Die Studien des Auto-Salon Genf 2012

Genfer Salon 2012: Studien

Ode an die Formfreude

Atemberaubend geformte Coupés geben bei den Studien und Concept Cars dieses Jahr den Ton an. Schöne Aussichten sind das.

Die Zukunft wird sportlich. Einen anderen Eindruck lassen die teils hinreißend schönen Studien und Concept Cars auf dem 82. Genfer Salon kaum zu. Wie so oft werden die meisten allerdings nie in der gezeigten Form die Schwelle zur Serienreife überschreiten. Ein Jammer.

Besonders schade wäre es um das Lexus LF-LC Concept Car. Das kirschrote Vollhybrid-Sportcoupé betört mit vollendeter Linienführung und nahezu perfekten Proportionen. Langer Vorderwagen, knackiges Heck, flache Linie, geschwungene Formen. Ein Traum.

Entworfen hat ihn das Calty Design Studio in Kalifornien als Wegweiser zum künftigen Lexus-Design. Der avantgardistische „Diabolo“-Kühlergrill findet sich in Grundzügen bereits bei den neuen Serienversionen von Lexus GS und RX.

Beide debütieren in Genf als vertraute Hybridvariante 450h, was ihnen die glorreiche Effizienzklasse B beschert. Die könnte sich auch der 2+2-Sitzer verdienen, wenn sich Lexus den Luxus leistete, den kleinen Bruder des LFA auf den Weg zu bringen.

Bertone feiert den 100. Geburtstag mit dem Sportwagen „Nuccio“

Definitiv bauen will Bertone seinen Radikalrenner Nuccio. Wie ein Sonnensegel spannt sich das farbig abgesetzte Dach über den hinteren Teil der maximal 1,22 Meter hohen Flunder, die zum 100. Geburtstag der Designschmiede geformt wurde.

Kantig wie ein Lamborghini Aventador, stellt die nach Firmen-Patriarch Giuseppe „Nuccio“ Bertone benannte, zackige Jubiläums-Studie demonstrativ ihre sportlichen Ambitionen zur Schau. Bereits auf der Beijing Auto Show im April 2012 soll die Serienversion des Mittelmotorsportlers (480 PS) stehen. Man darf gespannt sein.

Auch Volkswagens Intentionen, die Freude an Formen zu fördern, wecken durchaus Begehrlichkeiten auf dem Genfer Salon 2012. Die aus Hingabe und Dankbarkeit (und Kalkül) von den Wolfsburgern gerettete Design-Legende Italdesign Giugiaro – Schöpfer des VW Golf I – kreierte für die Frühjahrsschau am Lac Léman den Brivido. Eine Augenweide.

„Nervenkitzel“ oder „Prickeln“ ist die deutsche Übersetzung für Brivido. Den gibt es in Genf gleich doppelt zu bestaunen: als betörend-rote Straßenversion und als weißes „Brivido Race Car“, das mit traditionellem Martini-Streifen-Look herausgeputzt wurde. Breite Flügeltüren im Schmetterlings-Stil führen ins Innere. Dort erwarten Fahrer- und Beifahrer Displays statt Rückspiegel und eine integrierte iPad-Ablage.

Nah an der Serie und bezahlbar, das geht auch

Pininfarina Cambiano, Infiniti Emerg-E, Touring Superleggera Disco Volante, IED Cisitalia 202 E, Hyundai i-oniq – die Liste betörender Sportcoupés ist lang und zeigt vom Hybridkonzept bis zum V8-Motor alle denkbaren Antriebsarten.

Nah an der Serie sind eher bodenständige „Konzepte“ wie Seat Toledo, BMW M135i und Nissan Invitation. Der Stufenheck-Seat punktet mit mehr als 500 Liter Kofferraum-Volumen und wird mehr oder weniger 1:1 so auf die Straße kommen, wie er in Genf gezeigt wird. Für Preise um 13.000 Euro. Ein Schnäppchen.

Für das Geld gibt es vom pfeilschnellen M-Einser-BMW vermutlich nicht einmal das Heck, geschweige denn den Vorderwagen. Mehr als 300 PS wollen die Bayern dem dreitürigen M135i unter die Fronthaube packen. Der Reihensechszylinder mit Twin-Power-Turbo-Technologie treibt BMW-typisch die Hinterachse an. Eine Granate.

Seriennah gibt sich auch der Nissan Invitation. Hinter dem Kompakt-Konzept steckt der neue Note.

Mehr über die Studien auf dem Genfer Salon gibt es in der Bildergalerie.

Text: Ralf Bielefeldt