Rundfahrt: Honda CB500

Rundfahrt: Honda CB500

Eine für alle

Honda legt seinen Klassiker CB500 neu auf. Und will damit die 48-PS-Klasse erobern.

27. Februar 2013

Kaori Inada ist eine sehr kleine, sehr schmächtige Frau. So klein und schmächtig, dass sie auf der neuen Honda CB500F vermutlich nicht die Füße auf den Boden kriegt. Und deren Sitzhöhe von 790 mm ist wahrlich nicht hoch.

Dafür ist sie saubequem, die neue Honda in der aufstrebenden 48-PS-Klasse. Und das hat sie der kleinen Frau Inada zu verdanken, Hondas „Ergonomics Engineer“ für die CB- und zahlreiche weitere Baureihen.

Ende 2005 hatte Honda seine 500er CB eingestellt. Pünktlich zur Motorradsaison 2013 ist der Mittelklasse-Klassiker jetzt wieder da – in drei verschiedenen Versionen mit jeweils 48 PS.

 

 
 

Big-Bike-Feeling aus dem Baukasten

Basismodell ist die „nackte“ CB500F für 5.755 Euro. Das „Adventure“-Bike CB500X und die „Supersport“-Version CBR500R kosten jeweils 500 Euro mehr. Mit einem Basispreis von 6.255 Euro rangieren sie wie das Naked-Bike preislich am unteren Ende der 48-PS-Klasse.

Die moderaten Preise resultieren aus Hondas „Baukasten“-System, das verschiedene Typvarianten mit unterschiedlicher Ausprägung ermöglicht. Alle drei Modelle laufen in Thailand vom Band, wo Honda erstmals eine Maschine für den Weltmarkt produziert.

Wie schon bei der ebenfalls 48 PS starken Honda NC700 – dem Überraschungs-Verkaufshit der Saison 2012 – setzen die Japaner auch bei der CB500-Familie aufs „Big-Bike-Feeling“: Die vergleichsweise kleine Hubraumklasse sehen nur Vollprofis dem Trio an.

Die tägliche Dosis Fahrspaß

Satt und clean steht die Zweizylinder-Maschine auf der Straße, garniert mit besten Zutaten. Vorn sorgt eine stabile Teleskopfedergabel mit 41 mm Standrohrdurchmesser für Kontakt zur Straße. Die Kastenschwinge zum Hinterrad wird über ein 9-fach einstellbares Monofederbein abgefedert. ABS und Heizgriffe gibt es serienmäßig. Motor und Fahrwerk wurden komplett neu entwickelt. „Metzeler Roadtec 8“-Reifen versorgen die 17-Zoll-Räder mit Grip.

Die Lenkerhöhe variiert je nach Modell: Bei der F beträgt sie 1019 mm, bei der vollverkleideten CBR500R nur 970 mm. Die moderate Sitzhöhe verleiht Sicherheit. Beide Füße auf dem Boden – vor allem weniger geübte Biker schätzen das sehr beim Stopp an der Ampel und anderswo.

Die 192 Kilo schwere CB500F und die zwei Kilo mehr wiegende CBR500R standen jetzt in Spanien für erste Testfahrten zur Verfügung – und überzeugten auf der ganzen Linie. Agil, drehfreudig, fahrstabil. Aufsteigen, losfahren, Fun haben. Die tägliche Dosis Fahrspaß auf zwei Rädern.

Fluch und Segen von 43 Nm

Der flüssigkeitsgekühlte DOHC-Parallel-Twin mit jeweils vier Ventilen pro Zylinder ruft seine Maximalleistung bei 8.500 Umdrehungen pro Minute ab, das maximale Drehmoment beträgt 43 Newtonmeter bei 7.000 U/min. Die Höchstgeschwindigkeit liegt je nach Fahrergewicht bei rund 185 km/h.

Sportlich ambitionierte Fahrer bewegen die fahrdynamisch ausgelegten CBs souverän im Grenzbereich. Wer es lieber gemütlich angehen lässt, kann die Honda durchaus schaltfaul bewegen. Zu sehr sollte man beim Wechsel der sechs Gänge aber nicht bummeln. 43 Nm sind naturgemäß nicht die Welt beim Hochbeschleunigen aus dem falschen Gang.

Genau darin liegt aber auch die Stärke der CB500-Familie: Die Maschine gibt einem nie das Gefühl, ihr nicht gewachsen zu sein und durch zu forsches Gasgeben oder Bremsen etwas kapital falsch machen zu können. Der Fahrer ist immer Herr der Lage, kapitale Fahrfehler ausdrücklich ausgenommen.

Breit gefächerte Zielgruppe

Die Zielgruppe der Fun-Bike-Familie ist weit gefasst. „Downsizer“ gehören dazu – also Fahrer, die von hubraumstarken auf kleinere Maschinen umsteigen; „Aufsteiger“ aus dem Segment der 125-/250-Kubik- bzw. der ehemaligen 34-PS-Klasse; „Wiedereinsteiger“ nach längerer Motorrad-Abstinenz und natürlich auch mögliche „Umsteiger“ – Autofahrer, die das ständige Parkplatzsuchen in Innenstädten und das tägliche Pendlerschicksal im Stau leid sind und lieber (wieder?) auf zwei Räder setzen.

Den Auf-/Ein-/Umstieg hat der Gesetzgeber jetzt deutlich attraktiver gestaltet: Die neue Führerscheinklasse A2 ersetzt die alte Klasse "A beschränkt", die vielen Bikern zu schwachbrüstig erschien (beschränkt auf maximal 34 PS).

Seit dem 19. Januar 2013 gilt: Wer mindestens zwei Jahre lang im Besitz der Klasse A1 ist oder bereits vor dem 1. April 1980 Inhaber eines Autoführerscheins der Klasse 3 war, dem reicht eine praktische Prüfung, um Motorräder bis 48 PS (35 kW) und einem Leistungsgewicht von maximal 0,2 kW/kg fahren zu dürfen.

Um den Anreiz zu erhöhen, locken derzeit fast alle Hersteller mit Preisnachlässen von 1.000 Euro für Neukäufer. Die interessantesten Modelle, die neben Hondas neuer CB500-Familie in der Klasse bis 48 PS antreten, zeigt die Bildergalerie.

Text: Ralf Bielefeldt