0-200 km/h in unter 10 Sekunden

Einfach stark: Ducati Monster 1200 S

Das Mega-Monster

145 PS und Superbike-Gene machen die 1200 S zum Godzilla unter den Monstern. So fährt das italienische Karacho-Bike aus dem Hause Ducati

2. Juli 2014

Monster lauern unter Betten. Da verstecken sie sich am liebsten. Sagt meine jüngste Tochter, und die muss es wissen. Mit fünf Jahren ist sie schließlich im besten Alter für so was. 

Gesehen hat sie noch keins. Aber gehört: Abends, es wurde schon dunkel. Da war dieses Grollen. Dumpf, böse, bollernd, immer lauter werdend. „Das ist nur Papa“, beruhigte meine Frau. Papa beim Monster-Reiten. Eine Ducati Monster 1200 S. Die passt nun wirklich unter kein Bett mehr.

Mehr als 20 Jahre hat die Baureihe jetzt auf dem Buckel. 1992 wurde sie vorgestellt. Im Jahr darauf kam „die Monster“ in den Handel. Seitdem hat sie einen Ruf wie Donnerhall. Keine Verkleidung, kein Gramm zu viel, schiere Technik. Die Mutter aller Naked Bikes. Ducatis Bestseller.

 

 
 

 

Monster-Gene aus dem Motorsport

Die Motoren entstammten vom ersten Tag an den Supersport-Maschinen von Ducati. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Unter dem stets sichtbaren Stahl-Gitterrohrrahmen lauert bei der neusten Version die zweite Generation des „Testastretta 11° DS“-Motors. Das wild pumpende Herz des Italo-Karacho-Bikes.

Das Triebwerk schiebt bereits im Drehzahlkeller gewaltig an. Und setzt – nochmals geschärft – auch die Rennmaschine Ducati 1199 Panigale (195 PS) unter Dampf. Und die 162 PS starke Ducati Diavel. Und die 1200er Multistrada. Auch dort ist der flüssigkeitsgekühlte V2 jeweils als tragendes Element des Rahmens konzipiert.

135 PS bei 8750 Touren leistet die Monster 1200 (ab 13.490 Euro). Die 1200 S (ab 15.990 Euro) legt noch eine Monster-Schippe drauf: 145 PS bei ebenfalls 8750 Umdrehungen. Das maximale Drehmoment beträgt 118 Newtonmeter beziehungsweise 125 Nm. Nackte Zahlen; erst auf Asphalt entfalten sie ihre volle Aussagekraft.

Höllensound und Temporausch

Die Monster 1200 S geht dramatisch gut. Wenn sie Auslauf hat. Langgestreckte Kurven werden zum Hochgeschwindigkeits-Oval. Die Beschleunigung raubt dir den Atem. Ohne einen Hauch von Zugkraftverlust jagt die Monster 1200 S in deutlich unter zehn Sekunden auf 200 km/h und weiter bis rund 260 Sachen. Je nach Gewicht und Chuzpe des Fahrers.

In den ersten vier Gängen strebt das Vorderrad grundsätzlich gen Himmel. Aber keine Bange: Die Ducati Traction Control (DTC) hält den Pirelli-Diablo-Rosso-Schlappen (120/70 ZR 17) zuverlässig in der Horizontalen. Wie das abschaltbare 9-stufige ABS gehört die 8-stufige DTC zum serienmäßigen Ducati Safety Pack (DSP). Ganz nach Lust und Laune des Dompteurs am Lenker, legt es den Zweirad-Godzilla an die Leine – oder lässt der Raserei kontrolliert freien Lauf.

Zwischenspurts absolviert die große Monster geradezu explosionsartig. Der Fahrer hockt dabei tief in seiner Sitzbankmulde. Und entspannter als je zuvor auf einer Monster: Neigung und Höhe des Lenkers wurden optimiert, ebenso die Position der Fußrasten. Das entkrampft die einst stets angriffslustig nach vorn geneigte Haltung des Fahrers. Und entlastet die Handgelenke ungemein. Langstrecken? Kein Problem, trotz jeglicher Absenz von Fahrtwindschutz.

Farbdisplay in Smartphone-Qualität

Optisch und elektronisch ein echtes Highlight ist das vollfarbige TFT-Display. Je nach Fahrmodus – Urban, Touring, Sport – ändert es die Anzeige. Lichteinfall kontert es erstaunlich effektiv aus. Unverständlich bleibt, warum Ducati auf die Ganganzeige verzichtet. Multistrada und Diavel können das schließlich auch.

Auch in puncto Getriebe haben die großen Brüder der Monster etwas voraus: Ihr Leerlauf rastet stets sauber ein, auch bei auswegloser Schleichfahrt im Stau oder dichter Feierabendverkehr-Plackerei.

Die erhitzte Monster gönnt sich den Spaß, die Neutralposition hartnäckig zu überspringen, rauf wie runter. Ein klares Anzeichen, dass sie Auslauf fordert. Dann kann die schnelle Italienerin auch ihre zweitgrößte Stärke ausspielen: den infernalischen, geradezu opernhaften Sound.

So klingt nur eine Duc

Die Duc presst ihre Monster-Power durch eine dramatisch geschwungene 2-in-1-in-2-Abgasanlage, die sich geschmeidig ins martialische Gesamtdesign einfügt. Der rechten Wade des Fahrers kommt sie dabei näher, als ihm an heißen Sommertagen lieb sein kann.

Aber egal. Kein Moped klingt wie eine Ducati. Sagt auch meine Jüngste. Und die kennt sich bekanntlich aus mit Monstern.

Mehr dazu – und zur Monster 821, der neuen kleinen Schwester – in der Bildergalerie.

 

Text: Ralf Bielefeldt | Bildmaterial: Ducati