für welchen Fan? Eigentlich ganz einfach:

  • Wer den Roller auch zum Pendeln und für andere tägliche Fahrten benötigt, auch bei Regen und auf Schnellstraßen, nimmt eine aktuelle Version, z.B. die Primavera oder die Sprint
  • Wer Lebensgefühl und Design der Zweitakt-Ära genießen möchte, aber mit etwas mehr Sicherheit (Scheibenbremse) und Umweltschutz (Katalysator) als damals, nimmt eine neue PX (seit 2011).
  • Wer bei schönem Wetter Frischluft-Genuss auf Italienisch sucht, aber weder Fahrleistungen noch besonderen Komfort benötigt, sucht sich ein historisches Vespa-Modell aus.

Wie bereits erwähnt: Bis 1988 (Cosa mit Servobremse und optional ABS) bzw. 1998 (Scheibenbremse bei der PX) sind Vespe technisch nahezu identisch, auch ihre Motorleistungen ähneln einandert, nur das Design wechselt. Reparaturen sind simpel, Teile flächendeckend verfügbar.

2.120 Angebote ab 250 Euro

50 Seiten füllt die => Vespa-Trefferliste bei mobile.de. 2.120 Angebote (Stand: 28.04.2016) aller Baujahre und Modellreihen sind derzeit in der Fahrzeugbörse gelistet, darunter rund 880 Neufahrzeuge.

Gebrauchte Modelle gibt es bei mobile.de bereits ab 250 Euro (Stand: 28. April 2016). Die derzeit günstigste Offerte, => eine gelbe 80er TPH, hat seit ihrer Erstzulassung 07/1994 gut 65.000 Kilometer abgespult. Das macht knapp dreitausend Kilometer im Jahr.

„Die Vespa ist fahrbereit, hat aber Vollgasprobleme“, räumt der Verkäufer fairerweise ein. „Für geübte Schrauber aber kein Problem“ – das sagt sich so leicht... Aber vielleicht sind auch nur die Düsen verschmutzt, dann handelt es sich bei der 8-PS-Wespe zweifellos um ein Schnäppchen.

40 Jahre alte Schätzchen zum Neupreis

Ein echtes Schätzchen ist die => Primavera 125 von 1976. 2005 wurde der weiße Roller komplett restauriert. Eine schlanke Schönheit mit ausreichenden 5 PS und natürlich dem damals obligatorischen Schaltgetriebe.

Stolze 5.300 Euro soll der 40 Jahre alte Oldie kosten. Für den gleichen Preis gäbe es auch eine funkelnagelneue Vespa Primavera 125 3V ABS (4.550 Euro) mit Windschild (198 €), Frontklappgepäckträger (178 €), Handwärmern (45 €) und mindestens 30 Tankfüllungen (à 8 Liter Super zuzüglich vollsynthetisches Zweitaktöl).

Eine echte Rarität ist das => 150er Vespa-Sprint-Gespann, das auf dem Rollerhof in Langwedel auf einen neuen Besitzer wartet: EZ 01/1966, 2014 komplett restauriert. Alle Anbauteile sowie Bowdenzüge, Elektrik und Verschleißteile wurden erneuert, auch der Motor (5 PS) und die 12V-Elektrik sind komplett neu.

Die Karosserie wurde sandgestrahlt und grundiert, bevor es zum Lackierer ging. Ein 50 Jahre alter, silbermetallicfarbener Vespa-Traum im „besser als neu“-Zustand. Liebhaberpreis: 7.999 Euro.

Sammlerstück für 23.500 Euro

Die aktuell teuerste bei mobile.de gelistete Vespa => kostet 23.500 Euro. Die 125er Faro Basso V1 stammt aus dem Jahr 1948 und hat immerhin 4 PS (125 ccm). Breiter Lenker, Entenschnute, massiver Gepäckträger, gefederter Einzelsitz – die grünmetallic-farbene Schönheit könnte problemlos auch im Museo Piaggio stehen.

Neu beginnt der Vespa-Zweitakt-Spaß bei mobile.de bei 2.399 Euro. Der hellblaue Primavera-Roller mit 4 PS und Automatik wartet im Raum Stuttgart auf seinen neuen Besitzer.

Fans exklusiver Einzelstücke werden ebenfalls fündig: Zweiradhandel Butte in Lippetal zum Beispiel liefert die GTS 300ie für 6.550 Euro => in jeder gewünschten Farbe. Nach zwei Monaten ab Bestellung steht das innen und außen komplett neu lackierte 22-PS-Unikat zur Abholung bereit. Oder es wird für 129 Euro Aufpreis direkt vor die Haustür geliefert.

Mehr über die ewig junge Italienerin in der => Bildergalerie.

Jetzt Vespa suchen

Etwas mehr als 2.000 Motorroller Typ Vespa werden aktuell bei mobile.de angeboten; darunter mehr als 550 Klassiker bis Baujahr 1996, zu denen die berühmte 150 GS aus den 1950er-Jahren ebenso zählt wie die weit verbreitete PX.

Wer ein wenig schrauben kann, hat selbst mit einer Motor-Demontage kein Problem – die steht spätestens dann an, wenn das vertrackte Schaltkreuz so abgenutzt ist, dass die Gänge durchrutschen. Das heißt: Auch reparaturbedürftige Vespas müssen den Käufer nicht schrecken.

Doch wer sich die Finger auf keinen Fall schmutzig machen will, sortiert die Bastelbuden lieber in der Detailsuche über das Häkchen „fahrbereit“ aus – dann bleiben aktuell 75 Oldies.

Vespa-Roller bei mobile.de

Text: Ralf Bielefeldt / fayvels büro