Indian Motorcycles: Die Legende lebt

Die US-Motorradmarke Indian ist zurück

Fliegender Start

Der einst größte Motorradhersteller der Welt lässt eine barocke Neuvorstellung nach der anderen auf unsere Straßen. Indian Motorcycle schafft es dabei, Harley-Davidson die Kunden abzugreifen.

 
 
  • Die wiederbelebte US-Marke Indian bringt seit 2014 schwere Motorräder im Stil von Harley-Davidson auf den Markt
  • Die Verkaufszahlen steigen auch in Deutschland stark an; während beim alten Konkurrenten der Verkauf einbricht
  • Das neueste Modell ist ein multifunktionaler Zwitter: Die Indian Springfield lässt sich mit wenigen Handgriffen umbauen

127 Prozent. So signifikant hoch war das letzte Verkaufsplus der Marke Indian Motorcycle in Deutschland. Das sind exakt 525 Neuzulassungen. Auf den ersten Blick mag das kaum erwähnenswert erscheinen. Doch bedenkt man, dass Indian erst Ende 2013 den Markt in Deutschland betrat, sieht das anders aus.

Erst Recht, wenn man bedenkt, dass die Marke mehr als 50 Jahre mausetot und in Deutschland ohnehin nie wirklich bekannt war. Dabei handelt es sich um keinen geringeren als den ersten Motorradhersteller auf amerikanischem Boden.

Und mehr noch: Zwischen 1913 und 1917 stellte die Indian Motocycle Company die größte Motorradfabrik der Welt – aufgrund der hohen Militärproduktion während des Ersten Weltkrieges. Und: Nein, der fehlende Buchstabe „r“ im Namen Motocycle ist kein Versehen.

Indian ging bereits 1953 pleite

Denn die Marke war offenbar schon immer etwas affekt-getrieben: Nachdem im Jahr 1901 in Springfield, im US-Bundesstaat Massachusetts, das Unternehmen Indian Motorcycle gegründet wurde, entschließt sich mit George Hendee einer seiner Gründer kurz darauf, aus Marketinggründen, das „r“ aus dem Namen zu entfernen.

Wurden im ersten Jahr noch drei, im zweiten Jahr schon 143 Exemplare gebaut, wuchs die Marke auf über 32.000 Stück Jahresproduktion und über 3.000 Mitarbeiter in den 1930er-Jahren an. Doch nach rund einem halben Jahrhundert endete die Legende bereits 1953 im Konkurs – etwas später fielen auch in Deutschland viele Motorradhersteller dem Auto-Aufschwung zum Opfer.

Nach einigen fehlgeschlagenen Wiederbelebungsversuchen greift schließlich im Jahr 2011 die Marke Polaris Industries zu und rollt nun den Markt von hinten auf. Das „r“ hat man sicherheitshalber wieder zurückgeholt.

Billig ist hier nichts

Der Sturm in den Markt äußert sich vor allem durch ständig neue Modelle und deren Varianten. Dabei sind schon die Basis-Versionen von Roadmaster, Chief Vintage, Chieftain, Chief Dark Horse, Scout Sixty und Chief Classic auch ohne aufwendige Logos und Farben echte Blickfänger für alle, die barocken Prunk lieben.

Warum die hundertprozentige Tochtergesellschaft der Polaris Industries Inc., dem weltgrößten Hersteller von Schneemobilen und Quoads, sich auch in Deutschland wieder eines regen Zulaufs erfreut, ist angesichts des immer noch beliebten Harley-Davidson-Stils leicht zu erklären. Feiste, fett verzierte Vollchopper kommen eben an.

In puncto Preisniveau braucht sich die Marke auch nicht hinter dem ihres Hauptkonkurrenten Harley-Davidson zu verstecken. Billig ist hier nichts. Und natürlich zielt Indian damit voll auf Harley, die auch prompt unter Umsatzrückgang leiden – in einem insgesamt wachsenden Markt.

Neues Modell lässt sich umbauen

Um die Qual der Wahl noch ein wenig zu erhöhen, präsentiert Indian Motorcycle nun das jüngste Modell des Jahrgangs 2016: die Indian Springfield. Das mit voluminösen Seitenkoffern, einem großen Windschild sowie einer üppigen Chromfülle ausgestattete Zweirad lässt sich dank Schnellrastmechanismen im Nu zu einem beinahe schlanken Cruiser umfunktionieren.

Werden nun noch der Beifahrersitz und die dazugehörigen Sozius-Trittbretter abgebaut, mausert sich die Indian Springfield zu einer Indian Chief. „Die Springfield soll nicht etwa eine Lücke im Indian Programm schließen“, erläutert Steve Menneto, Motorrad-Chef bei Polaris, zur Positionierung des neuen Modells.

Nein, sondern: „Sie soll die Herzen jener Indian Fans erobern, die sowohl einen auf das Wesentliche reduzierten Cruiser als auch einen voll tourentauglichen Bagger ihr eigen nennen wollen, ohne dafür zwei Motorräder zu kaufen.“ Ihr Preis: ab 26.995 Euro.

Sondermodell mit Whiskey-Marketing

Und wer meint, dass Whiskey und Motorradfahren nicht zusammen passen, der irrt – solange er es in der korrekten Reihenfolge genießt. Frei gegen das Motto „Bottles and Throttles Do not Mix“ (frei übersetzt: Flaschen und Gasgriff gehören nicht zusammen) präsentiert Indian Motorcycle die limitierte Ausgabe Jack Daniels Indian Chief Vintage.

Das hier und dort mit dem dazu passenden Logo gebrandmarkte Sondermodell greift als Thema den 150. Geburtstag der Whiskey Distillerie auf, der in diesem Jahr zelebriert wird. Neben den Logos verfügt die umgemodelte Chief Vintage über eine spezielle Lackierung und spezialangefertigte lederne Packtaschen und Sitze.

In den Indian-Packtaschen sind entgegen böser Scherze natürlich keine Feuerwasserflaschen ab Werk enthalten. Das erste Exemplar wird Anfang Oktober in Las Vegas für einen guten Zweck versteigert. Bestimmt geht der Erlös an die anonymen Alkoholiker...

Reich verziert, lässig und ein wenig behäbig: Wie die Produkte der erfolgreich wiederbelebten Marke Indian Motorcycles auf der Straße aussehen, zeigt die => Bildergalerie.

Jetzt Indian suchen

Indian war einmal die größte Motorradmarke der Welt; das ist zu einem Gutteil auch dem riesigen Heimatmarkt zu verdanken, den die Marke aus Springfield in Massachusetts bereits Mitte der 1920er-Jahre dominierte. Auf dem deutschen Markt gibt es bisher nicht allzu viele Maschinen, die meisten stammen aus der Ära seit der Wiederbelebung der Marke.

Bei mobile.de sind insgesamt 304 Indian-Motorräder im Angebot, davon wurden rund zwei Dutzend Veteranen in der Ur-Zeit der Marke gebaut, die 1953 in Konkurs ging. Wer in der Detailsuche bei „Erstzulassung“ und „von“ das Jahr 2011 auswählt, filtert alle neuen Indian-Modelle heraus; es sind derzeit 274:

Indian bei mobile.de

Text: Press-Inform / Marcel Sommer