Bugatti Chiron: die Auto-Rakete

So sieht der endgültige Sportwagen aus

Das Monster von Genf

Da geht noch was: Kaum ist der 1.200-PS-Bolide Veyron vom Markt, legt Bugatti nach und erschüttert den Genfer Salon mit einem wahren Monstrum. Der Chiron hat locker 25 Prozent mehr Leistung – ein Veyron 2.0. Mindestens.

 
 
2. März 2016

Bitte jetzt nicht die Sinnfrage stellen: Natürlich ist ein Auto mit 1.500 PS, das in minimal 13,6 Sekunden von 0 auf 300 km/h beschleunigt, mindestens 420 km/h schnell fährt und die Unsumme von knapp 3 Millionen Euro kostet, nicht sinnvoll. Aber es begeistert. Und da nur 500 Stück gebaut werden, muss auch niemand Angst um die Verkehrssicherheit in Kleinmachnow und die CO2-Bilanz von Mecklenburg-Vorpommern haben. So weit, so gut.

Die Marke Bugatti, der als Zukauf des VW-Konzerns vor allem die Rolle einer grellen Galeonsfigur mit Höchstleistungs-Anspruch zukommt, erschüttert also den Genfer Salon 2016 mit einem neuen Monster. Kaum ist der Veyron mit 450 verkauften Einheiten Geschichte, legt das Label noch einen drauf. 25% mehr Leistung, und das ist noch nicht alles.

Bereits der Sprint ist ein Rekord: Von null auf 100 km/h in weniger als 2,5 Sekunden, das hat bisher kein erdgebundenes Serienfahrzeug geschafft. Nach weniger als 6,5 Sekunden fällt die 200-km/h-Marke und bei etwa 13,6 km/h sind die 300 km/h erreicht. In dieser Zeit schaffen viele gut motorisierten Autos nicht einmal Tempo 100.

Der Neue ist 1 Sekunde schneller

Und damit ist der Chiron gerade mal 1 Sekunde schneller als sein Vorgänger. Doch der Chiron stellt weit mehr da als bloß ein Super-Tuning seines Vorgängers, er ist gewissermaßen der Veyron 2.0. Die beiden Hightech-Schöpfunden sind einander sehr ähnlich, nicht nur in Form, Farbgebung und Fahrvermögen, sondern auch hinsichtlich der Inszenierung.

Denn auch der Chiron gibt sein gewaltiges Potenzial nicht auf Anhieb preis: Wie schon im Veyron, benötigt man im Chiron einen 2. Schlüssel, den so genannten „Speed Key“.

Der schaltet nicht nur die Elektronik frei, sondern modifiziert auch das Auto in aerodynamischer Hinsicht. Eine Armee von elektronischen Assistenten und aufwendiger Designarbeit machen das möglich.

Der nächste Rekord steht bevor

Die Vmax ist übrigens elektronisch begrenzt, laut Bugatti kann der Bolide durchaus noch schneller. Also dürfte bald wieder ein Geschwindigkeits-Weltrekord fallen. Im sogenannten Handling-Modus, also wenn es auch mal um eine Kurve geht, schiebt die Elektronik bereits bei 380 km/h dem automobilen Sturm und Drang einen Riegel vor.

Solche Werte kommen natürlich nicht von ungefähr: Der Acht-Liter-W16-Motor hat jetzt eine Register-Aufladung bestehend, aus vier Turboladern und 32 Injektoren. Um das Turboloch bei niedrigen Geschwindigkeiten möglichst zu vermeiden, sind beim Anfahren nur zwei Turbolader aktiv, ab etwa 3.800 Umdrehungen schaltet sich der Rest der Mannschaft dazu.

Die Kraft des Motors soll atemberaubend sein: Jede Minute setzt das Triebwerk 60.000 Liter Luft um und im gleichen Zeitraum jagt eine Pumpe 800 Liter Wasser durch den Kühlmittel-Kreislauf. Geschaltet wird mit einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe.

30 Fußballfelder im Katalysator

Damit der 16-Zylinder sämtliche Abgasvorschriften auf dem Globus erfüllt, sind in den Katalysatoren solche Massen an Metall, dass deren Fläche ausgebreitet der von 30 Fußballfeldern entspräche. Die Wasserpumpen für den Kühlkreislauf arbeiten so energisch, dass sie eine Badewanne in acht Sekunden füllen können. Usw., der Chiron ist ein Rekord-Jäger.

Und natürlich ein reinrassiger Sportler. Sein Carbon-Monocoque gleicht in seiner Festigkeit dem Chassis eines LMP1-Rennwagen. Damit die Bremsen so effektiv funktionieren wie der Riesen-Motor, sorgen Carbon-Keramik-Bremsscheiben aus Carbon-Silicium-Carbid (CSiC) im Zusammenspiel mit der schon bekannten Luft-Bremse (beweglicher Spoiler) für hammermäßige Verzögerung.

Die Aerodynamik beim 4,54 Meter langen Chiron ist, wie schon erwähnt, ausgereift: Die Techniker haben den Luftansaugtrakt überarbeitet. Das Zusammenspiel zwischen Leitungen, Abrisskanten und Spoilern, versorgt den Motor mit der dringen benötigten Atemluft, kühlt die Bremsen sowie die Aggregate und presst den Zwei-Tonnen-Trumm auf den Asphalt.

Fünf Fahrprogramme, zwei Schlüssel

Wie beim Veyron hilft beim Chiron ein permanenter Allrad-Antrieb bei der Traktion. Um die Power des 16-Zylinder-Kraftwerks auf den Asphalt zu bringen, haben die Techniker ein neues adaptives Fahrwerk entwickelt, das eine Spreizung von fünf Fahrmodi hat: Lift, EB / Auto, Autobahn, Handling und Top Speed.

Wie der Name schon sagt, hebt „Lift“ die Karosserie an, wenn es über Rampen geht. Sobald der Chiron 50 km/h schnell ist, wechseln die adaptiven Dämpfer in den „EB / Auto“-Basis-Modus. Jenseits der 180 km/h kommt „Autobahn“ zum Einsatz. Keine Frage, auf vielen ausländischen Märkten mit flächendeckendem Tempolimit wird dieses Wort Sehnsüchte provozieren...

Während „Handling“ die Kurvenfahrt unterstützt, geht es schließlich bei „ Speed“ nur um das Geradeaus-Sprinten. Um diese Rakete freizuschalten, sind wie beim Vorgänger Veyron zwei Schlüssel nötig.

Reifen von der Luftfahrt-Industrie

Doch ohne die passenden Reifen würde die geballte Kraft natürlich buchstäblich in Rauch aufgehen. Um das zu verhindern, wurden Reifen in Zusammenarbeit mit der Luftfahrt-Industrie entwickelt und auf deren Prüfständen standfest gemacht. Hinten sind 355er-21-Zoll-Walzen und vorne 285er-20-Zoll-Pneus montiert.

„Der Chiron ist das Ergebnis unserer Anstrengungen, das Beste noch besser zu machen“, strahlt Bugatti-Chef Wolfgang Dürheimer und fährt fort: „Bugatti hat die Grenzen der Physik weiter ausgereizt. Es gibt keinen Bereich, in dem wir uns nicht wesentlich verbessert haben.“ Auch im Preis, denn der Chiron kostet 100.000 Euro mehr als der Veyron zuletzt. Und auch mit dem Super-Supersportwagen wird der Konzern wohl kein Geld verdienen – beim Veyron sollen die Verluste bekanntlich mehrere Millionen pro Auto betragen haben.

Die schwerreiche Kundschaft wird dies alles selbstverständlich nicht stören: Dem Vernehmen nach ist bereits ein Drittel der 500 Exemplare verkauft. Ob dieser PS-Hochadel damit wirklich fährt, sei dahingestellt – viele Chirons dürften in exklusiven Sammlungen verschwinden, um irgendwann auf nicht minder exklusiven Auktionen zu atemberaubenden Preisspannen weitergereicht zu werden..

Der Zeitpunkt ist optimal

Ein Auto zum Staunen, nicht mehr und nicht weniger. Nein, die Sinnfrage ist hier nicht so wichtig. Oder am Ende doch: Der Zeitpunkt scheint optimal für Bugatti und den VW-Konzern, der Welt diesen Giganten zu präsentieren. Solche Höchstleistungen in einem Serienauto waren bis vor kurzem nicht möglich, und in wenigen Jahren schon werden sie obsolet sein.

Dann nämlich, wenn mit weit weniger Aufwand vergleichbare – und gewiss auch noch höhere – Leistungen aus Autos mit Elektromotoren generiert werden. Ob die ihre Energie nun aus Akkus oder über den Umweg der Brennstoffzelle aus Wasserstoff-Tanks beziehen, spielt keine Rolle. Dass der Wettkampf bereits voll im Gange ist, zeigt nicht zuletzt der neue Tesla Model X.

Jedenfalls wird der Vorsprung des Verbrennungsmotors bald dahin sein, und dann kräht kein Hahn mehr nach einem PS-Monster wie dem Chiron. Dann wird er seinen Platz im Museum erhalten, als das, was er heute schon ist: ein technisches Meisterwerk, für den Alltagsgebrauch zu schade.

Weitere Impressionen des Bugatti Chiron in der Bildergalerie.

Bugatti-Suche bei mobile.de

Wieder einmal zeigt sich: mobile.de hat sie alle! Auch vom Bugatti Veyron werden derzeit eine Handvoll Exemplare zum Kauf angeboten.

Wer mindestens 1,2 Millionen Euro hat, kann zuschlagen. Allerdings sind in diesem Fall noch ein paar tausend Euro für den Transfer fällig:

Bugatti Veyron bei mobile.de

Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll u. Roland Wildberg
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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