Vorschau: Techno Classica

Oldtimer-Messe Techno Classica 2012: Vorschau

Versammlung der edlen Gebrauchtwagen

Haufenweise blitzendes Blech: Heute beginnt in Essen die Klassiker-Schau Techno Classica. Fast alle Oldtimer dort stehen zum Verkauf.

Automuseum for sale: Auf der Oldtimer-Messe Techno Classica 2012 in Essen (22.-25. März) können die Besucher theoretisch fast jedes Exponat mit nach Hause nehmen. Gegen eine gewisse Gebühr, versteht sich. Und die kann durchaus sechsstellig sein.

Rund 2.500 Autos, auf Hochglanz poliert, makellos die meisten. Vor allem Traumautos stehen in den 20 Messehallen, und insbesondere die Baujahre 1945-1975 sind massenhaft vertreten. Fahrende Zeitzeugen aus den Hochzeiten des Automobils, als der technische Fortschritt den Bau von Fahrzeugen ermöglichte, deren Anspruch an Sicherheit und Komfort noch heute überzeugt.

Der Spritverbrauch war egal. Vor der Ölkrise wurde Wirtschaftlichkeit nicht in Litern gemessen: Benzinpreise scherten niemanden; und Sechszylinder waren eher die Regel als die Ausnahme. Wer es sich leisten konnte, fuhr natürlich Acht- oder gar Zwölfzylinder.

Im Oldtimer kann man sich überall sehen lassen

Besucher der Techno Classica erleben also nicht einfach nur eine betörende Blech-Parade, sondern unternehmen auch eine etwas melancholisch stimmende Zeitreise in eine Ära scheinbar sorgenfreier Mobilität, von deren Andenken viele noch heute zehren. Selbst die, die diese Zeit gar nicht bewusst erlebt haben. Das zeigt die wachsende Beliebtheit von Young- und Oldtimern auch bei jungen Fahrern.

Während moderne Autos als Statussymbole zunehmend Prestige an iPhone & Co. verlieren, gewinnen Oldtimer an Wert – symbolisch wie materiell. Mit einem röhrenden Porsche 911, Baujahr 1969, den Gotthardpass hinauf, oder lieber am Steuer eines ’54er Chevy Bel Air über die Boulevards von Paris cruisen, oder doch eher im Lancia durch die Toskana?

Das sind opulente Bilder fürs Kopfkino. Laut einer aktuellen Umfrage der Puls-Marktforschung GmbH wollen sich sechs Prozent der Autofahrer in Deutschland irgendwann einen Oldtimer kaufen. 23 Prozent derjenigen, die schon einen Klassiker fahren, betrachten ihn auch als Geldanlage. Kein Wunder bei den Preissprüngen, die vor allem deutsche Modelle – speziell die Marke Mercedes – in den vergangenen Jahren gemacht haben.

Ein Höhepunkt: die Shows der Hersteller

Markenpflege reicht bei den großen Herstellern längst weit über den Neuwagen-Bereich hinaus. Inzwischen halten sogar die einstmals blechtraditionsfernen Japaner ihre Vergangenheit in hohen Ehren. Schließlich geben Oldtimerfahrer für ihre Liebhaberei viel Geld aus, nicht zuletzt in Form von Ersatzteilen und Wartung.

Auf der größten Oldtimermesse sind fast alle Autobauer von Rang und Namen vertreten, und jedes Jahr werden eigens für die Techno Classica exklusive Sonderausstellungen konzipiert. Hier der Überblick 2012:

Pegaso: Die Techno Classica hat eine Ausstellung über die äußerst seltene spanische Marke Pegaso organisiert. Gezeigt werden 23 der eleganten Sportwagen, die in den 50er-Jahren entstanden. Weniger als 100 Fahrzeuge wurden gebaut, dann ließ der faschistische Diktator Francisco Franco die Produktion zugunsten von Lkw und Bussen einstellen.

Mercedes-Benz feiert das Jubiläum „60 Jahre SL“ mit diversen Modellen des berühmten Roadsters, dessen Kürzel für „Sport Leicht“ steht. Gezeigt wird auch der 500 SL von Lady Diana.

BMW erinnert an den „Dreier“ mit Repräsentanten aus jedem Jahrgang des Bestsellers. Außerdem wird der 40. Jahrestag der M GmbH gefeiert.

• „Citroën im Zeichen der Kunst“ zeigt Grafiken, Gemälde, aber auch Dokumentationen von zeitgenössischen Kunst-Ereignissen wie die Inszenierung eines DS auf Ballons im Jahr 1959.

Volkswagen nennt sein Rennsport-Thema „Sportliche Eleganz“ und zeigt einige Motorsport-Varianten von Serien-VW, darunter einen Käfer, der 1956 auf der Mille Miglia mitfuhr.

VW Nutzfahrzeuge ist ebenfalls auf der Techno Classica und präsentiert sieben nützliche Transporter, die Geschichte schrieben. Außerdem wird an „30 Jahre Caddy“ erinnert.

• Die Autostadt Wolfsburg hat eine eigene Ausstellung: Ein Dutzend Neuerwerbungen des Automuseums „Zeithaus“ werden in Essen erstmals gezeigt, darunter ein Koco-Wagen von 1923, eine Rarität aus Erfurt, sowie der legendäre Flügeltürer DeLorean DMC 12.

Audi hat eine Blech-Collage zum Thema „Bergrennen“ arrangiert. Dazu gehören Legenden wie der Quattro „Pikes Peak“, der Renn-Titan Auto Union Typ C mit Doppelreifen oder der NSU 1300 TT.

Lamborghini zeigt zahlreiche Zwölfzylinder aus fünf Jahrzehnten und setzt damit der Königsform des Motorenbaus ein Denkmal.

Bentley und Bugatti haben ausgewählte Klassiker auf einem Gemeinschaftsstand zusammengetragen. Motto: „Sportlichkeit und Eleganz“.

Porsche zelebriert ebenfalls ein Rennsport-Thema: „40 Jahre 911 Carrera RS“ zeigt fünf Exemplare des jeweils stärksten 911ers seiner Epoche.

Ford feiert ein Jubiläums-Quartett: 30 Jahre Ford Sierra, 40 Jahre Ford Granada, 50 Jahre Ford Taunus 12 M (P4) und 60 Jahre Ford Taunus „Weltkugel“.

Opel erinnert an die Zeit, als es noch keine Autos gab, aber durchaus Produkte der Marke Opel, die vor 150 Jahren gegründet wurde. Zu den teils kuriosen Exponaten gehören Nähmaschinen, Fahrräder, Motorräder und Kühlschränke.

Volvo feiert den Volvo Amazon Kombi, der vor 50 Jahren auf den Markt kam – in Schweden einer der meistverkauften Kombis seiner Zeit.

Clubs und Interessengemeinschaften (IG): Mehr als 200 Vereine zeigen ihre Schätze: Autos, die auch für einfache Leute erschwinglich waren – und es meist auch heute noch sind.

Mehr über die Highlights der Techno Classica gibt es in der Bildergalerie.