Reportage IAA 2013

Reportage IAA 2013

Wenig Licht und viel Schatten

Gleißend helle Scheinwerfer, strahlende Vorstände und tolle Produkte. Doch leider: nicht alles auf der IAA ist ein Volltreffer. Vieles gefällt; doch mindestens genauso vieles ist ein Flop. Ein Überblick – ganz subjektiv.

12. September 2013

Die IAA 2013 soll wieder Lust machen auf das Thema Auto. Das wird wohl kaum gelingen, denn die Dauerbegriffe wie Downsizing, Elektromobilität und Assistenzsysteme sind für jüngere Potentialkunden so spannend wie ein Mitternachtskonzert von Anneliese Rothenberger in einer Castroper Jugendfreizeitstätte.

Da können sich alle über die Automobil-Ignoranz des Nachwuchses beschweren, rund um den Messeturm gibt es wirklich wenig, was begeistert.

 

 
 

Kleiner Elektrotrend, große Preise

Alles reden vom Elektrotrend auf der IAA. Dabei gibt es mit Mercedes B-Klasse electric drive, BMW i3, VW e-up! und VW e-Golf gerade einmal vier Elektroautos, die beachtenswert sind. Drei davon kennt man bereits, nur der e-Golf ist wirklich neu. Zu teuer sind sie alle.

Insbesondere der VW e-up! ist zum Preis von rund 27.000 Euro ein echter Schenkelklopfer. Der vergleichbare up! mit Verbrennungsmotor und deutlich mehr Reichweite kostet rund 10.000 Euro.

Mit solchen Preisen haben selbst Elektroflitzer keine Chance.

Besser macht es insbesondere der BMW i3. Doch 150 Kilometer Reichweite sind für 35.000 Euro inkl. Sparausstattung ebenfalls eine Art Verzichtserklärung.

Laufsteg der Schönheiten

Natürlich gibt es auch Schönheiten wie das mehr als sehenswerte Concept Coupé von Volvo. Ein sehenswerter Zweitürer mit Anlehnungen an Lancia Fulvia und Volvo P1800. Leider wird es den Volvo derart schmuck niemals in der Realität geben, und Volvo verärgert nicht nur die Stammkundschaft mit der Vorgabe, zukünftig nur noch Vierzylinder zu bauen.

So geht noch ein Stück des verblassenden Schweden-Charmes verloren.

Mercedes präsentiert dafür einen echten Lichtblick. Das ist nicht der leicht seelenlose Smart Forfour der kommenden Generation, der in Frankfurt noch ohne Türen und Dach auskommen muss, sondern das S-Klasse Coupé der Kernmarke Mercedes-Benz.

Der grenzenlos luxuriöse CL ohne Charme ist Vergangenheit. Wenn 2014 das neue Luxuscoupé, deutlich kräftiger und emotionaler als bisher, vom Serienstapel läuft, dürfte das nicht nur Fans locken, weil auf gleicher Basis noch ein Cabrio folgt.

Gemischte Gefühle

Die Franzosen stochern nach wie vor im Nebel. Klar, ist ein Renault Clio ein ordentliches Auto. Aber die Studie des Initiale Paris als seriennahen Vorläufer des nächsten Espace dürfte sich gerade in Deutschland schwertun. Also warten wir weiter auf die Alpine, die 2016 kommen soll.

Audi kann auf der IAA nicht überzeugen. Klar wünscht sich jeder, dass das Sport Quattro Concept auch wirklich gebaut wird. Ob in so ein Fahrzeug ein Hybridmodul haben muss, bleibt die Frage.

Die verwegene Nanuk-Mischung aus einem Geländewagen und dem kommenden Audi R8 muss man nicht verstehen.

Opel lässt einem mit der Konzeptstudie des Monza 2013 von einem Mittelklasse-Coupé mit Oberklasse-Genen träumen. Doch einen aufgeladenen Dreizylinder will niemand in einem solch emotionalen Auto sehen. Was davon kommt? Das weiß keiner.

Konkurrent Ford zeigt in Frankfurt Licht und Schatten. Der sportliche Van-Ausblick auf den nächsten S-Max gefällt mit schicken Proportionen und einem intelligenten Raumkonzept. Doch wer interessiert sich für den edlen Vignale, wenn das Serienmodell des Ford Mondeo schon ein Jahr in den USA auf dem Markt ist und die Kunden hier noch bis Ende 2014 mit dem Vorgängermodell abgespeist werden?

Wenig Neues

Die leblosesten Messeauftritte gibt es bei den Italienern. Nicht nur Fiat-Chef Sergio Marchionne ist der IAA ferngeblieben. Man kann um die Halle getrost einen weiten Bogen machen. Jeep, Lancia und Fiat bieten gähnende Langeweile, und der Alfa Romeo 4C hat gefühlt schon Dutzende von Messen bevölkert. Auf dem Markt ist die Italo-Flunder immer noch nicht.

Ähnlich dröge ist es nur noch bei Toyota, Mazda, Mitsubishi oder Honda, wo es immerhin den neuen Civic Tourer zu sehen gibt. Innovationen sehen anders aus, und der Messestand von Tesla bereitet einem Bauchschmerzen. Liebloser geht es nicht.

Gut, dass Bodo Buschmann mit seinen aufgemöbelten Klassikern wie der Retro-Pagode wieder für Linderung sorgt. Doch einige Firmen hätten der Messe einfach fernbleiben sollen. Denn wenn es keine Neuigkeiten gibt, kann man sich die Standgebühren sparen. Die nächste Automesse kommt bestimmt. Mitte November geht finden parallel die Großevents in Los Angeles und Tokio statt.

Text: Stefan Grundhoff; press-inform | Bildmaterial: press-inform