Clubs auf der Techno Classica

Techno Classica 2012: Clubs und Interessengemeinschaften

Die Spaß-Fraktion der Oldie-Messe

Die etwas anderen Oldtimer: Das sind die liebevoll gepflegten und amüsant dekorierten Autos von Clubs und IGs, die sich als Kontrastprogramm der Klassiker-Schau inszenieren.

Die Techno Classica ist ausgerichtet aufs ganz große Geschäft mit Klassikern, Ersatzteilen und Zubehör – aber es gibt eine erfrischende Ausnahme von all dem Kommerz: die Spaß-Fraktion der Clubs und Interessengemeinschaften.

Auf der ehrwürdigen Oldtimer-Messe dürfen sie kostenlos ihre Stände aufbauen. Mehr noch: Sie werden gezielt angeschrieben und um Teilnahme gebeten.

Die Messe-Organisatoren wissen, was sie an den Vereins-Meiern haben: Wie beim Blumenladen im Bankenviertel ist es die wohltuende Abwechslung, die sie mit ihren liebevoll erdachten und gebastelten Themen-Arrangements schaffen.

VW Käfer mit Maschinengewehr

Zum Beispiel die Jungs vom Fusselforum: Die endzeitliche Interpretation eines Maschinengewehrs haben sie einem armen, kleinen Käfer aufs Dach gesetzt, der als solcher allerdings kaum noch zu erkennen ist.

„Das geht um ‚Mad Max‘ – unser Thema auf der Messe“, sagt ein tätowierter Typ mit Brille. Ihm gehört der Käfer. Trotz der martialischen Aufmachung hat das Auto es auf eigenen Rädern nach Essen geschafft – mit Straßenzulassung. „Der sieht nur so schlimm aus; da ist ein ganz normaler 50-PS-Motor drin.“

Ein Passat nebenan macht auf Science-Fiction-Polizeistreife, mit Blinklicht auf dem Dach und improvisiert wirkender Lackierung. „Darum heißt es Fusselforum – wir lackieren grundsätzlich mit der Rolle, und da bleiben halt immer Fusseln im Lack hängen“, erklärt der Käferfreund geduldig.

Fusselforum: die Lust am Verfremden

Die Typen aus dem Fusselforum vereint die Leidenschaft, ein Serienfahrzeug durch möglichst umfangreiche individuelle Eingriffe zu verfremden. Mit Markentreue und Purismus haben sie nichts am Hut: „Oldtimer-Nazis bitte wegklicken“ steht als Begrüßung in dem Web-Forum, das keinerlei Ähnlichkeiten mit einem Verein hat.

Da unten in die großen Hallen, zu den Rassepferden, denen alle halbe Stunde die Hauben nachpoliert werden und deren Verkäufer den Besitzer-Stammbaum bis zur ersten Rate nachweisen können, da wollen sie gar nicht hin. Nichts anderes sagt die witzig-trashige Aufmachung ihres Stands.

Etwas genauer nehmen es nebenan die Kollegen vom Bully-Freundeskreis: Sie haben sich der Erhaltung ihrer VW-Busse verschrieben. Dazu passend stellt ihr lebensgroßes Diorama die schönste Jahreszeit im Lebens eines Bully-Kapitäns dar: Camping am See.

Grabsteine aus Pappe und Erlkönige mit Folie

Gegenüber geht eine Kleiderpuppe auf ihre letzte Reise: VW-Freunde haben einen Scheunenfund stilecht inszeniert. Es handelt sich um einen T1 aus den 1950er-Jahren, den ein Beerdigungsunternehmer einstmals zum Sargtransporter umbaute.

Nach jahrzehntelangem Stillstand hat man ihn gefunden und so, wie er ist, auf der Techno Classica hingestellt. Dekoriert mit Papp-Grabsteinen, von der Decke herabhängenden Gummi-Fledermäusen und einem echten Sarg. In dem liegt sogar jemand – zum Glück nur besagte Schaufensterpuppe.

Auch andere Clubs setzen auf Schaufensterpuppen. Eine haben sie mit Trenchcoat und Schlapphut ausstaffiert, nun mimt sie einen Paparazzo auf der Jagd nach Erlkönigen. Das nächste Opfer steht bereits parat: Ein Fiat 127, den der Club mit viel Pappe und schwarzer Folie grotesk verfremdet hat – als Anspielung auf die mitunter lächerlich anmutenden Versuche der Hersteller, Vorserienfahrzeuge durch Umbauten unkenntlich zu machen.

Die meisten Clubs haben ihre Stände im Obergeschoss der Messe Essen in der Halle 1A. Doch auch auf in den übrigen Hallen lockern sie an vielen Stellen das Ausstellerbild auf.