Fahrbericht Triumph Thruxton

Design der 1960er, aber Technik von heute

Triumph baut jetzt Zeitmaschinen

Die Vintage-Bike-Fraktion hat eine neue Ikone: Mit der neuen Thruxton R bringt Triumph wieder einen bildschönen Café Racer an den Start – der jetzt ein echtes Sportbike ist

  • Triumph hat ein neues Vintage-Modell im Programm.
  • Die Thruxton R sieht aus wie ein 1960er-Jahre-Motorrad, doch die Technik ist auf dem neuesten Stand.
  • Mit der 97 PS starken Maschine beschleunigt sie bis auf 217 km/h.

Viele neugierige Blicke

Es ist vollkommen egal, aus welchem Blickwinkel man sie betrachtet: Die neue Triumph Thruxton R ist schlicht hinreißend. Sie zählt zu diesen wenigen Bikes, nach denen sich fast alle Leute umdrehen.

Zu sehen gibt es einiges: den lackierten Bürzel am Heck. Die breite, hochglanzpolierte obere Gabelbrücke. Die runden digitalen Instrumente, die einem mit ihren Zeigern vorgaukeln, sie arbeiteten analog – dabei gibt es keine mechanische Welle zum Vorderrad mehr.

Zeitlos, ehrlich, echt

Über den schmalen 14,5-Liter-Bottich läuft das breite Tankband aus Aluminium. Der große Tankdeckel, ebenfalls aus Alu, doppelt den schnöden, dafür abschließbaren Zugang zum Benzin-Reservoir. Auffällig: die knallgelben Federn der hinteren, voll einstellbaren Öhlins-Dämpfer und die ungewöhnlichen, am Lenkerende montierten Rückspiegel.

Ein Hingucker, ohne jede Einschränkung. Erst recht, wenn dieses grandiose Retro-Gebilde von Halbschale montiert ist, das es gegen Aufpreis mit dem neuen „Track Racer Kit“ gibt.

Wie einst bei den Rennmaschinen der 1960er Jahre: eine kleine, klare Scheibe in lang herumgezogener Verkleidung, fast bis ans Ende des Tanks. Das bietet ab Werk heute nur Triumph. Und verlangt dafür 2.250 Euro Aufpreis bei der „R“ (normale Thruxton: 2.390 Euro).

Classic Bike der ersten Stunde

Überhaupt besetzt die britische Traditionsschmiede mit ihren „Classic Bikes“ eine lukrative Marktlücke, in die immer mehr Modelle und Marken drängen (siehe Bildergalerie). Aber nur Triumph hat einen klassischen schmalen Café Racer mit Stummellenker im Programm.

Bislang war die Thruxton wie alle klassischen Motorräder von Triumph recht übersichtlich motorisiert (68 PS) – und technisch vom alten Schlag. Elektronische Helfer? Also bitte.

Das ändert sich mit der neuen Generation. Unter dem Retro-Bike-Look steckt jetzt modernste Technik – endlich, möchte man jauchzen, Triumphs Klassiker schlurften hier seit Jahren hinterher.

97 PS kitzeln die Briten jetzt aus dem auf 1.200 cm3 beförderten Parallel-Twin, der aus der neuen Bonneville T120 stammt – „der“ Triumph schlechthin.

Ein Motor, zwei Charaktere

Im bodenständigen Schwestermodell T120 ist das Triebwerk als „High Torque“-Twin ausgelegt. Soll heißen: Es wurde auf maximales Drehmoment bei niedrigen Drehzahlen optimiert. Mit 80 PS hat die „Bonni“ 17 PS weniger Leistung, zieht aber fulminant wie ein Bulle mit Frühlingsgefühlen von dannen.

Der „High Power“-Antrieb der Thruxton-Modelle verhilft neben sattem Durchzug auch zu einem spürbaren Plus an sportlicher Drehfreude. Elektronische Fahrmodi – Revolution! – sorgen dafür, dass die Classic Bikes ihre Leistung jederzeit angemessen auf den Asphalt übertragen.

Die Modi „Rain“ (Regen) und „Road“ (Straße) bietet auch die Bonneville, die Thruxton hat zudem einen „Sport“-Modus, in dem der Ride-by-Wire-Gasgriff direkter anspricht. ABS samt Traktionskontrolle sorgen für zeitgemäße Sicherheit. Die dicken Brembo-Bremsen lassen sich feinfühlig dosieren und bringen die Thruxton schlagartig zum Stehen, wenn es sein muss. Alles ganz tadellos, wie es sich für ein Motorrad im 21. Jahrhundert gehört.

Eine Frage des Stils, nicht des Geldes

Bei 12.500 Euro (plus Überführungskosten) startet die Thruxton. Als technisch aufgerüstete „R“-Version (z. B. komplett einstellbares Fahrwerk) kostet sie 2.000 Euro mehr. Wer sie mit einem der „Inspiration Kits“ ordert – Track Race oder Café Racer –, legt noch einmal wenigstens 1.650 Euro drauf. Fahrer mit ernsthaften Motorsport-Ambitionen können erstmalig ein Renn-Kit ordern, das allerdings keine Straßenzulassung hat.

Triumph-Fans zahlen für all das gern: Zusammen mit den Neuheiten Bonneville T120 (ab 11.900 Euro) und Street Twin (55 PS, ab 8.900 Euro) hat die im April 2016 gestartete Thruxton das Kräfteverhältnis bei Triumph wieder klar in Richtung „Moderne Klassiker“ verschoben.

„Die Nachfrage bei uns liegt bei 2/3 zu 1/3“, sagt Andreas Päper, Triumph-Händler in Hamburg und Geschäftsführer von „Q-Bike Technik“, einer der renommiertesten Umbau-Schmieden für Triumph-Maschinen. Anders als die heißblütige Triumph Street Triple und die mächtige Reise-Enduro Tiger locken die Klassiker solvente Wiederaufsteiger.

Umbauten mit Faktor zwei

Jeden Umbau fertigen die Elb-Customizer exakt einmal. Kostenpunkt: in der Regel „Faktor zwei“ – also doppelt so viel wie ab Werk. „Triumph-Kunden sind da kontrollierter als Harley-Fahrer“, scherzt Päper. Da gingen die Umbaukosten schnell ins Fünf- bis Sechsfache des Listenpreises.

Mehr über die neue Thruxton R und die Angebote der Wettbewerber mit ähnlich lässiger Attitüde in der => Bildergalerie.

Triumph Vintage Bikes bei mobile.de

Um alle Vintage Bikes der Marke Triumph zu finden, muss die Suchmaske von mobile.de etwas ausgiebiger justiert werden: Zusätzlich zu den Namen der Modelle „Thruxton“, „Bonneville“ und „Street Twin“ ist auch das Baujahr auf 2004 und jünger zu beschränken, damit nicht gleichnamige ältere Motorräder dieses Namens gefunden werden.

Mehr als 200 Triumph-Motorräder der drei Typen sind bei mobile.de gelistet. Dazu zählt auch die erste Generation, die Thruxton 900, die 2004 auf den Markt kam. Die derzeit günstigste Thruxton bei mobile.de stammt aus dieser Baureihe und kostet etwas weniger als 6.000 Euro:

Triumph Vintage Bikes bei mobile.de

Text: Ralf Bielefeldt / fayvels büro