mobile.de: BMW C 600 Sport und BMW C 650 GT

BMW-Roller C 600 Sport / C 650 GT

Weltstadtflair im Doppelpack

In Rom, Paris, Madrid lieben sie diese Großroller. Jetzt mischt auch BMW mit bei den Maxi-Scootern – und das gleich im Doppelpack. So fährt das C-Duo.

2. Mai 2012

Breiter Lenker, pompöse Sitzbank, üppiger Radstand – etwas Bequemeres als einen Großroller kann es auf zwei Rädern nicht geben. Mit bis zu 2,20 Meter Länge strecken sich die Maxi-Scooter fast auf Smart-Niveau. Zur klassischen Vespa verhalten sie sich wie Großraumlimousinen zu Kleinwagen.

Auch leistungsmäßig spielen sie in einer anderen Liga als klassische Roller: 125 bis 800 Kubik spendieren Hersteller wie Peugeot, Piaggio, Suzuki, Yamaha und asiatische Billiganbieter ihren Renditebringern. Das Segment boomt, und das seit Jahren.

Kein Wunder also, dass Motorrad-Großmogul BMW Bedarf sieht für ein eigenes „Commuter“-Bike, ein komfortables Gefährt für den städtischen Nahverkehr. 10.000 Einheiten pro Jahr lautet das Absatzziel der Bayern. Damit würde das Rollerduo C 600 Sport und C 650 GT kometenhaft in die Hitliste der BMW-Modellcharts schießen.

Ein vielversprechendes Geschäft: Die Preise starten bei 11.100 (BMW C 600 Sport) beziehungsweise 11.450 Euro (C 650 GT). Vergleichbares von der Konkurrenz gibt es bei Yamaha ab 10.995 Euro (TMAX), bei Piaggio ab 8.099 Euro (MP3 LT 400 Sport).

 

Pendler-Fahrzeug mit viel Komfort und hohem Spaßfaktor

In Europas sonnenverwöhnten Metropolen, wo Parkplätze noch knapper sind als die Röcke der Trendlabel, gehören Großroller zum Straßenbild wie hierzulande VW Golf und beige Taxis. Dennoch fallen die BMW-Scooter bei den ersten Testfahrten in Madrid auf wie grüne Pudel.

Wie die einzelnen Schilde einer Rüstung spannen sich die Verkleidungsteile um das Motorrad-ähnliche Fahrwerkskonzept der C-Roller. Der C 600 Sport steht athletischer, weil unbekleideter auf der Straße als der C 650 GT, der selbst den Edelstahlendtopf des Auspuffs verkleidet.

Der Motor ist in beiden Fällen als tragendes Element in die Rahmenkonstruktion integriert. Eine 40-mm-Gabel vorn und das liegende Dämpferbein hinten verleihen dem Roller-Duo die Fahreigenschaften eines „richtigen“ Motorrads. Für hohe Fahrstabilität bürgt der Fahrwerksverbund aus Stahlrohr-Brückenrahmen und Aluminiumdruckgusseinheit im Bereich der Schwingenlagerung.

Erster an der Ampel, so viel Spaß muss sein

Für ein benzingetriebenes Canapé eilt die Generation C erstaunlich flink und willig durch enge Kurven. Auf der Autobahn geht es in imponierender Manier schnurstracks geradeaus.175 km/h gibt BMW als Höchstgeschwindigkeit an für C 600 Sport und C 650 GT. Von null auf Tempo 100 vergehen 7,1 (C 600 Sport) bzw. 7,5 Sekunden (C 650 GT).

City-Tempo 50 bis 60 km/h ist deutlich früher erreicht. An der Ampel lassen die beiden Spree-Sprinter - die Fertigung erfolgt in Berlin - jeden anderen Großroller stehen, verspricht BMW. Ein wichtiges Verkaufsargument in Städten wie Rom oder Paris, wo Mann gern die Rollernase vorn hat.

Beide werden von einem komplett neu entwickelten Zweizylinder-Reihenmotor mit 647 Kubikzentimeter Hubraum angetrieben. 60 PS und 66 Nm lassen einen beim ersten Blick aufs Datenblatt nicht gerade vor Ehrfurcht erstarren. Aber der Fahrspaß ist enorm.

Scooterfahrer haben mit Gangwechseln nichts am Hut

Gerade Wiedereinsteiger und komfortorientierte Motorradfahrer dürften sich für das kinderleicht zu bedienende Roller-Duo begeistern. Platz nehmen, Gas geben und los, das ist gelernt bei Maxi-Scootern. Wer lässig auf der breiten Sitzbank lümmelt, der hat mit Gangwechseln nichts am Hut. Gebremst wird wie bei einem Rennrad: ein Hebel links (Hinterrad), einer rechts (Vorderrad).

Ein Dreh am Gasgriff, und eine Automatik-bedingte Gedenksekunde später schiebt das stufenlose CVT-Getriebe das Roller-Duo mit verheißungsvollem Zweizylinder-Gebrabbel nach vorn. Die 249 Kilo Fahrgewicht merkt man dem BMW C 600 Sport nicht an. Der C 650 GT bringt sogar 261 Kilo auf die Waage.

Der Verbrauch des 60-PS-Duos hält sich dennoch in Grenzen. 5,3 l/100 km betrug der Durchschnittskonsum bei den ersten Testfahrten. Das ergibt rund 300 Kilometer Reichweite mit einer Tankfüllung; für Großroller und Motorräder ist das sehr ordentlich.

Große Zubehörauswahl und praktische Gimmicks

Gegen Aufpreis gibt es LED-Tagfahrlicht, beheizbare Griffe/Sitzbank, verstellbaren Windschild und derlei mehr. Unter der GT-Bank schlummert ein beleuchtetes Doppel-Helmfach, beim C 600 Sport wartet dort eine Weltneuheit: Das „FlexCase“ im Heckboden lässt sich im Stand ausklappen und vergrößert so den Stauraum.

Zieht man den doppelten Boden nicht wieder hoch vor Fahrtantritt, springt der Motor nicht an. So wird verhindert, dass das Klappfach auf dem Hinterrad (15 Zoll) schleift. ABS und Traktionskontrolle verhindern, dass die Räder blockieren oder durchdrehen.

Wer das 2,16 m (Sport) bis 2,22 m (GT) lange Teil nicht auf den Hauptständer ziehen mag (oder kann), klappt links den Seitenständer aus. Sobald der unten ist, geht der Motor automatisch aus und die Parkbremse an. Sehr praktisch, wie die C-Roller selbst.

Text: Ralf Bielefeldt