Echt schräger Scooter: Quadro4

Ein Zweirad mit vier Rädern

Der Auto-Scooter

Ein Maxi-Scooter mit vier Rädern – damit ist Aufsehen garantiert. Und erstaunlich sorgenfreies Fahren möglich. Selbst bei Nässe.

 
 
10. Februar 2015

Der erste Eindruck ist ... tja: Was will einem dieses „Ding“ sagen? Ein Roller mit vier Rädern. Halb so breit wie ein Smart fortwo (80 Zentimeter), doppelt so lang wie ein handelsüblicher Rollstuhl (2,20 Meter). Die nächstgrößere mobile Einheit wäre der überdachte E-Stromer Renault Twizy (2,38 x 1,19 m). Sieht so die Zukunft urbaner Mobilität aus?

Eingefleischte Motorradfahrer neigen zu panischer Schüttellähmung bei diesem Gedanken („Zwei Räder zu viel!“), altgewohnte Autofahrer würden auch erst einmal abwinken („Wo ist denn das Dach, und wo die Türen?“).

Der Schweizer Hersteller Quadro Vehicles S.A. hingegen glaubt (natürlich) fest daran. „Der Quadro4 verkörpert ein ganz neues Mobilitätskonzept“, erklärt Sprecher Christian Ludwig. „Er wurde als echte Alternative zum Auto im Stadtverkehr entwickelt.“ Nach oben offen, mit sesselähnlichem Komfort und frei von Parkplatznöten.

Frischluftvergnügen für Autofahrer

Offiziell gehört der Quadro4 in die Fahrzeugkategorie L5e – und damit zu den dreirädrigen Kraftfahrzeugen. Vorn ist er quasi Pkw (Spurweite über 460 mm), hinten Zweirad (Spurweite unter 450 mm). Fahren darf ihn – ganz im Stil dreirädriger Maxi-Scooter – jeder Autofahrer, der vor dem 19. Januar 2013 seinen Führerschein gemacht hat. Andernfalls muss eine Motorradlizenz (wenigstens A2) her.

Der Kerngedanke des Quadro4, so Ludwig, „bestand darin, die gleichen Dimensionen wie bei herkömmlichen Zweiradrollern einzuhalten und gleichzeitig die Sicherheit zu vervielfachen.“ Mit vier Rädern (14 Zoll), vier Scheibenbremsen (240 mm), zwei Einzelschwingen hinten und zwei hydraulisch gesteuerten Radaufhängungen.

Wie das im Zusammenspiel funktioniert, zeigt die Bildergalerie.

Auf Augenhöhe mit Nachbars Dackel

Drei Jahre Entwicklungsarbeit stecken in dem weltweit ersten und bislang einzigen Vierradroller. Die Neigetechnik ist bekannt vom Quadro3. 2012 haben die Schweizer das dreirädrige Vorbild auf den Markt gebracht, damals noch unter der Bezeichnung 350D beziehungsweise 350S. Die Weiterentwicklung hat nicht nur vorn zwei Miniräder nebeneinander, sondern auch hinten.

Das sieht ziemlich gewöhnungsbedürftig aus, bürgt aber für großen Fahrspaß: Das „Hydraulic Tilting System“ erlaubt Schräglagen von bis zu 45 Grad, fünf mehr als beim Quadro3. Wer das wirklich ausreizt, befindet sich auf Augenhöhe mit Nachbars Dackel.

Die hydraulisch-pneumatische Neigetechnik besteht vorn und hinten jeweils aus drei Druckausgleichs-Zylindern, je einem an den Rädern und einem zentralen in der Mitte, allesamt öl- und gasgefüllt und per Hydraulikleitung miteinander verbunden. 

Abschmieren ist nahezu unmöglich

Dadurch halten alle Räder konstant mit dem gleichen Anpressdruck Kontakt zur Straße, egal in welchem Neigungswinkel. Wegrutschen und Abschmieren wie bei klassischen Zweirädern sei laut Quadro zuverlässig ausgeschlossen, selbst auf unebenen Fahrbahnen, bei Nässe oder Schnee. Das wollen wir unbedingt probieren.

Und tatsächlich: Der Quadro4 ist immer stabil austariert, sogar im Stand. Der Fahrer kann die Füße also die ganze Zeit über oben auf den Trittbrettern lassen. Und wenn er mag, Passanten mit einem kleinen Taschenspielertrick verblüffen: Dank der üppigen Federwege kann er seinen Quadro mit der einen seitlichen Achse auf dem Kantstein parken, die andere bleibt auf der Straße, und siehe da, der Vierradroller steht (trotzdem) gerade.

Mit ein bisschen Chuzpe gleitet man so auch platzsparend am Innenstadtstau vorbei. Beim Fahren setzt das Kabinettstückchen allerdings gute Nerven voraus. „Gefühlt“ kippt man zur vermeintlich tieferen Fahrzeugseite, dabei hält der Quadro4 problemlos die Horizontale, trotz des Achshöhenunterschieds links und rechts.

Wange an Wange mit fetten SUV

Durch den Verkehr und über der Autobahn gleitet der aufrecht und hoch sitzende Fahrer (Sitzhöhe: 780 mm) gefühlt Wange an Wange mit SUV-Insassen; skurrile Begegnungen sind also garantiert. Speziell in Baustellen staunen Fahrer und Passagiere erfahrungsgemäß nicht schlecht, grinst man sie erst behelmt und freundlich an, um dann auf einer Art Aufsitzmäher am Horizont zu entschwinden.

Die Generation Ü50 wirkt dem Quadro4 dabei ausnahmslos gewogen. Wer einst in jungen Jahren Krad gefahren, mag sich im Alter am Biken mit Stützrädern durchaus begeistern. Kein Umfallen, keine nassen Füße, dazu praktische Staufächer (siehe Bildergalerie) – so kann man durchaus spaßbetont mobil sein, nicht nur im urbanen Umfeld.

Und wer noch nie auf einem „echten“ Motorrad gesessen hat – und mangels Zweirad-Führerscheins auch nie hinterm Lenker sitzen wird –, der ist auf dem Quadro4 ohnehin bestens aufgehoben, so ihm oder ihr selbst drei Räder nicht geheuer sind.

Bei 140 km/h schlägt der Begrenzer zu

29 PS mobilisiert der flüssigkeitsgekühlte Einzylinder-Viertaktmotor (346 ccm). Das ist übersichtlich. Auch das maximale Drehmoment von 33 Nm bei 5500 Umdrehungen ist nicht zwingend atemberaubend, aber nun. Es reicht bei entspannter Körperhaltung für etwas über 130 km/h Spitze.

Und das ist ohne Blechschutzmantel allemal flott genug, wenn man normalerweise nur „echte“ Vierräder bewegt. Wer sich in alter Mofa-Manier gaaanz lang und flach macht, sieht die Nadel auch mal gen 140 wandern. Mehr verhindert der Begrenzer.

Kurven wollen mit etwas Nachdruck genommen werden, Dreiräder lenken williger ein. Aber schon nach wenigen Kilometern geht einem der Rhythmus des Quadro4 ins Blut über. Das steigert Selbstbewusstsein und Schräglagenwinkel. Schalten erübrigt sich: Die stufenlose Variomatik treibt das Schweizer Gefährt munter und durchaus sonor voran. Die minimale Verzögerung beim Aufreißen des Gasgriffs verzeiht man dem Schaltgesellen. Rasen sollen die anderen.

Mehr dazu – und was der Spaß kostet – in der Bildergalerie.

Jetzt Quadro4 suchen

Der schräge Vierrad-Roller ist bereits auf dem Markt:

Quadro4 bei mobile.de

Text: Ralf Bielefeldt
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Tests & Vergleiche bei mobile.de