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Youngtimer: Lexikon

Das Wichtigste, kurz erklärt

Youngtimer kauft man meistens nicht irgendwie, sondern man will ein spezielles Modell – doch wer nicht ganz festgelegt ist, kann gutes Geld sparen. Ein kurzer Überblick.

Okay, wenn es unbedingt der eisblaue 5er-BMW in Buchhalterausstattung sein soll, wie ihn Onkel Franz immer gefahren hatte, dann ist es um einen geschehen. Liebe macht blind, das gilt auch bei Autos. Für alle anderen gilt: Erst bilden, dann kaufen. Und darauf sollte man achten:

Infos finden

Alle, die bei der Modellauswahl nicht festgelegt sind, haben es einfach, an Informationen über ihr Modell zu bekommen. Für die meisten Modelle gibt es reichlich Material, das über mögliche Mängel, häufige Macken und weitere Vor- und Nachteile des erwählten Modells informiert.

Keine Youngtimer

Nur weil ein Auto 20 Jahre oder älter ist, handelt es sich dabei noch lange nicht um einen Youngtimer. So fallen beispielsweise alle Supersportwagen wie der Lamborghini Countach aus dem Raster – diese sind eben Supersportwagen.

Auch bei Kleinwagen manchen gilt es nicht als sicher, dass sie Youngtimer sind. Ein Fiat Panda der ersten Generation ist für die meisten wahrscheinlich einfach zu uncool.

Kult muss er sein

Was früher keiner fahren wollte, einen Ford Granada beispielsweise, ist heute voll angesagt. Das Autoimage kann oft gar nicht spießig genug sein. Das gilt auch für Sportmodelle wie Ford Capri und mit Abschlägen auch für den Golf GTI der ersten Generation. Nur der Opel Manta ist immer noch nicht richtig in der Szene angekommen. Die Manta-Witze wirken wohl nach.

Ersatzteile

Schwierig. Gerade Volumenhersteller wie Ford oder Opel vernachlässigen dieses Geschäft sträflich. Auch für einen Audi 100 werden die Teile knapp. Diese Autos waren von ihren Herstellern nie für die Klassiker-Rolle vorgesehen. Insofern mag das verständlich erscheinen, wenn es auch einen tiefen Einblick in das Selbstverständnis der Hersteller zeigt.

Dass es besser geht, zeigen beispielsweise BMW und vor allem Mercedes: Bei ihnen gibt es auch nach 30 Jahren noch Vieles beim Händler.

Japaner

Das Thema „Japanische Youngtimer“ ist nicht neu, aber in der Szene noch nicht endgültig angekommen. Dabei sind japanische Autos der 70er und 80er-Jahre eigentlich ideal: Plüschige Innenausstattungen, teils verquollene Designs – mehr geht eigentlich nicht.

Doch die meisten Japaner hat der Rost dahingerafft, der Rest leidet unter chronischem Ersatzteilmangel. Nur wenige Spezialisten kümmern sich in Europa um die einstigen Millionenseller.

Wertzuwachs

Autos der 70er-Jahre unterliegen einer sehr unterschiedlichen Preisentwicklung. Während manche Modelle in den vergangenen Jahren einen explosionsartigen Zuwachs erfahren haben – beispielsweise die Ente von Citroen mit über 100% - dümpeln andere wie der VW Passat ohne Perspektive vor sich hin.

Für Youngtimer gelten ähnliche Regeln wie für alle anderen Autos: Sind sie selten, beliebt und stammen von großen Marken, so kann sich etwas tun. Doch das ist nur eine Faustregel. Es gibt genügend Gegenbeispiele: So sind Lancias fast immer günstig, und Japaner oder Franzosen haben es mit wenigen Ausnahmen schwer.

Preise

Auch wenn 10.000 Euro für ein Ford Granada Coupé mit dem markanten Hüftschwung viel Geld sind – das Preisniveau von Youngtimern ist eher niedrig. Viele Autos, wie beispielsweise ein zeitlich passender und 250.000 Euro teurer Lancia Stratos, werden einfach nicht als Youngtimer bezeichnet.

Mehr anlegen muss man nur für solche Fahrzeuge, bei denen beim Übergang zum Klassiker hohe Preise erwartet werden. Beispielsweise für Mercedes Coupés der Baureihe 126, die original vom Haustuner AMG verfeinert wurden.

Originalität

Die schnell mal mattschwarz gerollte S-Klasse von Mercedes stirbt langsam aus. Auch bei Youngtimer-Fans gilt Originalität inzwischen etwas. Allerdings wird hier nichts übertrieben. Beulen oder Rostlöcher zeugen von einem bewegten Leben, zum Ausschluss führen sie nicht.

Tuning?

In die Zeit der Youngtimer fällt auch die Epoche des gnadenlosen Tunings. Kein VW Golf vor der Disco kam ohne Spoiler und breite Leichtmetallfelgen aus. Diese Autos – sofern original – werden heute in der Szene voll akzeptiert.

Echte Oettinger-Golfs beispielsweise werden hoch bezahlt, genauso Alpina-BMW.

„H-Sparer“

Mit diesem abwertenden Begriff bezeichnet man Menschen, die sich absichtlich beispielsweise einen VW Golf II zum Sparen kaufen. Diese und ähnliche Fahrzeuge dürfen das H-Kennzeichen für historische Fahrzeuge tragen, kommen in den Genuss steuerlicher Vorteile und zahlen weniger bei der Versicherung.

An klassischen Autos sind die H-Sparer jedoch nicht interessiert.

Text: SH | Bildmaterial: Wikipedia / RobertG