Klassiker, die Sie NICHT kaufen sollten

Vom Kauf dieser Youngtimer wird abgeraten

Geliebtes Geld-Grab

Motorisch notorisch miserabel: Es gibt Klassiker, die waren schon als Neuwagen so grottenschlecht, dass Käufer unbedingt die Finger davon lassen sollten. Doch es gibt noch weitere Gründe, warum Sie manche Youngtimer-Modelle besser nicht kaufen sollten

28. Juli 2015

Der Mainstream ist nicht für jeden attraktiv – und gerade Youngtimer-Fans sind Individualisten. Das heißt: Wer seine Persönlichkeit mit einem ganz besonderen Auto zur Geltung kommen lassen möchte, wählt vielleicht gerade nicht einen Käfer oder einen Mercedes W123. Sondern etwas anderes, exotischeres.

Und auch unter den Exoten ist die Wahl groß: Allein bei mobile.de verbergen sich Schätzchen zum Liebhaben in bunter Vielfalt und zugleich in Armeestärke. So zum Beispiel für relativ kleines Geld ein Lancia Gamma Coupé. Ein gepflegtes Exemplar kostet rund 14.000 Euro.

Heute kennen ihn nicht mehr viele, doch der Zweitürer ist ein Höhepunkt des Automobildesigns der 70er-Jahre und – wie bei Lancia so üblich – auch technisch etwas ganz Besonderes. Doch ob der neue Eigentümer seine Freude daran haben wird, das ist sehr die Frage.
 

 
 

Erst gründlich recherchieren

Also zugreifen und in den Auto-Olymp aufsteigen? Doch nicht allein die Frage, ob man den Kaufpreis erübrigen kann, steht im Raum. Wie so oft, sollte man auch hier eine eventuell jäh aufflammende Leidenschaft entschieden zügeln und einen Gedanken an die Zukunftsfähigkeit der Beziehung verschwenden. Und das heißt auch: Informationen über spezielle Technik, Wartungsfreundlichkeit und Ersatzteilversorgung einholen.

Ansonsten kann der Traum nämlich insbesondere für denjenigen, der abseits des Mainstreams sucht und fündig wird, schnell schief gehen. Salopp ausgedrückt: Das geliebte Blech kann sich zum Geld-Grab wandeln. Und zwar schnell. Um das zu vermeiden und auch den weniger beachteten Autos eine Chance zu geben, muss man sich vorher darüber im Klaren sein, auf was man sich einlässt.

Denn merke: Das Herausragende bei jedem Oldtimertreffen wollen wir alle haben – aber nicht den Ärger, wenn der Schatz schon bei der Anreise liegenbleibt.

Motor tot durch Lenkeinschlag

Beim schon erwähnten Lancia Gamma Coupé beispielsweise ist die Gefahr gegeben. Der unausgereifte Motor wurde erst mit der Modellpflege 1980 besser, aber gut wurde er nie. Die zu weichen Zylinderlaufbuchsen sanken in den Block ein, das Öl mischte sich mit Wasser und überhitzte.

Kurios auch, was beim vollen Einschlag der Lenkung vorgekommen ist: Wer den Wagen rangiert, kann den Motor zerstören. Und das geht so: Die Ölpumpe der Servolenkung wird über einen Keilriemen einer Nockenwelle des ungewöhnlichen Vierzylinder-Boxermotors angetrieben.

Bei vollem Lenkeinschlag steigt der Druck in der Hydraulik und der Pumpe. Mit fatalen Folgen: Der Riemen springt über und zerstört den Nockenwellenantrieb. Es gibt nur wenige Gamma-Triebwerke, die ohne große Probleme 100.000 Kilometer Laufleistung erreichten. Besser: Finger weg!

Manche sind besser als erwartet

Es gibt zwar auch Modelle, bei denen die Regel genau umgekehrt heißt: Sie sind weitaus weniger problematisch, als ihr berüchtigter Ruf befürchten lässt. Das gilt zum Beispiel für viele klassische Lamborghini-Modelle. Der wunderschöne Espada beispielsweise bereitet viel weniger Probleme, als man spontan vermutet.

Der Nürnberger Lamborghini-Fachmann Stefan Cuntz sieht nur wenige Ersatzteil-Engpässe beim Espada: „Im Werk ist fast alles an Blech oder Technik vorhanden. Außerdem gibt es hochwertige Nachbauteile.“

Mit der Übernahme von Lamborghini durch Audi sei die Situation nochmals besser geworden: „Bereits der erste Lamborghini-Chef aus Deutschland, Franz-Josef Paefgen, kümmerte sich um die Aufarbeitung der Lagerbestände“, sagt Cuntz. Allerdings gilt das nicht für alle Lamborghinis, manches ist und bleibt selten (siehe Bildergalerie).

Restauration: das lohnt nahezu nie

Wovon Laien dagegen ebenfalls besser die Finger lassen, ist eine Voll- oder Teilrestaurierung. Selbst Fachleute kommen schnell an ihre Grenzen, wenn sie die Folgekosten einer fahrenden Baustelle genau einschätzen sollen. Der Tausch von Kotflügeln oder Türen ist zu berechnen – aber was sich darunter verbirgt, ist schwer vorherzusagen. Manche Autos wurden zudem bereits schlecht konstruiert oder mit Techniken produziert, die heute bestenfalls als liebenswert altmodisch durchgehen.

Es ist selten möglich, einen Klassiker so ausgiebig Probe zu fahren, wie das nötig ist – der Verkäufer würde es niemals erlauben. Hilfreich können bei der Wahl des Modells zeitgenössische Testberichte sein. Und das muss man mit dem heutigen Wissen betrachten: Nicht alles, was damals Fans ansprach, wird auch heute dauerhaft die Beziehung zum vierrädigen Freund tragen.

Geringe Leistung beispielsweise stört viele. Ein Kleinwagen der 50er- oder 60er-Jahre ist immer ein Verkehrshindernis. Nur 18 PS hat ein knuffiger Fiat 500 Mitte der 60er-Jahre. Reicht das aus, oder wird das Fahr- auf Dauer zum Stehzeug? Und, noch schlimmer: Werde ich das Ding wieder los?

Vorkriegswagen lassen stark nach

Das schwindende Interesse gilt, man muss es leider so sagen, auch für die meisten Vorkriegsautos. Die Masse ihrer Fangemeinde stirbt langsam aus, und das kann man auch nachvollziehen.

Immer weniger Menschen mögen sich für ein Auto begeistern, das man mit der Kurbel in Betrieb setzen muss, dessen Bedienung einen hohen Muskelaufwand erfordert, das nach heutigen Maßstäben kaum bremst und ständig nach umständlicher und schmutzträchtiger Wartung mit Ölkanne und Fettpresse verlangt.

Wurde es zudem von einer heute untergegangenen Marken wie Stöver oder Wanderer gefertigt, ist die Gefahr groß, dass jedes Ersatzteil von Hand aufwendig nachgebaut werden muss. Also auch hier: Üben Sie sich lieber in Zurückhaltung.

Tuning: nur selten sinnvoll

Ein weiteres Thema sind Umbauten oder stark getunte Fahrzeuge. Zwar gibt es Modelle wie das in einer Sonderserie in grünmetallic nur 30 Mal gebaute Alpina B7S Turbo Coupé, das 262 km/h Höchstgeschwindigkeit erreicht. Dieses Auto hat längst Liebhaberstatus und wird zu dementsprechenden Preisen gehandelt. Ähnliches gilt für frühe AMG-Mercedes. Doch das sind Ausnahmen.

Die Mehrzahl der vom Serienstand abweichenden Autos ist erheblich weniger wert als ihre Brüder von der Stange. Ist die Technik verändert, kommt noch das Problem der Ersatzteilbeschaffung hinzu, denn viele der Tuningschmieden der 80er-Jahre haben es nicht in die Jetztzeit geschafft. Daher erneut: Finger weg!

In der Bildergalerie sind Beispiele für Autos zu sehen, von denen man besser die Finger lassen sollte. Gleichzeitig jedoch ist diese Galerie auch eine Hommage – nämlich an die Autoliebhaber, die sich trotz der zu erwartenden Schwierigkeiten nicht von ihrem Objekt der Liebe abbringen ließen – chapeau!

Hinschauen, aber lieber nicht kaufen: Diese und weitere Youngtimer zum Abwinken zeigt die Bildergalerie.

Text: Portal-Manufaktur / Stephan Hellmund
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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