Retromobile Paris 2014

Retromobile Paris 2014

Die Juwelen der Maharadschas

Die Retromobile hat sich zur größten Oldtimermesse in Frankreich entwickelt. Highlight dieses Jahr: Die automobilen Juwelen der Maharadschas.

7. Februar 2014

Die Beschreibung liest sich wie aus einem Horror-Roman: "Frauen schrien. Kutschen stoben rasend von der Straße. Wasserbüffel, Ochsen, Ziegen, Esel, Elefanten, Kamele und Eingeborene stoben bei diesem Anblick in jede Richtung davon." Was laut dem zeitgenössischen Bericht einer Zeitung aus Kalkutta so viel Entsetzen auslöste, sieht eigentlich aus wie frisch vom Kirmeskarussell gerollt: Ein Auto wie ein Schwan.

 

 
 

Das Schwanenpaar

Das Gefährt erdachte 1910 Robert Nicholl "Scotty" Matthewson, ein wohl nicht ganz zu Unrecht als exzentrisch verschriener reicher Bürger Kalkuttas. Die High Society der Stadt war nicht gerade amüsiert - und ließ den Schwan von den Straßen der Stadt verbannen.

Matthewson, der für den rollenden Bürgerschreck die üppige Summe von knapp 15.000 Pfund bezahlt hatte - damals immerhin der Wert sechs neuer Rolls-Royce Silver Ghost - verkaufte ihn schweren Herzens an den Maharadscha von Nabha. Und kurz danach ließ der sich eine kleine, elektrisch betriebene Version bauen, mit der er auf seinem Besitz herumkurvte.

Fünfzehn Fahrzeuge der Maharadschas

Heute ist das Schwanenpaar eine der Attraktionen der Retromobile in Paris. Die Oldtimermesse glänzt dieses Jahr mit einer spektakulären Sonderschau über die automobilen Juwelen der Maharadschas.

Dazu haben die Veranstalter fünfzehn Fahrzeuge zusammenbekommen, die einstmals indischen Potentaten gehörten - als Jagdfahrzeuge oder einfach als rollende Symbole von Macht und Reichtum.

Automobile Kostbarkeiten

Zu den automobilen Kostbarkeiten gehört unter anderem auch ein Isotta Fraschini aus dem Jahre 1929. Dessen elegante Karosserie stammt von dem Italiener Cesare Sala und sein erster Besitzer war der Radscha Sajid Hussein von Kotwara, der bereits mit 14 Jahren auf den Thron kam.

Er kaufte den Isotta Fraschini als Student im schottischen Edinburgh. Bei der Rückkehr nach Indien 1932 nahm er den Wagen mit. Erst 1972 kam das Auto zurück nach Großbritannien - in den Besitz von Peter Grand, dem Manager der Rockband Led Zeppelin. Heute gehört der Isotta einer Sammlung in Colorado, USA.

Vorliebe für Rolls-Royce

Unübersehbar ist die Vorliebe der Maharadschas für Rolls-Royce. So glänzt in Paris etwa ein Phantom I von 1926 im Scheinwerferlicht. Der Rolls blieb unlackiert und strahlt in poliertem Aluminium. Heute steht der "Silver Phantom of Hyderabad" normalerweise im dänischen National Museum.

Gleich daneben sind auf der Retromobile ein Phantom I-17EX und ein Phantom II von 1930 zu sehen. Das Cabriolet diente vor allem als Jagdwagen: An den Lehnen der Vordersitze hängen denn auch stilecht Jagdflinten.

Edle Raritäten

Wenn es mal nicht "RR" war, dann ließ man sich mit nicht weniger edlen Raritäten chauffieren. Ein Mercedes-Benz Super Sports von 1930 gehört genauso zu der Ausstellung der Maharadscha-Autos wie ein Delage D8 aus dem gleichen Jahr oder ein bildschöner Delahaye 135 Figoni & Falaschi von 1938. Von ihm wurden nur elf Stück gebaut und nur drei haben bis heute überlebt. Eine Besitzerin des zweisitzigen Cabrios war die Maharani von Jaipur.

Klassikevent Retromobile

Die Retromobile, die in diesem Jahr zum 39. Mal in Paris stattfindet, hat sich mittlerweile zu einer der größten Oldtimermessen Frankreichs entwickelt. Mehr als 400 Aussteller zeigen auf 41.000 Quadratmetern über 500 Fahrzeuge, 81.000 Besucher werden an den fünf Messetagen erwartet.

Hersteller wie Citroën, Peugeot oder Renault haben die Messe mittlerweile ebenso fest im Kalender wie zum Beispiel Porsche, Alfa Romeo, Skoda oder Mercedes-Benz. Die Schwaben etwa erinnern aktuell an 120 Jahre Rennsportgeschichte.

Text: Press-Inform / Jürgen Wolff | Bildmaterial: Wolff