Youngtimer-Kaufberatung: VW Käfer

Die zweite Karriere eines Bestsellers

Das Auto 2.0

Der Käfer macht wieder Karriere: Das häufigste Auto mit H-Kennzeichen ist der ehemalige Bestseller aus Wolfsburg bzw. Mexiko. In der Tat spricht vieles dafür, sich als Klassiker einen Käfer anzuschaffen. Was ist zu beachten?

 
 
  • Der Käfer ist das häufigste Youngtimer-Modell mit H-Kennzeichen.
  • Die Technik ist robust, alle Teile sind für relativ wenig Geld vorrätig.
  • Die Fahrleistung (ohne Tuning) genügt für entspannte Ausflüge.

Günstiger Preis für Käfer-Klassiker

Der Käfer ist als Youngtimer heute das, was er vor 50 Jahren als Neu- bzw. Gebrauchtwagen war: klassenlos und bodenständig. So erklärt es sich, dass er aktuell (wie bereits in den Jahren zuvor) das meistverbreitete Automodell mit H-Kennzeichen ist. 32.750 Stück waren Ende 2015 bei uns so zugelassen.

Was noch für den kugelförmigen Viersitzer mit dem luftgekühlten Boxermotor im Heck als Klassiker für Einsteiger spricht: Er läuft, er säuft nicht allzuviel, er muss nicht übermäßig gepflegt werden. Hinzu kommt der bisher günstige Kaufpreis: Schon für weniger als 10.000 Euro gibt es VW Käfer in gutem Zustand zu kaufen.

Zum Beispiel diesen hier: Ein => VW 1200 aus dem Baujahr 1985 mit 34 PS für 9.950 Euro. Ein Mexiko-Käfer also, gefertigt im Werk Puebla, in einem leicht verblichenen „Marsrot“, angeblich aus erster Hand.

Technik im Wesentlichen unverändert

Der kleine Rote macht bereits einen guten Eindruck, so wie er dasteht: in beinahe makellosem Blechkleid, ohne hässliche Beulen oder Roststellen. Der – natürlich fünfstellige – Tacho zeigt nur 50.417 Kilometer an. Aus dem Stand knattert der Boxermotor los.

„Der läuft und läuft und läuft”, wiederholt Händler Hans-Joachim Schulz den alten VW-Werbespruch, als handle es sich dabei um ein Naturgesetz. Doch ist der Käfer wirklich so robust, wie es die Legende sagt? Wir möchten es genau wissen und stellen den Wagen auf die Hebebühne. Langsam schwebt der Millionenseller nach oben und zeigt schließlich seine Kehrseite: Die typische Bodenplatte mit Getriebe und Motor dahinter, auf der die Karosserie noch ganz altertümlich festgeschraubt ist.

Da hängt es in der Luft, dieses Wahrzeichen für den wirtschaftlichen Aufschwung Westdeutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg: In den 1960er- und 1970er-Jahren war der Käfer praktisch das Auto. In viele Länder wurde er mit großem Erfolg exportiert, in Mittel- und Südamerika weiter gebaut bis 2003. Mit über 21,5 Millionen Exemplaren war der Käfer das meistverkaufte Auto der Welt, das bis zuletzt im Wesentlichen dem Vorkriegsmodell entsprach: kugelige Karosse, Heckantrieb, Boxermotor, Luftkühlung, Drehstabfederung.

Nachteile der Käfer-Konstruktion

Und das bedeutet auch: So gut wie alle Macken, die unser 1985er-Käfer hat, hatte schon der 1949er – und auch die letzten Baujahre kranken noch daran. Vor allem die schlechte Straßenlage ist berüchtigt: Heckantrieb und -motor sowie die Pendelachse führen dazu, dass der Käfer in Kurven schnell übersteuert. Sportliches Fahren kann also leicht lebensgefährlich werden.

Und der Motor ist trotz aller anderslautenden Werbesprüche auch nicht unsterblich, insbesondere nicht uneingeschränkt vollgasfest. Insbesondere vor 1971 gebaute Boxer sind konstruktionsbedingt davon betroffen. Und: Es läuft und läuft und läuft – nämlich das Öl. Der Boxermotor fängt schnell an zu lecken. Dieser hier sieht zwar trocken aus; doch erst nach einer Probefahrt kann man sicher sein, dass er wirklich dicht hält – und nicht etwa nur zuvor gründlich gesäubert wurde...

Problematisch ist auch die Heizung, die mangels Wasserkühlung über ein seltsames System von Wärmetauschern („Heizbirnen“) funktioniert und sich nur eingeschränkt regulieren lässt. Bei feuchter Witterung beschlagen daher schnell die Scheiben. Auch Servolenkung, Bremskraftverstärker und alle Segnungen der Sicherheitstechnik wie ABS, ESP etc. kamen für den Käfer zu spät.

Für Schönwetter-Ausflug genügend

Aber wer braucht das schon, wenn es nur um einen geruhsamen Schönwetter-Ausflug geht? Auch die Rostanfälligkeit des Käfers, die ihn übrigens kaum von zeitgenössischen Konstruktionen unterscheidet, sollte da nicht abschrecken. Unser 1985er-Käfer auf der Bühne zeigt ein wenig Kanten- und Oberflächenrost, doch davon wirkt nichts beunruhigend. Und selbst wenn: Blechteile sind billig, Reparaturen verursachen zumeist wenig Aufwand.

Denn die genannten Nachteile bedeuten auch Vorteile: Die simple Technik kann fast jeder selbst warten und Instand setzen. Und wer das nicht kann oder mag: Es gibt entsprechend viele Werkstätten, die sich mit dem Baumuster auskennen. Und der Minimalismus hat einen weiteren Vorzug: „Was nicht verbaut ist, kann nicht kaputtgehen”, sagt Oldtimer-Händler Schulz, der selbst gelernter Kfz-Schlosser ist.

Den VW 1200 auf der Hebebühne haben wir inzwischen ausgiebig inspiziert. Die Bodengruppe weist erfreulicherweise keine Beulen oder Schrammen auf, dafür aber zentimeterdick mit Unterbodenschutz zugeschmiert. Sollen hier Roststellen kaschiert werden? Die Erfahrung sagt: Wo etwas verdeckt wird, gibt es fast immer etwas zu verdecken. Wer diesen Wagen ernsthaft erwerben will, sollte an mehreren Stellen des Unterbodens Stichproben entnehmen – buchstäblich durch das Stechen mit einem stabilen Schraubendreher.

Cabrios haben bereits Sammlerpreise

Besonderes Augenmerk sollten Käufer auf die Schweller (also die Verbindungsstränge zwischen vorderem und hinterem Radlauf richten, auf die Reserveradmulde (beim Käfer natürlich vorn), die Bodenbleche (unter Teppichen und Matten), den Rahmenkopf (hinter der Vorderachse) und die Radhäuser. Auch an den Scheibenrahmen sämtlicher Fensterscheiben (bei Verdacht Gummis vorsichtig anheben) und Lampenfassungen fängt es frühzeitig an zu rosten.

Käfer ist übrigens nicht gleich Käfer: Aufgrund der langen Produktionszeit ist das Angebot groß, aber unübersichtlich. Frühe Brezel-Käfer aus den 50ern, so genannt wegen des damaligen Mittelstegs im ovalen Heckfenster, sind selten und teuer und wohl eher etwas für Sammler und Museen. Auch Cabrios sind sehr gefragt und dementsprechend teuer, Preise von 20.000 Euro und mehr sind keine Seltenheit. Hier muss zusätzlich das Verdeck auf Schäden überprüft werden, Ersatz ist sehr teuer.

Günstiger und alltagstauglich sind die geschlossenen Käfer der 1960er und 1970er Jahre, von denen auch die höchsten Stückzahlen am Markt gibt. Und dann gibt es noch die sogenannten Mexiko-Käfer: In Deutschland wurde die Produktion des Ur-Volkswagens im Januar 1978 eingestellt. Doch in Übersee sollte der Krabbler noch bis 2003 vom Band laufen.

Warnung vor reimportierten Käfern

„Ich persönlich würde immer eher zu einem Käfer aus der Zeit vor 1978 raten, da die in Deutschland gefertigten Fahrzeuge in der Regel etwas besser verarbeitet waren“, sagt Björn Schewe vom 1. Käfer Club Wolfsburg. Allerdings gab es auch die Modelle um 1975, die aufgrund schlechter Blechqualiät schon frühzeitig Rostprobleme hatten.

„Abraten würde ich von den reimportierten Käfern, die einst über Super- und Baumärkte vertrieben wurden“, ergänzt der Käferfreund. Um Geld zu sparen, verzichteten die Importeure vor der Verschiffung der Fahrzeuge auf eine Hohlraumkonservierung. „Wegen des monatelangen Aufenthalts auf beziehungsweise an der See rächt sich das heute.“

Ob deutsche oder externe Fertigung: „Fast jedes Bauteil ist in mehr oder weniger guter Qualität erhältlich oder lässt sich gebraucht auf Teilemärkten finden“, sagt Jörn Schwieger von Volkswagen Classic Parts in Wolfsburg. Dem Käfer komme dabei zugute, dass er schon als Liebhaberfahrzeug wahrgenommen wurde, als er noch in Südamerika gebaut wurde und in Deutschland zu Hunderttausenden unterwegs war. „So konnte sich um den Käfer eine rege Szene entwickeln, die schon seit Jahrzehnten bestens vernetzt ist“, erklärt Schwieger.

Austauschmotor für wenige hundert Euro

Die Preise variieren je nach Baureihe und Ausführung: Für einen Brezel-Käfer der Nachkriegszeit in gutem Zustand müssen Käufer bereits tief in die Tasche greifen, 40.000 Euro ist so ein Fahrzeug nach Ermittlung des Marktbeobachters Classic Data heute bereits wert und damit kein Einsteiger-Klassiker mehr.

Der „Ovali“ genannte Nachfolger, noch mit dicken Blechen und schwächlicher Maschine (25 bis 30 PS), wird dagegen noch relativ preisgünstig, nämlich auf 18.000 Euro (Zustand 2) taxiert. Der 1200er-Käfer mit 34 PS und bereits rechteckigem Heckfenster der Baujahre 1969-1973 soll in gutem Zustand etwa 8.100 Euro kosten, ein Mexiko-Käfer (gebaut 1978-85) liegt aktuell bei mindestens 6.400 Euro. Cabrios kosten erheblich mehr, insbesondere solche vor der Modellpflege 1970.

Auch Teile kosten nicht sehr viel Geld: Einen gebrauchten 1200er-Käfermotor gibt es bereits für wenige hundert Euro, der Austausch dauert (je nach Erfahrung) weniger als zwei Stunden. Weitere Preisbeispiele: Kotflügel: 20 Euro – Kupplung: 100 Euro (je nach Typ) – Satz Reifen: 200 Euro – Windschutzscheibe: 50 Euro

Weitere Details sowie Tipps zu Stärken und Schwächen des bisher meistgebauten Autos der Welt, dem VW Käfer, finden Sie in der Bildergalerie.

Käfer-Suche bei mobile.de

Der Käfer ist zwar auf unseren Straßen selten geworden, doch auf dem Markt noch ziemlich präsent: Fast 1.000 Käfer sind aktuell bei mobile.de eingestellt, vom sündhaft teuren Brezel-Käfer der Stunde Null bis zum Spekulationsobjekt „Ultima Edición“ aus Mexiko, der in einer Auflage von 3.000 Stück das Werk Puebla im Jahr 2003 verließ. Für jeden Geschmack ist etwas dabei.

Etwa die Hälfte der angebotenen Fahrzeuge ist Baujahr 1974 und jünger, stammt also aus mexikanischer Fertigung. Ein Drittel der angebotenen Käfer sind Cabriolets.

Um nicht gleich nach dem Kauf mit dem Basteln beginnen zu müssen, empfiehlt sich in der Such-Maske von mobile.de ein Häkchen bei der Option „fahrtauglich“ – dann sinkt die Auswahl um etwa 50%:

VW Typ 1 bei mobile.de

Text: Haiko Prengel
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Tests & Vergleiche bei mobile.de