Vorschau Auto-Salon Genf 2012

Auto-Salon Genf 2012: Vorschau

Die Stars von Genf

Die Frühjahrsmesse am Lac Léman erlebt eine Renaissance der Verbrennungsmotoren. Weniger Verbrauch, mehr Leistung ist das zentrale Thema.

„Driving into the future“ – so lautet das Motto des diesjährigen Auto-Salons in Genf (8.-18. März 2012). Die 82. Ausgabe der internationalen Frühlingsschau lockt mit rund 100 Welt- oder Europa-Premieren. Das Gros davon sind – hört, hört – klassische Verbrenner.

In die Zukunft fahren – das geht offenbar auch mit Benzin und Diesel. Denn trotz des plakativen „Pavillon Vert“ – des „Grünen Salons“ vor den Türen des Hallenkomplexes – ist das Thema E-Mobilität erstmals seit Jahren nicht mehr der erklärte Hype auf einer Automesse, sondern fast schon gelebte Realität.

Smart macht es vor mit dem fortwo electric drive. Die dritte Generation des Strom-Smarts läuft großindustriell vom Band, Seite an Seite mit fortwo mhd und cdi. Statt die Elektro-Einheit wie bislang einzeln von Hand zu montieren, wird der komplette E-Antrieb als Heckmodul eingesetzt. Das erlaubt fünfstellige Produktionszahlen.

Elektroautos werden zunehmend „normal“

Brabus setzt gleich noch einen drauf. Extrovertierte Lackierung in schwarz-grün, extravagantes Zubehör und mehr Leistung (82 statt 75 PS) – auch E-Smarts lassen sich leistungssteigern und herausputzen. Das Smart-E-Bike wurde gleich mit gebrabust. Ende des Jahres sind die emissionsfreien Brabus-Renner zu haben, der "normale" fortwo electric drive startet im Juni 2012.

Lautlose Antriebe stehen auch bei Renault im Vordergrund. 2020 soll jeder zehnte Renault ein Elektroauto sein. Die E-Mobilität ins Rollen bringen wird u.a. der Zoe. Der in Genf gezeigte, 4,09 Meter lange Vorgeschmack („Zoe Preview“) auf den Kompakt-Stromer besteht laut Renault bereits zu 90 Prozent aus späteren Serienteilen. Die E-Maschine leistet 82 PS.

Star-Designer Philippe Starck steuert ebenfalls ein Elektro-Auto bei, Infiniti zeigt den schnittigen Emerg-E mit Range Extender, Protoscar den E-Supersportler Lampo 3. Alles schön, alles richtig, alles gut; wirklich elektrisiert werden die Besucher aber woanders.

Audi setzt auf den A3 – und auf ganz viel PS

Bei Audi, zum Beispiel. Star des Messeauftritts in Genf ist der neue A3. Der schicke Kompakte ist das erste Modell, das auf Volkswagens neuem „Modularen Querbaukasten“ (MQB) aufsetzt (u.a. Golf VII). Die Front des neuen Audi A3 lehnt sich optisch am zwei Klassen höher positionierten Audi A6 an.

Zweites zentrales Thema am Stand mit den vier Ringen: viel Leistung – bei wenig Verbrauch. Neben RS 4 Avant (450 PS), TT RS (360 PS) und den Abt-Modellen AS6 Avant (360 PS) und QS3 (270 PS) trumpft der Nobel-Kleinwagen A1 groß auf – als limitiertes Sondermodell A1 quattro (333 Stück) mit 256 PS. Spitze: 245 km/h. Verbrauch: 8,5 l/100 km.

Weniger Hubraum (4,4 statt 5,0 l), weniger Zylinder (8 statt 10), geringerer Verbrauch (laut Datenblatt 9,9 statt 14,8 l/100 km) – aber mehr Power. Mit dieser Formel tritt der neue BMW M6 an. 560 PS leistet sich der pfeilschnelle Bayer – und einen Auftritt wie Donnerhall, der sogar das bildschöne BMW 6er Gran Coupé leicht verblassen lässt.

Den Atem verschlagen einem auch die Preise für BMW M6 und BMW M6 Cabrio. 123.600 Euro beziehungsweise 131.000 Euro kosten die Basismodelle – jeweils rund 10.000 Euro mehr als die Vorgänger. Dafür gibt es Hightech vom Allerfeinsten. Und garantierte Exklusivität. Ein Porsche 911 kostet deutlich weniger Geld. In Genf steht das neue Cabrio – neben Panamera GTS und den neuen Boxster-Twins (Boxster/Boxster S).

Mercedes lockt mit A-Klasse und AMG-Power

Mehr geht immer, darum hält sich Mercedes-Benz die Power-Schmiede AMG. Dem neuen Roadster hauchen die Leistungs-Spezialisten mittels Performance-Paket bis zu 564 PS ein. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt dann 300 statt 250 km/h. Start ist im Mai 2012.

Dichtes Gedränge wird während des elftägigen Salons sicher auch bei der neuen A-Klasse herrschen. Sparsame Motoren und innovative iPhone-Integration machen aus dem Sandwichboden-Benz einen hippen Trend-„Mercy“. Mit dem betulichen Vorgänger verbindet die neue A-Klasse nur noch der Name.

Spannend wird es bei VW und Peugeot. Dort wird um die Wette geknausert. VW zeigt neben diversen up!-Studien unter anderem den Polo Blue GT. 140 PS, 210 km/h Spitze – aber nur 4,7 Liter auf 100 Kilometer. Der Trick: Im Teillastbereich zwischen 1.250 und 4.000 Umdrehungen pro Minute arbeiten nur zwei der vier Zylinder.

Trend: Zylinder abschalten oder gleich ganz einsparen

Die Zylinderabschaltung – bekannt zum Beispiel vom Audi S8, der bei Bedarf vier seiner acht Zylinder vorübergehend stilllegt – spart 0,4 l/100 km, haben die VW-Techniker errechnet. Energierückgewinnung beim Ausrollen und Start-Stopp-System runden das Spar-Paket ab, das so unter anderem auch im Audi A1, Audi A3 und im neuen Golf VII (ab Herbst 2012) angeboten wird.

Peugeot bleibt beim Kolben-Dauerbetrieb, dafür reichen dem neuen Peugeot 208 aber drei Zylinder. Die neue Motorenfamilie im leicht geschrumpften Kleinwagen-Bestseller braucht 25 Prozent weniger Kraftstoff als die Vierzylinder-Vorläufer. Los geht es mit 68 PS und bescheidenen 99 g/km CO2. Die Leistungsspitze im 208 markiert der 200 PS starke GTi, der sich in Genf noch als „Concept“ tarnt.

Hybridantriebe in allen Preis- und Leistungsklassen

Hybride sind ein ganz großes Thema auf dem 82. Salon, nicht nur bei den Franzosen mit ihren allradgetriebenen Full-Hybrid-Dieseln (HYbrid4) Peugeot 508 RXH und Citroën DS5. Hybrid-Fahren für unter 17.000 Euro – das geht ab Mitte Juni 2012 mit dem Toyota Yaris. Das bislang kleinste Serienauto mit Verbrennungs- und Elektromotor begnügt sich laut Datenblatt mit einem CO2-Ausstoß von 79 g/km – bei einer Systemleistung von 100 PS.

BMW präsentiert seine 340 PS starken Power-Hybriden ActiveHybrid 3 und ActiveHybrid 5, Lexus die neuen Versionen von GS 450h und RX 450h. Volvo hat für die Fans moderner Mobilität den Volvo C60 Diesel-Plug-In-Hybrid im Gepäck. Der smarte Schwede lädt beim Fahren und an der Steckdose. Und soll sich mit zwei Litern Sprit begnügen. So kann man wirklich in die Zukunft fahren.

Der „82. Auto-Salon und Zubehör“ in Genf hat Montag bis Freitag von 10:00 bis 20:00 Uhr geöffnet, am Samstag und Sonntag von 09:00 bis 19:00 Uhr. Die Eintrittspreise betragen CHF 16,- für Erwachsene (umgerechnet 13 Euro), Kinder von 6 bis 16 Jahren zahlen CHF 9,- (umgerechnet 7,30 Euro), Gruppen ab 20 Personen CHF 11,- p.P. (umgerechnet 8,90 Euro).

Infos zur Anreise und eine spezielle Salon-App gibt es unter www.salon-auto.ch/de

Text: Ralf Bielefeldt