mobile.de: Peking Motor Show

Reportage Peking Motor Show 2012

Ein SUV kommt selten allein

Die Auto China in Peking bleibt auch 2012 eine Messe der Superlativen. Europäische und asiatische Hersteller buhlen in fünf Hallen lautstark um die Gunst des chinesischen Publikums. Die Heimatmarken setzen auf Crossover und Limousinen. Alternative Antriebe? Kaum zu finden.

23. April 2012

China ist eine andere Welt. Da macht die größte Automesse Asiens keinen Unterschied zum normalen Leben. Der Verkehr auf den Straßen von Peking ist eine alltäglich wiederkehrende Katastrophe. Das gleiche Bild in den Messehallen des New China International Exhibition Centers im wenig ansehnlichen Shun Yi Distrikt.

So wie die Verkehrsteilnehmer in gelbbraunen Taxis, dunklen Limousinen oder größer werdenden Geländewagen gegeneinander kämpfen, Lücken zufahren und Kreuzungen versperren, sieht es auch in den Hallen aus.

 

Auch auf der Messe ist es laut

Rücksicht ist das Ding der Chinesen nicht. Während die Pressekonferenzen auf den großen Autoshows in den USA, Japan oder Europa schiedlich-friedlich nacheinander stattfinden, tönt man zwischen den einzelnen Hallen in Peking gerne gegeneinander.

Als in Halle E1 gerade noch die Neuheiten von Honda und Acura feilgeboten werden, berichtet der China-Chef von Hyundai lautstark von den Markenerfolgen der letzten zehn Jahre und immer neuer koreanischer Verkaufsrekorde.

SUVs geben den Ton an

Die Peking Motorshow 2012 steht im Zeichen von Crossovern und Geländewagen wie kaum eine Veranstaltung vor ihr. Dafür sorgt nicht nur der rot strahlende Messestar Lamborghini Urus, die 600 PS starke Studie eines Sportcrossovers, sondern auch der ähnlich bullige Bentley EXP 9 F ein paar Meter weiter. Oder der Porsche Cayenne GTS – im Gegensatz zu den beiden anderen Modellen schon mehr als ein Gedankenspiel.

BMWs X1, die immer noch frische Mercedes G-Klasse mit bis zu 612 PS, der neue Mazda CX-5, die beiden Studien des Audi Q3, der kleine Ford Ecosport oder der Ausblick auf Peugeots Urban Crossover Concept – SUVs ziehen in Peking alle Aufmerksamkeit auf sich.

China kopiert weiter

Die Chinesen schlagen bei ihrem Heimspiel im gleichen Segment zurück. Schamlos wird Hummers H1 von Dongfeng als Kleinmodell HUV EQ 2050M3D abgekupfert. Oder der jüngst überarbeitete BMW X1 alles andere als zufällig durch den Brilliance V5 gedoppelt. Mehr als frech auch der Hawtai-SUV, der dem Porsche Cayenne zum Verwechseln ähnlich sieht – nur eine Nummer kleiner mit einem 1,8 Liter großen 160-PS-Vierzylinder.

Auch wenn der lokale Markt eigenständiger und die Designer selbstbewusster geworden sind – Plagiate sind im Land der unbegrenzten automobilen Möglichkeiten noch immer ein großer Renner.

Auch Limousinen sind gefragt

Limousinen sind in China wichtiger denn je. Für Kombis oder Coupés kann sich kaum jemand erwärmen. So ist die Zahl der Limousinen-Premieren bei chinesischen Herstellern wie Great Wall, GAC, ZX Auto, Dongfeng, Luxgen oder Geely schier unüberschaubar.

Mit der Langversion des BMW 3ers oder einem Ausblick auf den Mercedes CLA lassen die deutschen Hersteller auch hier ihre Muskeln spielen. Eine Nummer kleiner gibt es Mazda 2 Stufenheck, den neuen Fiat Viaggio oder Toyota Corolla zu bestaunen.

Randthema Umweltfreundlichkeit

Geht es um alternative Antriebe, sparsame Triebwerke und innovative Lösungen, gibt es in Peking selten mehr als Lippenbekenntnisse. Elektroautos sind allenfalls am Rande ein Mini-Thema. Hybridmodule sind gerade so interessant, doch viele einheimische Neuerscheinungen feiern den Einsatz von Direkteinspritzungen oder Turboaufladungen mit wilden Buchstabenkombinationen.

Immerhin zeigt Audi sein A6 e-tron Concept und BMW die sehenswerte Studie des i8 Spyder. So bleiben in Peking zumindest ein paar elektrisierende Träume zurück.

Text: Stefan Grundhoff; press-inform