Kaufberatung: Motorroller für Pendler

Alternative zu Auto und Motorrad

Zur Arbeit rollern

Roller sind ein Geheimtipp für Pendler: Sie sind wendig, sie schützen auch den Business-Dress, und sie können fast überall platzsparend abgestellt werden. Doch wie viel Roller braucht der Mensch? Und wie viele Räder braucht der Roller? Beispiele mit zwei, drei und vier Rädern

10. Februar 2015

Pendeln macht krank. Daran besteht für die Wissenschaftler der Universität in Umeå (Schweden) kein Zweifel. Faustregel: Je länger der Arbeitsweg, desto kürzer die Lebenserwartung. Die nervliche Belastung, das viele Sitzen, der ganze Stress mit dem Hin und Her – da liegt kein Segen drauf. Herzkrankheiten, Gewichtsprobleme, Diabetes seien die Folge. Gar nicht gut.

Schon Bahn fahren lindere die Probleme, meint der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB). Weitaus spannender dürfte der Umstieg aufs Motorrad sein. Da kommen körperliche Bewegung und reichlich Adrenalin zusammen. Die kleine Freiheit zwischendurch. Pendlerherz, was willst du mehr.

Wer flott und ein bisschen frech fährt, spart dazu noch Zeit: Keine unnötigen Wartezeiten im Stau, immer Erster an der Ampel – das baut auf. Ein bisschen Kreuzungs-Malefiz morgen und abends, und der Tag ist Ihr Freund.


 
 

 

Eine A-Lizenz braucht längst nicht jeder

So viel zur Theorie. Praktisch ist der Umstieg aufs motorisierte Zweirad auch keine so große Hürde mehr: Die erforderliche A-Lizenz braucht es seit der letzten Führerscheinnovelle im Januar 2013 oftmals gar nicht, um wie ein echter Easy Rider zur Arbeit zu reiten. Und auch ein wenig Regen hindert ihn oder sie dabei nicht.

Denn es gibt ja die Roller, deren Verkleidung den Fahrer mitsamt seines empfindlichen Outfits gegen Sprühregen und Spritzwasser schützt. Diese Zweiräder, auch unter dem englischen Begriff Scooter bekannt, gibt es mit kleinem (50 bis 125 Kubik) und großem (500 bis 700 Kubik) Motor. Und jede Menge spannende Alternativen mittendrin. Welche zum Beispiel, zeigt die Bildergalerie.

Ab 125 Kubik wird es interessant für Pendler

Lässig von Z wie Zuhause nach A wie Arbeitsplatz fahren: Aller Open-Air-Freiheit Anfang sind Scooter mit mindestens 125 Kubikzentimeter Hubraum, anders ist die Autobahn-Mindestgeschwindigkeit von bauartbedingten 60 km/h nicht legal zu schaffen.

Klassiker wie die ewig lässige Vespa sind für Pendler, die im klassischen Sinne Strecke machen müssen auf dem Weg zur Arbeit, keine echte Alternative – auch wenn die Vespa GTS 300 Super mit 3.028 Einheiten im Jahr 2014 auf Platz eins im Roller-Segment steht.

Mit den lütten 12-Zoll-Rädern mag Rollerfahren in der Innenstadt ein Spaß sein, wer aber täglich 40 Kilometer und mehr hinter sich bringt, wird sich bedanken: geringer Federungskomfort, klare Sicherheitsdefizite beim Bremsen aus höherem Tempo, speziell auf nasser Fahrbahn – nö, das ergibt für Alltagsfahrten wenig Sinn. Zumal es reichlich Alternativen gibt – vom 125er mit Voll-LED-Scheinwerfern bis zum Motorrad-Roller mit Doppelkupplungsgetriebe.

Fahrspaß garantiert in der 400er-Klasse

Kymco zum Beispiel hat mit dem Xciting 400i ABS einen voll reisetauglichen Dynamiker auf die Räder gestellt. Mit 36 PS geht der „aufregende“ (englisch: exciting) Topseller der Taiwanesen ab wie Schmidts Katze. Je nach Fahrergewicht sind laut Tacho bis zu 170 km/h Spitze drin. Führerscheinklasse A2 reicht aus, um hier aufzusteigen und garantiert Spaß zu haben.

Das bedeutet: Wer vor dem 1. April 1980 Klasse 3 (Pkw) gemacht hat, darf Kymcos fahraktiven „Medi-Scooter“ und vergleichbare Modelle auch ohne Motorradführerschein über den Asphalt scheuchen.

Das bringt Schwung in die nächsten Arbeitsjahre. Die Generation Ü30 mit dem guten alten „1b“ (80er/Leichtkrafträder) darf nach einer erneuten praktischen Fahrprüfung aufsteigen und Gas geben.

Zwei Räder vorn, das kennen Autofahrer

Völlig ohne Moped-Lizenz kommen Pendler aus, die sich auf ein Dreirad wie den Quadro 350S schwingen. Das Schweizer Modell knabbert beharrlich am Erfolg der Platzhirschen Piaggio MP3 500 LT (2014: 1.002 Neuzulassungen) und Peugeot Metropolis (410). Wie diese beiden auch, darf der Quadro dank seiner beiden Vorderräder von allen gefahren werden, die vor dem 19. Januar 2013 ihren Klasse-B-Führerschein (alte Klasse 3) erworben haben. Ein Roller für Autofahrer(innen), sozusagen.

Als erster Scooter verfügt der Quadro 350S über ein neuartiges hydraulisches Neigungssystem namens HTS (Hydraulic Tilting System). Drei gas- und ölbefüllte Zylinder gleichen Unebenheiten wie bei einer Luftfederung aus und erlauben bei Kurvenfahrten motorradähnliche Schräglagen von bis zu 40 Grad.

Die beiden Vorderräder halten hierbei permanent Kontakt zur Fahrbahn und bieten so ein hohes Maß an Fahrsicherheit. Laut Hersteller kann sogar auf regennasser Fahrbahn oder unebener Straße die maximale Schräglage ausgekostet werden. Und mit ein bisschen Übung können die Füße an der Ampel lässig auf den Trittbrettern bleiben.

Vier Räder für ein Halleluja

Noch einen Schritt weiter geht der Quadro4, das weltweit erste Autoführerschein-taugliche Motorrad mit vier (!) Rädern. Erstmals präsentiert auf der Intermot im Herbst 2014, soll das Unikum ab Mai 2015 auf die Straßen kommen. Das HTS-Neigungssystem kommt hier vorn und hinten zum Einsatz. Und soll so Schräglagen von bis zu 45 Grad ermöglichen – auf nahezu jedem Untergrund.

Was sonst noch so geht im Roller-Segment, sehen Sie in der Bildergalerie.

Text: Ralf Bielefeldt