Grüner Pavillon des Auto-Salon Genf 2012

Genfer Salon 2012: Grüner Pavillon

War es das schon?

Die Genfer Messe spendiert den Elektromobilen einen eigenen Pavillon samt Teststrecke. Beförderung oder Verbannung, das ist hier die Frage.

Volkswagen hat 2013 zum „Jahr der Elektromobilität“ ausgerufen. Das bedeutet: 2012 spielen emissionsfreie Autos für Europas größten Autobauer keine Rolle. Anderen Herstellern scheint das ganz recht zu sein. Sie ziehen nach. E-Wettrüsten vertagt.

Die Tüftler und Frickler, die seit jeher mit skurrilen E-Gefährten das Thema pushen, könnten in Genf so gesehen groß aufspielen – wenn sie denn etwas Elektroweltbewegendes im Köcher hätten. Haben sie aber nicht.

Oder doch? Das Thema Elektromobilität, mithin moderne, fossile Brennstoffe vermeidende Mobilität, ist aus der Öko-Nische längst raus. Statt skurriler Studien gibt es alltagstaugliche, ja inzwischen sogar bezahlbare Lösungen.

Beispiel Renault: Den Franzosen dürfte Volkswagens E-Aufschub ganz recht sein. Renault hat nämlich 2012 zu seinem E-Jahr erkoren. Im April soll der skurrile Renault Twizy zu haben sein, Ende 2012 der kompakte Zoe. Renault Fluence und Kangoo Z.E stehen ebenfalls in den Startlöchern.

 

Renault und Smart starten 2012 mit starken E-Modellen durch

Der 2,30 Meter kurze Twizy kann auf der Teststrecke hinter dem weißen „Pavillon Vert“ Probe gefahren werden; der Andrang ist groß. Die Preise des 1+1-Sitzer starten bei 6.990 Euro – plus 45 Euro im Monat für die Batterie. Den Clio-großen Zoe gibt es in Deutschland ab 20.600 Euro. Hinzu kommt die übliche Monatsrate für die Batterie, in diesem Fall sind es 79 Euro.

Beispiel Smart: Im Juni 2012 startet Generation drei des neuen fortwo electric drive. Preislich bewegt sich der Strom-Smart knapp unterhalb des Renault Zoe. Mit 75 PS und 130 Nm ist der „electric drive“ eine emissionsfreie Granate. Volle Leistung ab null Umdrehungen, das macht einfach Spaß.

Die E-Mobilität kommt damit einen entscheidenden Schritt voran: Über das Mietprojekt car2go wird der E-Smart wie selbstverständlich in den Alltag einziehen. Eh man sich versieht, ist elektrisches Fahren völlig normal – so die Theorie, an der es im Fall des Elektro-Smart wenig Zweifel gibt. Noch mehr Power bietet er als e-Brabus mit 82 PS. Spaß verspricht auch das gebrabuste e-Bike.

Zwei Räder bleiben für die Autohersteller eine E-Option

E-Bikes und Pedelecs stehen auf dem 82. Genfer Salon hoch im Kurs. Opel beispielsweise stellt ein Modell vor, das beim Transport auf dem Auto-Fahrradträger gleich wieder geladen wird. Im „Grünen Pavillon“ zeigt die österreichische Firma EH Line feinstes E-Bike-Design mit unterschiedlich starken Elektromotoren.

Der E-Antrieb sitzt je nach Modell am Hinterrad oder am Tretlager. Das Vollcarbon-Topmodell EF 100CR 45 kostet stolze 8.990 Euro. Alternativ zum „Streetracer“ gibt es noch „Streetcruiser“ (rund 7.000 Euro) sowie klassische Damen-, Herren- und Falt-E-Räder (ab 1.199 Euro). Aber die reißen auf einer Automobilmesse natürlich keinen vom Hocker.

Exagon Motors – diesen Namen sollte man sich merken. Der französische Hersteller aus Magny-Cours präsentiert im relativ dicht besetzten “Pavillion Vert“ den Furtive-eGT. Der 2+2-Sitzer fährt elektrisch bis zu 297 km weit, mit optionalem Range-Extender sollen es sogar 800 km sein.

Exagon und Volteis brillieren in der Nische

Zwei Siemens-Motoren mit jeweils 125 kW sollen den 1.650 kg schweren E-Sportler auf bis zu 287 km/h treiben. Knapp ein Viertel des Gewichts geht zu Lasten der Lithium-Ionen-Batterie (50 kWh). Anders als bei Elektroautos üblich, verfügt der Furtive-eGT über eine Dreigang-Schaltung. Auf dem Pariser Salon 2012 soll das Serienmodell stehen.

Bereits serienreif ist der Volteis+, den Star-Designer Philippe Starck für das französische Unternehmen entworfen hat. „Drei Stück sind bereits verkauft“, versichert Volteis-Verkaufschef Jean-Noël Peysson. Zum Preis von jeweils 25.000 Euro plus Steuern. Der Gegenwert ist an Simplizität nicht zu überbieten. Flechtgestühl erinnert an selige Stunden im Garten, der gesamte Innenraum besteht aus rostfreiem Edelstahl.

Drei Knöpfe neben dem Handbremshebel sind die komplette Bedieneinheit: Warnblinker, Hupe, Scheibenwischer. Geschaltet wird mit einem klitzekleinen, dürren Hebelchen neben der überdimensionalen Handbremse: Vorwärts, Neutral, Rückwärts – das war es. Ab Juni 2012 wird ausgeliefert. Vorerst ohne eigene Ladestation.

In der Schweiz gehört eine individuelle Ladeeinheit mittlerweile zur Serienausstattung bei E-Autos und Plug-in-Hybriden. Mehr dazu in der Bildergalerie.

Text: Ralf Bielefeldt