Die Auto-Party in Frankfurt

Höhepunkte der IAA 2015 (UPDATE)

Neu oder brandneu?

Neue Autos in rauen Mengen: Auf der Frankfurter IAA bläst die Autoindustrie die Backen auf. Allerdings sind einige der Weltpremieren schon hier und da zu sehen gewesen. Dennoch bleibt die deutsche Herbstmesse das wichtigste Schaufenster der Branche

20. August 2015

Neu ist nicht brandneu: Ein Trend in der Autoindustrie schadet der Attraktivität von Automessen, allen voran die IAA Frankfurt. Auf der diesjährigen Messe, seit Jahrzehnten weltweit das wichtigste Schaufenster der Branche, stehen kaum noch Premieren.

Offiziell führen zwar viele neue Modelle das Prädikat „Weltpremiere“, doch sie sind bereits im Vorfeld der Internationalen Automobil-Ausstellung vorgestellt, beschrieben und teilweise sogar schon getestet wurden. Das ist einem gnadenlosen Wettlauf um Aufmerksamkeit geschuldet.

Die Hersteller versuchen zunehmend, ihre Premieren vorzuziehen, damit sie ja nicht im Schatten des allgemeinen PR-Gewitters der Messe stehen. Was der Attraktivität der Messe empfindlich schaden dürfte.
 

 
 

Audi lässt nicht vom Elektroauto

Einer von ihnen ist der neue Audi A4; sowohl Limousine als auch Avant wurden bereits zuvor präsentiert. Ab 30.000 Euro sollen die ab diesen Herbst erhältlichen Messestars kosten. Aus gleichem Hause rollt eine erste Studie zum Q6 e-tron nach Frankfurt: ein viertüriges Crossover-Coupé mit Elektroantrieb.

Porsche könnte mit dem Pajun einen Ausblick auf den kleinen Bruder vom Panamera zeigen. Wichtiger wird der überarbeitete 911. Neben einem kaum wahrnehmbaren äußeren Facelift wird vor allem unter der Motorhaube alles neu sein.

So werden, mit Ausnahme der GT3-Modelle, alle 911 über Motoren mit Turboaufladung verfügen. Zudem werden die Hubräume der 3,4- und 3,8-Liter-Aggregate auf 2,7 und 3,0 Liter reduziert.

Auch den 7er haben wir schon gesehen

Wie schon der Audi A4 ist auch der neue BMW 7er auf der einen Seite eine der Hauptattraktionen der diesjährigen IAA. Auf der anderen Seite ist das um bis zu 130 Kilogramm abgespeckte Flaggschiff der Münchener auch schon gezeigt worden.

Die serienmäßige Luftfederung und eine Hinterachslenkung sowie jede Menge neuester Technik sollen für einen Sieg im Konkurrenzkampf mit Audi und Mercedes sorgen. Besonders die Option, dass der neue Siebener ohne Fahrer an Bord in eine Parklücke rangiert, birgt großes Potenzial.

Auch auf dem BMW-Stand zu sehen ist mit dem X1 ein ebenfalls nicht mehr unbekannter Neuling. Tochterfirma Mini präsentiert den neuen Clubman - einen echten Sechstürer mit jeder Menge Lifestyle.

IAA wird Mercedes-Showroom

Der dritte deutsche Premiumhersteller im Bunde, Mercedes-Benz, ist dieses Jahr auf der IAA noch etwas zeigefreudiger und holt jede Menge Hingucker aufs Parkett. Neben der gelifteten A-Klasse, die ab Ende September beim Händler steht, geht es vor allem luxuriös und sportlich zur Sache. So bietet das S-Klasse Cabrio mit klassischem Stoffdach jede Menge Stoff zum Schwärmen.

Das neue C-Klasse Coupé und die Topversion AMG C 63 lassen wie auch die straßenzugelassene Version des AMG GT3 die Herzen der Stern-Fans höher schlagen. Letzterer muss sich zwar mit 4,0 Litern Hubraum des Biturbo-V8 zufrieden geben, doch sollen nicht weniger als 550 PS daraus resultieren. Die IAA wird also ein bisschen zum privaten Showroom von Mercedes.

Auch Smart, der kleine Ableger des Konzerns, zeigt zum ersten Mal seinen offenen Zweisitzer Fortwo. Anfang 2016 soll das Kleinst-Cabrio auf den Markt kommen. Mit dem ab 44.506 Euro teuren GLC, der auf die Ecken und Kanten seines Vorgängers GLK verzichtet, rundet Mercedes-Benz seinen Messeauftritt gelungen ab.

Reanimation eines Phantoms

Ein Konkurrent des GLC rollt aus dem Volkswagen-Konzern an: der neue Tiguan. Der auch als Siebensitzer geplante Wolfsburger verfügt über nahezu alle technischen Feinheiten, die schon der neue Passat zu bieten hat.

Auf eine Premiere ist nahezu die ganze Automobilwelt gespannt: Auf die Wiederauferstehung der Marke Borgward und ihres ersten Modells, eines SUV. Im Übrigen eine der wenigen Weltneuheiten, über die auch im Vorfeld noch keinerlei Informationen kommuniziert wurden. Von vielen gewünscht, aber bislang kaum gesehen, wurde der Jaguar F-Pace. Das erste SUV der Marke, oder auch Performance-Crossover, ist jedoch nahezu unsichtbar bei der erst vor kurzem erst beendeten Tour de France als Begleitfahrzeug am Start gewesen.

Wesentlich schneller als im Radtempo unterwegs waren die Testfahrer des neuen Bentley Bentayga. Bis zu 300 Kilometer pro Stunde soll der 608 PS starke Zwölfzylinder innerhalb des schnellsten SUV der Welt ermöglichen. Mit 330 Sachen noch schneller ist der neue Ferrari 488 Spider. 670 PS katapultieren den Italiener in 3,0 Sekunden aus dem Stand bis Tempo 100.

Opel hat den kürzesten Premieren-Weg

Mit 3,9 Sekunden fast genauso schnell und mit 510 PS nur minder schwächer startet die neue Giulia von Alfa Romeo auf den Markt. Der Hecktriebler macht nicht nur aufgrund dieser Daten, sondern auch wegen eines sehr modernen Äußeren auf sich aufmerksam.

Auch aus Italien und sogar demselben Unternehmen zugehörig, aber gefühlt 1.000 Nummern langsamer ist der aufgefrischte, als neu verkaufte Fiat 500. Der eigentlich nur von echten Cinquecento-Fans zu erkennende Neuling kommt in frischen Farben und als Cabrio auf die Straße. Kein Cabrio, aber dennoch für mächtig viel Wind sorgt der stärkste Serien-Peugeot aller Zeiten, der 270PS starke 308 GTi.

In derselben Gewichtsklasse rollt die Weltpremiere mit dem wahrscheinlich geringsten Anfahrtsweg an: der neue Opel Astra – ebenfalls bereits scheibchenweise vorgestellt. Der um fünf Zentimeter in der Länge geschrumpfte Kompaktwagen kommt nun auf 4,37 Meter, bietet weniger Gewicht, mehr Platz und mehr Hightech. Auch in die Kompaktklasse fällt der neue Infiniti Q30, der auf der A-Klasse von Kooperationspartner Mercedes basiert.

Es bleibt im übrigen spannend: Parallel zu dem Trend, Neuheiten bereits vor der Messe zu zeigen, hat auch die Zahl der „Last-Minute“-Premieren zugenommen. Das sind Neuheiten, die wirklich erst unmittelbar vor dem Start der IAA bekannt werden. Die wirklich echten Premieren, wenn man so will.

Mehr Neuheiten von der IAA 2015 in der Bildergalerie.

Text: Press-Inform / Marcel Sommer