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Motorrad-Vergleich

Das nackte Vergnügen

BMW, Ducati und KTM schreiben Rekordzahlen. Warum, das zeigt der Vergleich zwischen F 800 R, Monster 796 und Duke 690.

17. Oktober 2012

Europas Motorradhersteller reiben sich die Hände: Ihre Bikes sind gefragt wie lange nicht. Auch auf dem leicht im Plus liegenden deutschen Markt (118.109 Einheiten von Januar bis September 2012, plus 0,4 Prozent) entwickeln sie sich immer mehr zu Outperformern.

BMW zum Beispiel feierte in August und September neue Absatzrekorde (9.215 Einheiten weltweit, plus 7,0 Prozent). Knapp 86.000 Motorräder und Motorroller haben die Bayern im laufenden Jahr bislang verkauft. Der kurz vor der Ablösung stehende Bestseller R 1200 GS sei auf fast allen Märkten so gut wie ausverkauft.

Die neue wassergekühlte Generation startet im Frühjahr 2013. Erstmals gezeigt wurde die auf 125 PS erstarkte Reise-Enduro Anfang Oktober auf der Intermot in Köln. „Die Publikumsreaktion war überwältigend“, sagt Heiner Faust, Leiter Vertrieb und Marketing BMW Motorrad. „Das gibt uns das gute Gefühl, dass die neue GS den Erfolg fortführt.“

 

 
 

Ducati zelebriert 20 Monster-Jahre

Auch Ducati, jüngstes Markenmitglied der Volkswagen-Familie, schaut entspannt in die Zukunft. 2011 feierten die Italiener das beste Jahr der Firmengeschichte. 2012 und 2013 sollen noch stärker werden – dank neuer Multistrada und Geburtstagskind Monster.

Die Mutter aller Naked Bikes – derzeit als 696, 796, 1100 Evo und Sondermodell „Diesel“ (designed vom Modelabel) auf dem Markt – zelebriert ihr zwanzigjähriges Jubiläum. Passend zur Geburtsstätte Intermot präsentierte Ducati dort das Sondermodell „20th Anniversary“ – mit bronzefarbenem Rahmen, verchromten Oberflächen und historischem Logo am Tank.

„In einem insgesamt schrumpfenden Markt kann Ducati ein immenses Wachstum verzeichnen“, verkündete CEO Gabriele Del Torchio. Neue Farben für alle Modelle und modernste Technik wie das semi-aktive Fahrwerk Skyhook für alle S-Varianten der neuen Multistrada 1200 sollen für noch mehr Schub sorgen.

KTM erobert massiv Marktanteile

KTM, Österreichs wohl bekanntester Exportartikel nach Red Bull, erwartet in 2012 einen Rekordabsatz von mehr als 100.000 Motorrädern. 79.117 Bikes hat KTM in den ersten drei Quartalen dieses Jahres bereits verkauft – das sind 33 Prozent beziehungsweise 19.270 Maschinen mehr als im Vorjahreszeitraum.

Großen Anteil am Erfolg hat das Naked-Modell „Duke“, das in Indien durch Partner Bajaj vertrieben wird. Vier Varianten sind derzeit auf dem Markt: KTM 125 Duke, 200 Duke, 690 Duke und die bärenstarke 990 Super Duke R (125 PS).

Neuestes Modell der Österreicher ist die KTM 1190 Adventurer, die ab 2013 mit 150 PS und 125 Nm gegen die Platzhirsche BMW R 1200 GS und Ducati Multistrada 1200 antritt.

Nackte Einsteiger für Aufsteiger

Was den Reiz der europäischen Zweiräder ausmacht, zeigen bereits die Maschinen mit maximal 800 Kubikzentimeter (ccm) Hubraum. BMW F 800 R, Ducati Monster 796 und KTM 690 Duke gehören innerhalb der Modellpaletten zu den „Kleinen“. Spaß machen sie aber wie die ganz Großen – jede auf ihre ganz eigene Art.

BMW F 800 R: Der Perfektionist

Aufsteigen, starten, losfahren. Das klappt auf der BMW F 800 R so selbstverständlich wie auf einem Automatikroller. Der Roadster von BMW verzeiht seinem Fahrer mehr oder weniger alles: zu wenig Gas beim Anfahren, zu hoher Gang in der Stadt, zu harter Griff in die Bremse – alles kein Problem, der geschmeidige Motor und die feine Elektronik der F 800 R bügeln das aus.

Seit der Markteinführung im Mai 2009 überzeugt der Zweizylinder mit leichtfüßigem Handling, agilen Fahrleistungen und niedrigem Verbrauch. 2011 gab es eine leichte Modellpflege. Mittlerweile ist ABS serienmäßig. Vorbildlich auch: das Kombi-Instrument. Große Ganganzeige, Reifendruckkontrolle, Uhrzeit/Stoppuhr. Ein Helligkeitssensor passt die Instrumentenbeleuchtung automatisch der Umgebung an.

Tacho und Drehzahlmesser arbeiten analog und sind auch bei hohen Geschwindigkeiten problemlos ablesbar: Bei mehr als 200 km/h Spitze sollte man allerdings lieber geradeaus gucken. Mit 199 Kilogramm (fahrfertig) ist die F 800 R das schwerste der drei getesteten Motorräder. Der flüssigkeitsgekühlte Parallel-Twin mit Vierventiltechnik und 87 PS hat mit den Pfunden aber leichtes Spiel. 86 Nm Drehmoment und Massenausgleich sorgen für vibrationsfreien, harmonischen Lauf. Der Preis für so viel Perfektion: ab 8.900 Euro.

Ducati Monster 796: Der Derwisch

Die Monster ist eine Schau, immer und überall. Die beiden armdicken Endtöpfe rechts und links der Sitzbank sorgen bei jeder Drehzahl für betörend bösen Sound; selbst Ducatis Superbike 1199 Panigale schüchtert Umstehende nicht zuverlässiger ein. 80 Zentimeter trennen Fahrergesäß und Asphalt. Auch durchschnittlich große Fahrer können so gesehen mit beiden Füßen auf dem Boden vor Ampeln aufs Ende der Rotphase warten. Und dann gibt es auf der Monster traditionell kein Halten mehr.

Mit ihren „nur“ 78 Newtonmeter Drehmoment bollert die 87-PS-Monster schon bei niedrigen Drehzahlen gewaltig los. Wie ein alter britischer Langhuber beschleunigt der luftgekühlte, desmodromisch gesteuerte Zweizylinder (L-Form) souverän von unten heraus. Oberhalb von 6.000 Touren geht es dann richtig zur Sache. Typisch Ducati – wie der komplett unverkleidete Stahl-Gitterrohrrahmen und das extrem agile Handling.

187 kg bringt die Kurven vernaschende Monster 796 fahrfertig auf die Waage. ABS spendiert Ducati serienmäßig, Traktionskontrolle (DTC) nicht – die bleibt dem Topmodell Monster 1100 Evo vorbehalten. Ab 9.790 Euro kostet die 796 in den Standardfarben rot, schwarz oder weiß. Für die Jubiläums-Edition „20th Anniversary“ begehren die Italiener 300 Euro zusätzlich. Als Monster 696 (80 PS, 69 Nm) startet das Geburtstagsmodell bei 9.090 Euro.

KTM 690 Duke: Die Fahrmaschine

Schlappe 149,5 Kilogramm – mehr wiegt die KTM 690 Duke fahrfertig nicht. Okay, Benzin kommt noch dazu, aber selbst wenn der 14-Liter-Tank voll ist, raubt das dem Naked Bike aus der Alpenrepublik nichts von seinem Leichtbau-Charisma. Mit „nur“ 68 PS leistet die 690 Duke zwar 19 PS weniger als BMW F 800 R und Ducati Monster 796, aber einmal in Fahrt, ist davon wenig bis nichts zu spüren.

Im Gegenteil: „Jede Fahrt auf der 690 Duke ist ein unvergleichliches und unvergessliches Erlebnis“, heißt es in den Presseunterlagen. Und nein, das ist nicht übertrieben. Der bullige Einzylinder bietet natürlich nicht wirklich den Fahrkomfort eines Mehrzylinders. Erst recht nicht beim Stop-and-go-Verkehr in der City, wo es den Duke-Fahrer hin- und herschüttelt auf seinem 690er Eintopf. Ab circa 3.000 Touren aber – was auch dem Wohlfühldrehmoment der Monster entspricht – sprintet die 690er Duke los wie ein kleines Superbike. Und sichert sich in diesem Dreier-Vergleich knapp vor Monster und F 800 R die Fahrspaßwertung.

Leicht und locker wie eine frisierte 80er wedelt die Duke durch die Kurven. 70 Newtonmeter bei 5.500 U/min garantieren Dampf in allen Lagen. Doppelzündung, kerzenselektiv programmiertes Kennfeld, tadelloses Drive-by-wire-System – das sind die motortechnischen Zutaten der Mordsgaudi-Fahrdynamik.

Fahrwerksseitig tragen das vollständig einstellbare WP-Fahrwerk sowie der konsequente Leichtbau mit Chrom-Molybdän-Stahlgitterrohrrahmen, Leichtmetallgussschwinge und angeschraubtem Alu-Rahmenheck ihren Teil zur Dynamik bei.

Ab 7.495 Euro kostet die 690 Duke in schwarz oder in weiß. Kein Superschnapper, aber im Vergleich deutlich die günstigste Alternative – und jeden Euro wert. Wie die nackten Fahrspaß-Verwandten aus München und Bologna.

Mehr dazu in der Bildergalerie.

Text: Ralf Bielefeldt