mobile.de: Youngtimer-Boom

Youngtimer: Beispiele

Die Tücken der jungen Klassiker

Am Beispiel dreier ungewöhnlicher Autos zeigen wir, worauf man bei der Youngtimer-Auswahl achten sollte. Abseits der persönlichen Vorlieben gibt es auch ganz handfeste Gründe für Audis Ur-quattro, Ford Capri I oder Jaguar XJ6.

So etwa 1.000 bis 10.000 Euro reichen, und schon hat man eine stilvolle britische Limousine oder einen der beliebtesten Discoparkplatz-Sportwagen der 80er-Jahre vor der Tür stehen. Diese Preisspanne ist sehr groß? Das mag sein, verdeutlicht aber die Realität bei Jaguar XJ6 und Ford Capri I. Das liegt natürlich an den jeweiligen Zuständen der Kandidaten, die alles vom abgerockten Ersatzteillager bis zum gepflegten Wagen aus erster Hand sein können.

Die Frage ist nun, welches der bessere Kauf ist. Klar gesehen: Der bessere Wagen ist immer der auf Dauer günstigere. Das gilt bei Jaguar und Ford aus ganz unterschiedlichen Gründen, die hier exemplarisch für die Auswahl des passenden Klassikers stehen sollen.

Der Capri und die Ersatzteile

Beispiel Ford Capri: Die Kölner Firma kümmert sich vergleichsweise schlecht um ihre Youngtimer-Kunden. Durch das Baukastensystem und die zuverlässige Technik sind Teile zwar gut zu finden. Vielleicht nicht mehr auf den Schrottplätzen der Republik, aber beim Ford-Spezialisten auf jeden Fall. Doch abseits der Technik wird es eng.

Originale Sitzbezüge, Leichtmetallfelgen oder Blechteile: Jede Reparatur kann teuer und zeitaufwendig werden. Dazu sind die vorderen Kotflügel des Capri verschweißt und nicht verschraubt. Ein fälliger Wechsel wird so konstruktionsbedingt sehr teuer.

Der Jaguar und die Elektrik

Beispiel Jaguar XJ6: Der britische Gentleman-Express überzeugt durch Stil und Komfort. Und durch eine sehr gute und erstaunlich günstige Ersatzteilversorgung. Der XJ ist allerdings schon ein Grenzfall: Zahlreiche elektrische und elektronische Komponenten sind unter dem Blech der klassischen Briten-Limousine eingebaut – und im Ernstfall sehr teuer zu reparieren.

Im Gegensatz zum Vorgänger besteht die von 1986 bis 1994 gebaute XJ-Reihe aber aus 25% weniger Teilen in der Karosseriestruktur. Schon deswegen ist er seinem Vorgänger eventuell vorzuziehen.

Die Preise des Audi quattro

Beispiel Audi quattro: Nicht erwähnt haben wir bislang DEN Technologieträger der 80er-Jahre, den Audi Ur-quattro. Preissteigernd bei jedem Auto sind immer Sätze, die besondere Fähigkeiten des Autos beschreiben. Beispielsweise: „Der Audi quattro war der erste, der…“. Und von diesen Attributen kann der Audi eine ganze Menge vorweisen. Der erste Allradler von Audi, das erste elektronische Kombiinstrument, mehrfacher Rally-Gewinner… all das lässt den Preis des Audi in die Höhe schnellen. Die

schlechte Nachricht: Die billigen Zeiten sind schon vorbei. Früher als die deutschen Erbauer des Wagens waren es die Engländer, die den speziellen Wert des Ur-quattros erkannten. So zogen viele Fans den Technologieträger aus deutschen Garagen und exportierten ihn auf die Insel, wo sich mittlerweile eine große Szene etabliert hat.

Die Zeit zum Kauf

Der Audi passt eigentlich ganz gut in diese Dreiergruppe, denn auch seine Teile sind nicht übermäßig teuer. Dazu kommt eine feste Fangemeinde, die in der Not mit Rat und Tat beiseite steht. Und doch: Im Zweifel liegt der Audi im vergleichbarem Zustand zu Capri und XJ6 beim zwei- bis dreifachen des Kaufpreises.

Er ist ein gutes Beispiel dafür, dass der Kauf zum richtigen Zeitpunkt zwar die Autokosten nicht auf null senken wird, aber zumindest die Schmerzen lindern kann.

Text: SH | Bildmaterial: Wikipedia / Norbert Aepli