Muskelspiele in Detroit

Sportwagen auf der NAIAS 2015

Der PS-Kult

Die Gier nach Leistung ist in den USA ungebrochen. Derart viele Muskelprotze gab es auf der Detroit Motorshow lange nicht zu sehen wie in diesem Jahr.

19. Januar 2015

Wenn die Amerikaner von einem „Halo Car“ sprechen, dann ist schnell klar, um welche Gattung von Autos es geht. Ein spektakuläres Flaggschiff, das wegweisend für die gesamte Marke ist. „Halo“ heißt nichts anderes als Aura. Bei Ford soll diese Aura der frisch enthüllte GT tragen. Jener Sportwagen, der als rollende Reminiszenz an den berühmten Supersportler Ford GT40 zu verstehen ist.

Das ist genau jener Sportwagen, der in den 60er Jahren vier Mal in Folge die 24-Stunden von Le Mans gewann. Die blaue Flunder, die in der Cobo Hall die Massen anzieht, setzt diese GT-Tradition nun fort: Leichtbau kombiniert mit einem potenten Aggregat, verpackt in einem Mittelmotor-Konzept. Und es sieht auch endlich wieder gut aus.

In der Ford-Sprache des Jahres 2015 entspricht das einem doppelt aufgeladenen Sechszylinder-Motor mit rund 600 PS und einer Karosserie aus Aluminium und Kohlefaser. Im nächsten Jahr soll dann die Neuauflage des Ford GT in den Verkaufsräumen an den historischen Dreifach-Erfolg seines Urahnen 1966 in Le Mans erinnern.

 
 

Panzerfaust mit Passagierabteil

Der Cadillac CTS-V zieht bereits ab diesem Jahr alle Aufmerksamkeit auf sich. Eine nordamerikanische Panzerfaust mit Passagierabteil, die es dank 649-Kompressor-PS mit deutschen Konkurrenten, wie dem Audi RS 7, BMW M5 oder einem Mercedes E 63 AMG aufnehmen will.

Der 6,2-Liter-Motor des CTS-V katapultiert den Cadillac denn auch, wie schon zu erwarten war, in erschreckenden 3,8 Sekunden von null auf 100 km/h. Das Design des Amerikaners mit den senkrecht stehenden LED-Reihen, der markanten Lufthutze auf der Motorhaube und dem riesigen Kühlergrill dürfte auch auf deutschen Autobahnen für Überhol-Prestige sorgen.

Damit der Pilot am Steuer dieses Starfighters mit (hoffentlich ausreichender) Bodenhaftung auch jede seiner Fahrten nachvollziehen kann, zeichnet eine Blackbox bis zu 30 Datenkanäle auf. Dem CTS-V zur Seite steht das Cadillac ATS-V Coupé.

Lexus-Motor hinkt hinterher

Die Attacke auf die deutschen Sport-Limousinen kommt noch von einer anderen Seite: Der in Europa nicht auf dem Markt erhältliche Lexus GS-F bekommt den V8-Saugmotor, der mit 477 PS schon im Lexus RC F beeindruckte. Auf der Kraft-Skala hinkt der Lexus damit der deutschen Konkurrenz um gut 100 PS hinterher.

Um auf der linken Spur dennoch nicht abgehängt zu werden, bringt der Japaner lediglich 1.830 Kilogramm auf die Waage, das sind rund 200 Kilogramm weniger als mancher Wettbewerber.

Die Achtgangautomatik garantiert eine flüssige Beschleunigung und ein adaptives Fahrwerk, verschiedene Fahrmodi, ein Torque-Vectoring-Differential helfen dem schnellen Lexus für eine maximale Fahrdynamik.

M6 hat kein PS mehr an Bord

BMW bringt ein Facelift des M6 mit nach Detroit. Die Modellüberarbeitung ist visuell kaum zu erkennen. Die Niere im Bug hat weniger Streben und der Lufteinlass der Frontschürze ist durchgängig – aber das war es auch schon. Beim Motor bleibt alles beim alten, es gibt nicht 1 PS mehr. Mit 560 PS, die hier satt zur Verfügung stehen, sollte auch kein unmittelbarer Handlungsbedarf bestehen.

Dennoch kann alle PS-Potenz nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Modellpflege technisch kaum Neuerungen bringt. Fahrer, die öfters schneller unterwegs sind, freuen sich über einen Stau-Assistenten.

Die Konkurrenz schläft nicht: Honda lässt endlich die Serienversion des Acura NSX los. Der Antriebstrang des 550 PS starken Mittelmotor-Supersportlers besteht aus einem Sechszylindermotor und drei Elektromotoren, von denen ein Aggregat den Heckantrieb unterstützt, während die beiden E-Maschinen an den Vorderrädern für dynamisches Torque-Verctoring sorgen. Garniert wird der Antriebsstrang von einem Neungang-Doppelkupplungsgetriebe. Der Preis: 150.000 US-Dollar.

Porsche Targa erstmals als GTS

Eine weitere Premiere gibt es beim Porsche Targa. Den Bügel-Sportler gibt es erstmals als allradgetriebenen GTS mit 430 PS und einer Spitzengeschwindigkeit von 300 km/h. Beim Targa 4 GTS setzen die Designer schwarze Akzente. Angefangen von den mattschwarzen 20 Zöllern bis hin zu den dunkel Aluminium Zierleisten im Innenraum.

Oben ohne kommt jetzt auch der Carbon-Sportler Alfa Romeo 4C daher. Dank der Kohlefaser-Leichtbauweise ist die Karosserie der Italo-Flunder so verwindungssteif, dass die offene Version nur 60 Kilogramm schwerer ist, als der geschlossene 4C.

In Zusammenspiel mit den 240 PS ist dieses Gewicht, dass unter einer Tonne liegt, immer noch eine Spaßgarantie, wie die 4,5 Sekunden von null auf 100 km/h und die Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h zeigen. Bei den Scheinwerfern entschieden sich die Designer für klassische Scheinwerfer im GT-Stil, anstelle der Formicula-Insekten Frontlichter.

Raptor ist etwas leichter geworden

Und auch der Ford-F150-Raptor-Pick-Up-Truck lässt seine Muskeln spielen. Das PS-Alphatier des rustikalen Bestsellers wurde bislang von einem Achtzylindertriebwerk angetrieben. Nun soll ein neuer 3,5-Liter-V6 Ecoboost-Motor mit rund 500 PS für angemessenen Vortrieb sorgen.

Ein Raptor definiert sich aber nicht nur über seine Energieentfaltung. Auch das Fahrwerk und das Chassis verbesserten die Ingenieure. Sechs Fahrmodi, eine breitere Spur und eine Zehngang-Automatik lassen das Herz eines jeden Pick-Up-Fans ab Herbst des nächsten Jahres höher schlagen.

Der Raptor bleibt böse, aber immerhin wird der fiese Typ etwas leichter: Die Verwendung einer neuen Aluminium-Legierung spart dem bissigen Saurier 150 Kilogramm Gewicht ein. Das kann der Fahrer dann als Zuladung für Benzinkanister verwenden.

Auch bei den SUVs ist geht es vor allem um PS. Der neue Mercedes GLE 63 AMG protzt gegen den BMW X6 M und Porsche Cayenne Turbo S. Beim schwäbischen Herausforderer mit doppelt aufgeladenen Achtzylinder haben die Kunden die Wahl zwischen 557 PS oder als S-Version mit 585 PS.

Im Gegensatz zu den zahmeren GLE Coupé ist der 63er AMG konsequent auf Sportlichkeit und Dynamik ausgelegt. Der Fahrer zwischen fünf verschiedenen Fahrprogrammen zwischen Comfort und Sport+ wählen.

Unterstrichen wird der sportliche Antrieb von einem entsprechenden Auftritt mit Spoilern, Schwellern, ausgestellten Radhäusern und mächtigen 22-Zoll-Reifen.

Mehr über die neuen Sportwagen in der Bildergalerie.

Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll