mobile.de: Youngtimer-Boom

Youngtimer: Preisentwicklung

Mythos Wertzuwachs

Das ist doch fein bei Youngtimern: Man kauft sich ein Auto, und im Gegensatz zu Neuwagen wird es nicht weniger, sondern mehr wert. Kann man umsonst Auto fahren?

Es klingt verlockend: Während der Nachbar bei seinem neuen Citroen praktisch zusehen kann, wie der Wert des Wagens jeden Monat geringer wird, ist man selbst mit dem eigenen Citroen 2CV, also der „Ente“, fein raus. Im Deutschen Oldtimer Index (DOX) liegt der französische Kleinwagen derzeit auf Platz 1 mit einem Wertzuwachs von 100% in den vergangenen Jahren.

Der DOX des Verbandes der Deutschen Automobilindustrie beobachtet seit 1999 die Preise von 88 Klassikern. Lag der DOX 1999 bei 1.000 Punkten, steht er aktuell bei 1.941 Punkten. Wer sich also 1999 einen dieser Wagen kaufte, hat sein eingesetztes Kapital durchschnittlich fast verdoppelt.

Das Geld liegt nicht auf der Straße

Wer nun meint, mit dem verbrauchten Kleinwagen vom Fähnchenhändler das dicke Geld zu machen, liegt jedoch meist falsch. Denn diese Durchschnittswerte sagen nur selten etwas über den jeweiligen Einzelfall aus. Bleiben wir bei der Ente. Tatsächlich konnte man diese vor ein paar Jahren noch für ein paar Tausend Euro bekommen, während heute für gepflegte Exemplare nicht selten 10.000 Euro verlangt werden.

Doch damit ist der Franzose eine Ausnahme. Im Wert gestiegen sind in den vergangenen Jahren vor allem deutsche Klassiker. Italienische Autos und auch die meisten Franzosen erlebten eher gleichbleibende Preise.

Viel Geld vernichtet

Und noch etwas sollte man wissen: Spekulationen auf steigende Preise können gefährlich schief gehen. Eine Preisblase bei Oldtimern gab es schon einmal. Im Jahr 1988 entdeckten professionelle Anleger plötzlich den Oldtimermarkt. Gleichzeitig starb mit Enzo Ferrari eine Legende der italienischen Autoindustrie. In der Folge explodierten die Preise für neue und gebrauchte Ferraris. Brandneue Ferrari Testarossa kosteten auf dem Privatmarkt plötzlich mit 650.000 Mark ein Vielfaches ihres Neupreises. Der vermeintliche Goldregen hielt jedoch nicht lange an. Schon kurz darauf brachen die Preise ein – und einen Ferrari Testarossa gibt es heute für 50.000 Euro.

Natürlich macht es Spaß, wenn der eigene Wagen im Wert steigt. Doch kühle Rechner kommen schnell darauf, dass Ausgaben für Steuer, Versicherung und die Garagenmiete eventuelle Wertsteigerungen schnell auffressen. Unter dem Strich ist und bleibt Autofahren teuer.

Selbständige können Steuern sparen

Die Hoffnung auf die Wertsteigerung des Klassikers bringt für Privatmenschen finanziell kaum etwas. Anders sieht der Kauf eines Youngtimers für Selbständige aus. Jeder Youngtimer lässt sich auch als Firmenwagen einsetzen und kann sogar geleast werden. Das hat einen entscheidenden Vorteil: Jeder Nutzer eines Dienstwagens muss 1% des Neuwerts als Einkommen versteuern.

Der Mercedes 350 SL des Baujahres 1971 kostete damals 31.413 Mark, also rund 16.000 Euro. Das aktuelle Modell des Mercedes 350 SL kostet jedoch 78.600 Euro. Muss der Klassiker-Fahrer im Monat nur 160 Euro zusätzliches Einkommen versteuern, werden für den aktuellen SL 786 Euro fällig. Dies ist eine Ersparnis, die den Einsatz eines Youngtimers wirtschaftlich sinnvoll machen kann.

Text: SH | Bildmaterial: Wikipedia / Bergfalke2