Zu kurz gebaute Klassiker

Zu kurz gebaute Klassiker

Das Raritäten-Kabinett

Manchmal werden Autos nur kurz und in kleiner Stückzahl gebaut. Mit etwas Glück werden daraus Raritäten mit einem ganz eigenen Charme. Das mobile.de Magazin hat die schönsten gefunden.

9. Januar 2014

Zu früh, zu teuer, oder einfach am Geschmack der Käufer vorbei: Manchen Autos ist nur ein kurzes Leben als Neuwagen gegönnt. Die Gründe hierfür sind so unterschiedlich wie die Autos, mit denen die Hersteller in den Schauräumen glänzen wollten. Meist jedoch stecken dahinter interessante Geschichten. Manche Autos sind gar nicht so selten, wie man zuerst annimmt. Das gilt beispielsweise für den Ferrari F40 von 1987.

Ursprünglich sollten von ihm nur 400 Exemplare gefertigt werden, was bei den Sammlern weltweit schon allein für Hamsterkäufe geführt hätte. Doch es gab einen Umstand, der den Hype um den F40 noch verstärkt hatte: Der Tod Enzo Ferraris, der weltweit einen Run auf Sportwagen dieser Marke ausgelöst hatte. Ferrari entschloss sich dazu, die künstliche Knappheit aufzugeben und fertigte schlussendlich bis 1992 immerhin 1.315 Stück des F40.

 

 
 

Firma pleite, Produktion gedrosselt

Eine echte Seltenheit ist jedoch die Urform des Lamborghini Countach, von der nur 158 Exemplare gefertigt wurden. Von der Auftragslage her hätte Lamborghini ab 1974 wesentlich mehr Exemplare absetzen können. Jedoch ging es der Firma finanziell so schlecht, dass die Produktion immer wieder stockte. Nach einer Phase der günstigen Preise hat sich das aktuell deutlich gewandelt: Der Markt für den Ur-Countach ist mittlerweile so leer gefegt, dass selbst schlechte Exemplare für eine halbe Million und mehr Euros gehandelt werden.

Skurriles Design im „Turnschuh“-Stil

17.815 Stück mögen nicht gerade für Seltenheit sprechen, doch wenn das nur eine Variante von knapp 300.000 Exemplaren ist, kann das Attribut stehen bleiben. Die Rede ist vom BMW Z3 Coupé, der seltensten Ausführung des Bayern. Sein Design wird oft despektierlich als „Turnschuh“ bezeichnet, doch eines ist sicher: Obwohl er für BMW nicht unbedingt ein wirtschaftlicher Erfolg war, entstand hier eine Rarität – eine künftige Wertsteigerung ist im Preis inbegriffen.

Schön, aber zu langsam

Die hat eine andere Rarität schon hinter sich, war sie doch ein ganz offensichtlicher Misserfolg. Der DeTomaso Vallelunga ist einer der ersten Sportwagen mit Mittelmotor, auch verfügte er unter der schmucken Karosserie über einen Zentralrohrrahmen. Präsentiert wurde er 1963, doch es erging ihm wie vielen anderen Hybrid-Sportwagen mit fremden Motoren: Er fiel beim Käufer durch. Mit ein Grund dafür mag die vergleichsweise geringe Leistung (100 PS) des sehr bodenständige Motors sein: Ford England lieferte ihn damals. Nur 55 Stück entstanden bis 1966.

Die Marktlücke, die keine ist

Aber auch große Firmen landen kleine Verkäufe. Zwei Beispiele aus Frankreich können als Beweis dafür gelten, dass ungewöhnliche Ideen auch bei französischen Autos nicht immer gut ankommen beim Kunden. Die Rede ist von dem Renault Avantime sowie dem Peugeot 1007. Der erstere ist ein Van – eigentlich. Um dieser Fahrzeugklasse etwas mehr sportliches Image einzuhauchen, produzierte Renault mit dem Avantime eine ungewöhnliche Mischung aus Sportwagen und Van. Für den Van mit nur zwei Türen kam es, wie es kommen musste: Er floppte.

Von einem Van ließ sich auch Peugeot inspirieren und übernahm ein äußerst praktisches Detail: die Schiebetüren. Allerdings vergaß Peugeot, hinter diesen Türen ein familientaugliches Auto zu bauen, denn der Peugeot 1007 ist mit 3,73 Metern Länge ein Kleinwagen. In seinem letzten Jahr, 2010, kam er in Deutschland auf ganze 42 Verkäufe.

Rennwagen für die Straße

Manchmal ist es im Gegensatz zu den beiden Franzosen jedoch auch so, dass dem jeweiligen Hersteller eine große Stückzahl und ein dementsprechender Markterfolg gar nicht wichtig sind. Das Zauberwort lautet dann meistens „Image“. Typische Beispiele hierfür sind der Mittelmotorsportwagen BMW M1 oder der vom mobile.de Magazin unlängst als Ikone identifizierte Toyota 2000 GT.

Der Toyota entstand zwischen 1967 und 1970. Gerade einmal 351 Exemplare wurden es, was ihn heute zu einem sehr gesuchten Sammlerstück macht. Seine Intention war es, Toyota neben den günstig hergestellten Fahrzeugen für den Massenmarkt als Produzenten von Autos in Manufakturqualität zu etablieren. Diese Mission erfüllte der Toyota als technisches Aushängeschild der Marke genau wie der M1 für BMW.

In der Bildergalerie finden sich weitere Raritäten zum Stöbern und Genießen.

Text: SH | Bildmaterial: Renault