Motorradmesse EICMA 2013

Motorradmesse EICMA 2013

Neue Bikes für die Saison 2014

Honda bringt zwölf Neuheiten, Ducati motzt die Monster auf, BMW speckt sein Superbike ab. Alles über die Stars der Messe in Mailand.

Mehr als eine halbe Million Besucher strömen jährlich auf die Motorradmesse EICMA in Mailand (7.-10.11.2013) – und das an nur vier Tagen. Ein gigantischer Andrang. So gesehen müsste die Welt der Biker in bester Ordnung sein, aber das ist sie nicht.

Seit Jahren dümpelt der Markt vor sich hin, in Ländern wie Italien – einst mit Abstand größter Zweiradmarkt Europas – hat sich der Absatz mehr als halbiert. Von fast 531.500 Einheiten in 2008 ging es runter auf 205.000 in 2012.

Aber es gibt auch Erfolgsstorys: Triumph zum Beispiel hat seit 2010 weltweit um 20 Prozent zugelegt. Mit voraussichtlich 51.000 Bikes feiern die Briten 2013 einen neuen Verkaufsrekord. Fünf großvolumige Modelle kommen 2014 neu (u.a. Thunderbild Commander und LT), dazu die Tiger 800XC Special Edition und einige Sondermodelle wie die fast komplett schwarze Bonneville T100 Black. Dazu gibt es vier Jahre Garantie für alle Triumph-Maschinen.

 

 
 

Honda hat die meisten Neuheiten im Gepäck

Weltmarktführer Honda hat in Deutschland von Januar bis September 2013 um fünf Prozent zugelegt (16.825 Einheiten), vor allem dank der neuen „A2-Klasse“ – Motorräder mit maximal 48 PS, auf die Alt- und A1-Führerscheininhaber problemlos um- bzw. aufsteigen können.

Auf der EICMA zeigen die Japaner gleich zwölf Neuheiten für 2014 – mehr hat kein anderer Hersteller im Messegepäck.

In der Mittelklasse zum Beispiel sollen das lang erwartete „kleine“ Vierzylinder-Superbike CBR650F (87 PS) und seine nackte Schwester CB650F abräumen. Aus dem erfolgreichen NC700-Trio werden NC750S, NC750X und Integra mit jeweils 55 PS (drosselbar auf 48 PS) und mehr Drehmoment (68 Nm).

Der Vierzylinder Crosstourer bekommt eine neue Traktionskontrolle, die VFR800F einen neuen Look. Die DCT-Flotte wird um den lässigen Cruiser CTX700N (48 PS), den kleinen Bruder der bulligen CTX1300, erweitert. Damit hat Honda jetzt sechs Modelle mit Doppelkupplungsgetriebe (funktioniert wie DSG im Auto) im Angebot. Weltweit wird schon jede dritte Honda damit bestellt.

BMW bringt vier Selbstgänger

Das krasse Gegenteil von Hondas Maschinen ohne Kupplungsgriff verkörpert die Yamaha SR 400. Die Neuauflage des Kultbikes aus den 70ern (damals als SR 500) kommt im Februar 2014 mit Kickstarter und luftgekühltem Einzylinder. Zu Preis und Leistung gibt es noch keine Angaben. Nur so viel: Es wird jede Menge Zubehör für individuelle Umbauten geben. In bester „Cafe Racer“-Manier.

Retro-Look und Custom-Bikes sind schwer angesagt auf der EICMA. Dickstes Ding auf der Ultra-Lässig-Welle ist BMWs Roadster R nineT. „Die Essenz aus 90 Jahren BMW Motorrad“, nennt BMW-Oberbiker Stephan Schaller den 110-PS-Boxer für „stressfreies Fahrvergnügen“.

Zusammen mit dem nackten Superbike S 1000 R (160 PS), dem Luxus-Reisetourer R 1200 RT (125 PS) und der Offroad-Ikone R 1200 GS Adventure (125 PS) hat BMW damit vier Selbstgänger für die Saison 2014 im Gepäck. Ob das auch für den Elektro-Roller C Evolution gilt, bleibt abzuwarten. 15.000 Euro wird der lautlose Maxi-Scooter kosten. 120 km/h Spitze und 100 km Reichweite versprechen die Bayern. Im zweiten Quartal 2014 summt der emissionsfreie Bruder von C 600 Sport und C 650 GT los, verspricht BMW.

Harley-Davidson setzt auf Masse

93.154 Motorräder und Maxi Scooter hat BMW Motorrad in den ersten neun Monaten 2013 verkauft (+ 8,5 %). „Wir wollen unseren Absatz in den kommenden Jahren verdoppeln“, verkündete Schaller in schwarzer Lederjacke auf der Pressekonferenz. Vor allem Amerika und Asien sollen die Zuwächse bringen.

Wachstum hat auch Harley-Davidson im Visier. Die Amerikaner greifen 2014 weltweit mit ihren ersten „kleinen“ Bikes an: Street 500 und Street 750 sollen die Marke bezahlbar und massenkompatibel machen. Ein Abstieg in derartige Hubraumklassen schien bei der US-Kultmarke bislang undenkbar.

Die 500er-Harley wird in Indien gebaut und vorerst nur dort verkauft. Die Street 750 wird auch in Amerika gefertigt („Made in USA“) und soll Ende 2014 nach Deutschland kommen. Leistung und Preise sind noch offen. In den Staaten soll sie 7500 Dollar kosten – rund 1000 Dollar weniger als die 883 Sportster, die bislang kleinste Harley.

Superlativ Ducati Superleggera

Platzhirsch Ducati zeigt auf der Heimatmesse erstmals die neue Monster 1200 (135 PS, ab 13.490 Euro) und 1200 S (145 PS, ab 15.990 Euro). Das Kult-Naked-Bike hat den Testastretta 11°-Doppelzündungsmotor aus Diavel und Multistrada zwischen den Rädern. Aufwendige Elektronik (ABS, DTC, Fahrprogramme) bringt die Kraft auf die Straße.

Leistung im Überfluss bietet neben der „kleinen“ Panigale 899 (148 PS, ab 15.490 Euro) der neue „Hypersportler“ Superleggera. Das extrem abgespeckte Leichtgewicht leistet über 200 PS, wiegt aber nur 177 kg – fahrfertig!

Atemberaubender als Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit ist nur der Preis der vollverkleideten Bodenrakete: Rund 65.000 Euro rufen die Italiener für die exklusiv gedopte 1199 Panigale auf. 500 Stück werden gebaut.

Die Fraktion Knieschleifer darf sich zudem auf die überarbeiteten Supersportler Honda Fireblade und Fireblade SP (u.a. neue Bremsen und Federelemente) freuen sowie auf die neue Kawasaki Z1000 (142 PS, 111 Nm) und die dramatische MV Agusta Rivale 800 (125 PS, 245 km/h, 178 kg). In Mailand steht der Dreizylinder-Renner im Tarnlook.

Mehr über die Stars der EICMA in der Bildergalerie.

Text: Ralf Bielefeldt