Oldtimer-Messe Techno Classica Essen 2016

Die Youngtimer-Messe in Essen

Eine Show für 911 und SL

Welche Auto-Klassiker sind unter Spekulanten und Sammlern besonders begehrt? Ein Rundgang über die Youngtimer-Messe Techno Classica zeigt: Das Angebot konzentriert sich vor allem auf wenige besondes begehrte Modelle

 
 
  • Auf der Youngtimer-Verkaufsschau Techno Classica stehen vor allem teurer Traumautos
  • Für viele bisher extrem nachgefragte Klassiker stagnieren derzeit die Preise
  • Neben Ikonen wie dem Porsche 911 und Mercedes SL sind auch seltene Exoten zu sehen

In Essen steht das, was begehrt ist

Wo der Blick auch hinfällt: 911 und SL. Die beiden Typen dominieren auf der Techno Classica (noch bis Sonntag, 10. April), selbsternannte Weltmesse für begehrte Klassiker – also vor allem eine Adresse für Spekulanten und solvente Sammler.

Und natürlich für alle, die sich am Chomfunkeln und Blechglitzern von millionenschweren Traumautos einfach nicht sattsehen können. Das Messegelände in Essen ist ausgebucht, die Hallen stehen voll von Youngtimern und dem ein oder anderen Vorkriegsauto, oftmals restauriert und stets auf Hochglanz poliert. Und auf dem Freigelände bieten Privatleute ihre Autos an; die haben zumeist sichtbare Nutzungsspuren und sind entsprechend günstiger.

Innen wie außen: Gefühlt gehören 30% der Fahrzeuge den beiden berühmten Sportwagen-Baureihen der zwei deutschen Premiummarken an: Mercedes SL und Porsche 911. Das ist natürlich nicht repräsentativ für den Klassikermarkt. In Essen steht vielmehr das, was sich vergleichsweise schnell und einfach verkauft, ein Messeauftritt ist schließlich nicht billig.

Reichlich vorhandene SL

Wer alte Autos nicht zum ersten Mal beguckt, wird das jedoch schnell ermüdend finden, so er denn nicht ein in der Wolle gefärbter Porsche-Fan ist.

Bei den ebenfalls überaus reichlich vorhandenen Mercedes SL der Baureihen W113 („Pagode“), R107 (1971 bis 1989) und R129 (1989 bis 2001) kommt noch ein weiterer Faktor hinzu: Offensichtlich ist an vielen Anbietern vorbeigegangen, dass sich US-Importe dieser Wagen kaum noch lohnen.

So steht mancher SL, für den die Zustandsnote 3 noch geschmeichelt wäre, mit einem Preisschild von 20.000 vorzugsweise auf den Freiflächen. In den Hallen wirken auch diese Roadster noch schicker als weiland be der Auslieferung. Und sie kosten locker +100% im Verhältnis zum Freigelände. Und noch mehr.

Preise für Top-Klassiker stagnieren derzeit

Sind das Ausreißer, oder ist der Preistrend aufwärts ungebrochen? Schon im vergangenen Jahr berichteten wir über Messepreise der besonderen Art: Bis zu 20% Aufschlag auf den Marktpreis bestimmter Autos registrierten Fachleute. Der Porsche 911 Carrera RS, nur 1.600mal gebaut und aufgrund dieser natürlichen Limitierung ähnlich wie der Flügeltürer ein ideales Sammlerstück, ist weiter im Preis gestiegen. Von 500.000 Ende 2014 und 650.000 zur letzten Techno Classica auf nunmehr eine Dreiviertel Million Euro – zumindest verlangen das zwei Anbieter in Essen.

„Das ist der Techno-Classica-Aufschlag“, wendet Frank Wilke, Geschäftsführer des Marktbeobachters Classic Analytics, ein. Er fügt hinzu: „Die Preise steigen derzeit für Top-Autos nicht mehr, der jahrelange Auftrieb vor allem im Hochpreissegment bei Ferrari und natürlich klassischen Porsche 911 ist weitgehend vorbei.“

Hinzu komme: Auch beliebte Autos wie der Ferrari Testrossa stehen jetzt länger beim Händler. Zudem kommen einem manche Autos auf der Messe wie verschiedene Lamborghinis sehr bekannt vor: Exakt diese Fahrzeuge wurden schon im Vorjahr auf der Messe angeboten.

Was sich nicht verkauft, bleibt weg

Die Ausführungen Wilkes lassen sich auf der Techno Classica gut nachvollziehen: Die wenigen Preis-Ausreißer bestätigen nur die grundsätzliche Aussage: Es hat sich ein Preissockel gebildet. Natürlich gibt es noch Autos wie den Ferrari 308 GT4 von Bertone, bei dem Beobachter noch Potential sehen. Das gilt auch immer noch für den Porsche Carrera RS 2,7, aber beispielsweise nicht mehr für den Ferrari 328.

Das führt für den Messebesucher zu zwei ganz unterschiedlichen Auswirkungen: Autos, bei denen die Preisentwicklung offensichtlich stagniert oder sogar leicht rückgängig ist, muss man mit der Lupe suchen.

Heute ist es beispielsweise im Gegensatz zu früher sehr schwierig, einen => Ford Mustang zu finden, der in den Vorjahren noch recht häufig auftrat. Die Nachfrage ist einfach nicht hoch genug, um einen teuren Messeauftritt zu rechtfertigen.

Viele Exoten auf der Youngtimer-Messe

Der zweite Effekt ist sehr positiv: Wenn bei den Ferrari-Preisen kaum noch Musik ist und man gerade keinen Porsche 911 im Angebot hat, dann muss man den Kunden mit anderen Autos locken. So viel Abwechslung wie in diesem Jahr war selten.

Der seltene Maserati Bora ist mehrmals im Angebot, so viele De Tomaso Panteras hat man selten gesehen. Und dazu gibt es als Sahnehäubchen obendrauf noch zwei Isdera Imperator, von dem nur 30 Stück hergestellt wurden.

Ein Überblick des Messe-Programms inklusive Preis-Auffälligkeiten in der Bildergalerie

Text: Stephan Hellmund / portal-manufaktur