Alternative zum Mercedes C123

Ein Coupé-Klassiker der 1980er-Jahre

Der Über-Manta

Opel in den Achtzigern? Vielen fällt da bloß „Kadett“ oder „Manta“ ein. Aber die Rüsselsheimer bauten auch ein sportliches Mittelklasse-Coupé mit Sechszylinder: den Monza. Gut gepflegte Exemplare können eine interessante Alternative zu klassischen Mercedes oder BMW sein.

 
 
8. Dezember 2015

Ein Opel muss keine Wunder vollbringen. Aber funktionieren sollte er; auch bei Regen. Andreas Eickhoff ist also mit einigem Recht vergrätzt, dass sein Opel schon bei der allerersten Ausfahrt liegen blieb.

Auf der Überführung vom Ruhrgebiet in die Hauptstadt regnete es in Strömen, Wasser drang ins Fahrzeuginnere seines frisch gekauften Monza ein. Prompt soff das elektronische Steuergerät des Reihensechszylinders ab. Und nichts ging mehr. Früher hieß es mal: Opel, der Zuverlässige...

„Vielleicht war das ja doch kein so guter Kauf“, meint Eickhoff nachdenklich und runzelt die Stirn. Zum Glück bastelt der 37-Jährige grundsätzlich gerne an alten Autos. Das ist für den Kauf eines Monza vielleicht nicht unbedingt die Bedingung, aber nützlich scheint es schon zu sein.

Winterzeit ist Bastelzeit

Und in den Wintermonaten wird genug Zeit sein, die kleinen und größeren Macken an seinem Opel zu beheben. „Mir macht Schrauben Spaß“, sagt Eickhoff, der auch noch einen Opel Kadett D und einen Chevrolet Cruze als Alltagsauto besitzt.

Schrauben (und Schweißen) wird auch bitter nötig sein, wenn der Monza wieder in etwa in den Zustand versetzt werden soll, in dem er vor 30 Jahren einmal war.

Denn auf seiner Jungfernfahrt musste Andreas Eickhoff auch feststellen, dass die Lüftung seines Neuerwerbs nur schwächlich und der Tacho gar nicht funktioniert. Hinzu kommen diverse Roststellen an Radläufen, Längsträgern und den neuralgischen Federbeindomen. Es gibt also viel zu tun!

Krone des Opel-Programms

Opel Monza - vielen Oldtimer-Fans läuft bei diesen Worten das Wasser im Mund zusammen. Der Dreitürer mit der großen Heckklappe ist das letzte große Coupé, das Opel baute: von 1978 bis 1986 entstanden knapp 50.000 Fahrzeuge, die meisten wurden in Deutschland verkauft.

Monza und Senator, die weitgehend baugleiche Limousine, waren damals die beiden Flagschiffe des Rüsselsheimer Autoherstellers. Das deutlich bekanntere Opel-Coupé dieser Ära war natürlich der Manta. Doch der ist deutlich kleiner.

Der Monza misst sich eher an seinen Vorgängern: An den populären Commodore-Coupés (A und B) und am Diplomat, von dem es ebenfalls eine sportliche Version gab. Mit einem 5,4-Liter V8 war das Diplomat Coupé Mitte der Sechziger die Krone des Opel-Programms.

Anfänglich nur Sechszylinder-Modelle

Der Monza war anfänglich nur mit Sechszylindern erhältlich, später erweiterte Opel die Motoren-Palette sogar um Vierzylinder, was dem Oberklasse-Anspruch das Genick brach. Dennoch gilt das Coupé als großer Wurf von Opel, von dem bekannte Autodesigner wie Paolo Tumminelli heute schwärmen.

Denn es wirkt elegant und sportlich zugleich. Gleichzeitig ist es geräumig und mit einem Realverbrauch von durchschnittlich zehn Liter auf 100 km zumindest damals sparsam genug, um auch im Alltag zu bestehen.

Das Platzangebot war auch ein Kaufargument von Andreas Eickhoff. Er ist Familienvater mit zwei kleinen Kindern, in seinen Youngtimer sollten also auch mindestens ein Kinderwagen und ein paar Einkaufstüten passen.

Fahrleistungen wie ein Porsche

Hinzu kommen einige technische Leckerbissen wie die Einzelradaufhängung an der Dreieck-Schräglenker-Hinterachse. Fahrwerksmäßig gehörten Senator und Monza vor 30 Jahren zu den am besten abgestimmten Fahrzeugen.

Und auch in puncto Komfort und Leistung suchten die Ober-Opel damals ihresgleichen. Mit dem Dreiliter-Sechszylinder und 180 PS waren Spitzengeschwindigkeiten von über 210 km/h möglich. Auf solche Werte kamen um 1980 sonst nur Mercedes oder Porsche.

Eickhoffs weißer Monza wurde 1984 gebaut, es ist ein GSE (Neupreis knapp 50 000 Mark). Das Kürzel markiert die höchste Ausstattungslinie, in der das Edel-Coupé damals erhältlich war: Zur Ausstattung gehören Velours-Sitze, Sportfahrwerk, Bordcomputer und das berühmte „Mäusekino“. Der pixelige Digitaltacho ist heute Kult – mehr 80er geht nicht. Es sei denn, man kauft sich einen Manta B mit Fuchsschwanz.

Viele holte inzwischen der Rost

„Gerade der Monza ist als Typ interessant, da es das letzte Oberklasse-Coupe von Opel ist“, findet Jan Vetter, Typ-Referent für Senator und Monza bei der Alt-Opel Interessengemeinschaft von 1972 e.V. Der Monza vereine sämtliche Eigenschaften, die die Commodore-Coupés legendär gemacht hätten. „Er ist aber deutlich besser verarbeitet und mit seiner damals sehr fortschrittlichen Technik auch heute noch wie ein Alltagsauto zu bewegen.“

Vetter selbst besitzt zwei Senatoren: Einen Senator in Langversion (den Senator bot Opel auch – erfolglos – als Staatskarosse an) und einen Senator Leichenwagen. „Ich schätze Monza und Senator wegen der guten Verarbeitung und der auch heute noch hohen Alltagstauglichkeit“, unterstreicht Vetter.

Vom Senator baute Opel rund 129.000 Exemplare, vom Monza 46.000 Stück. Die meisten sind längst dem Rost und der Abgasnorm zum Opfer gefallen, denn die meisten Autos hatten keinen Kat. Seit einigen Jahren gibt es aber einen recht stabilen Bestand von ganz gut erhaltenen Fahrzeugen (siehe Bildergalerie).

Das Monza-Angebot ist sehr klein

Und 2016 kann auch für Exemplare aus dem letzten Baujahr das H-Kennzeichen beantragt werden, das eine deutliche Steuervergünstigung und freie Fahrt in Umweltzonen bringt. Das tiefe Tal des Gebrauchtwagenmarkts haben Senator und Monza bereits durchschritten, mittlerweile steigen die wenigen überlebenden Autos im Wert.

Das gilt insbesondere für den Monza, der von Analysten wie Classic Data höher bewertet wird als der vergleichsweise piefige Senator. Das zeigt auch ein Blick auf den Markt bei mobile.de: Für gut erhaltene Monza muss man zwischen 6.000 bis 8.000 Euro, ja mitunter schon über 10.000 Euro berappen. Dazu reihen sich allerdings auch verbrauchte Modelle mit Wartungsstau und ohne HU. Ein Problem: das Angebot ist sehr klein.

Andreas Eickhoff hat für seinen Monza mangels Alternativen 5.500 Euro hingeblättert – angesichts der vielen Baustellen an dem Auto deutlich zu viel Geld. Denn der Neuaufbau wird wohl noch einmal die gleiche Summe verschlingen. Allein die Restauration der hinteren Radläufe wird mit circa 1.500 Euro zu Buche schlagen (Einbau neuer Seitenteile, Lackieren). Hinzu kommt der Wiederaufbau des Vorderwagens um die brüchigen Federbeindome.

Schwachstelle durch zu dünne Bleche

Die McPherson-Federbeine sind DIE Schwachstelle bei Monza und Senator, für die schweren Motoren war der Vorderwagen zu weich konstruiert. Auf dem Markt gibt es kaum Autos, bei denen die Dome nicht schon einmal geschweißt wurden. Und das meistens schlecht.

Auch der Vorbesitzer von Eickhoffs weißem GSE hatte die Dome nur ungenügend instandgesetzt. Einen neuen Tacho sich Andreas Eickhoff auch schon besorgt. Beim „Mäusekino“ ist die Uhr einfach stehengeblieben, 250 000 steht auf dem KM-Zähler. Ob es in Wahrheit mehr oder weniger sind, weiß der Berliner nicht.

Scheckheft, Reparaturbelege, irgendwas zur Fahrzeughistorie im Handschuhfach? Eickhoff lacht etwas verkrampft: „Da war gar nix drin.“

A-Säule ist eine Schwachstelle

Ein weiteres Problem hat Eickhoff schon anfangs am eigenen Leibe erfahren: Wasserschaden durch Undichtigkeit. Leider ein verbreitetes Problem dieser Opel-Ära, das mehrere Ursachen haben kann. Einerseits verspröden Gummidichtungen an 30 Jahre alten Autos, dadurch kann Wasser eindringen.

Noch folgenschwerer ist die Neigung der A-Säulen zum Durchrosten. Da bei Senator und Monza das Steuergerät für die Motorelektronik im Fußraum rechts installiert ist, macht sich der Wassereinbruch meist sehr schnell bemerkbar – nichts geht mehr.

Kaufinteressenten sollten also einen angebotenen Monza unbedingt gründlich prüfen und auch einen Blick auf den Unterboden werfen. Die Chance, ein rostfreies Auto zu finden, ist allerdings relativ gering. Die Reparaturkosten sollten bereits zum Kaufpreis dazu addiert werden.

Opelaner sind Kummer gewöhnt

Die Flinte ins Korn werfen will Eickhoff trotzdem nicht. Denn er schraubt ja gerne. Und Opelaner sind einiges an Kummer gewöhnt. So auch die Gewissheit, dass die meisten Ersatzteile für Monza und seine Zeitgenossen bei Opel nicht mehr auf Lager sind. Bei der Traditionspflege ist Rüsselsheim anderen Marken noch hinterher.

Ein Trost, dass die Opel-Schrauber-Szene als gut vernetzt und hilfsbereit gerühmt wird. Aber auch die ist nicht frei von so genannten Blender: Der weiße Monza war Andreas Eickhoff in einem Opel-Forum angeboten worden.

Sie möchten einen Monza kaufen? Weitere Details über Stärken und Schwächen von Opels Edel-Coupé finden Sie in der Bildergalerie: Opel Monza.

Monza-Suche bei mobile.de

Was ist schneller, größer, komfortabler als ein Manta? Nicht 2 Mantas, sondern 1 Monza: Das einstige Luxus-Coupé aus den 1980er-Jahren war lange vergessen, doch heute erinnern sich Opel-Fans des vierrädrigen Leistungsträgers aus ihrer Kindheit – und suchen nach gut erhaltenen Überlebenden. 

Porsche 924 bei mobile.de

Text: Haiko Prengel
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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