Plagiate auf der Auto Shanghai 2013

Plagiate auf der Auto Shanghai 2013

Genau hingeschaut

Chinesische Autohersteller nehmen gerne Anleihen bei den Designs etablierter Marken. Auch wenn die chinesischen Marken eigenständiger werden, abgekupfert wird noch immer.

22. April 2013

Die Delinquenten heißen Hawtai, JAC, Dongfeng oder Zotye. Auch wenn sich das chinesische Design so peu à peu etabliert, rufen die Messestände einiger heimischer Automobilhersteller auf der Auto Shanghai 2013 in jedem Kenner der Automobil-Szene ein Déjà-vu der besonderen Art hervor.

Die Blechkarossen, die dort im gleißenden Scheinwerferlicht um Aufmerksamkeit heischen, kommen dem Betrachter seltsam vertraut vor. Was in Deutschland die Gesetzeshüter auf den Plan rufen würde, ist in China nach wie vor gang und gäbe.

 

 
 

Von Hummer bis Sprinter

Sei es die gelblackierte, erneute Hummer-Kopie von Hersteller Dongfeng oder der Zotye T600, der dem Besucher ganz ungeniert die Nase eines VW Golf und das Heck eines Audi Q5 entgegen reckt. Nur, dass unter der Motorhaube des China-Crossovers ein 140 PS Vierzylinder seinen Dienst tut. Das VW-Gesicht scheint es den Zotye-Designern angetan zu haben. Denn auch der kleinere T200 trägt die unverkennbaren Züge eines Wolfsburgers.

Der Mercedes-Sprinter ist nach wie vor ein beliebtes Objekt der Blaupausen-Künstler, wie man am JAC-Stand ohne Probleme erkennen kann.

Auch Studien nicht sicher

Die Kollegen von Landwind machen sich nicht einmal die Mühe, ihr SUV großartig umzunennen. Der X5 lässt wenig Zweifel offen, wer für den Geländewagen Pate stand. Die Formensprache der zweiten Generation nimmt vor allem Anleihen bei Hyundai und Toyota.

Selbst bei den Studien sind die Urheber gelungener Blechkleider nicht vor den gewitzten Kopierern sicher, wie man am SAIC-Stand an dem Renault-Clio-Captur-Antlitz sieht, das einem von einer Drehbühne entgegenlächelt. Dass es sich dabei um die langerwartete Studie MG CS Concept handelt, macht die Sache nur unwesentlich besser.

Vorbild Jaguar

Als unverändert kopierbereit zeigten sich auf der Auto Shanghai einmal mehr Hawtai Motors, die neben dem bekannten Cayenne-Alter-Ego mit dem E70 auch einen neuen Coup präsentierten.

Die Front der 4,78 Meter langen Limousine ähnelt doch sehr einem Jaguar XJ. Nur wird der 2.0-Liter-Motor mit seinem 136 PS und 180 km/h Spitze nicht mit dem Original aus dem Vereinigten Königreich mithalten können. Vom Innenraum mit seinem hohen Plastik-Anteil ganz zu schweigen.

Besserung zeichnet sich ab

Doch bei alldem: Die chinesischen Automarken werden immer erwachsener. Hier und da werden bei den Präsentationen Designer europäischer Firmen vorgestellt, und an immer mehr Messeständen gibt es Eigenkreationen zu bestaunen.

Die sind weder die schönsten noch die visionärsten, doch unterstreichen die Eigenkreationen, dass man sich im Reich der Mitte zunehmend frei schwimmt und mehr denn je auf eigenen Reifen steht.

Die Zeiten des blinden Kopierens um jeden Preis scheinen langsam abzulaufen.

Text: Wolfgang Gomoll; press-inform