Nostalgie Mini Wildgoose

Nostalgie Mini Wildgoose

Unterwegs im Schneckenhaus

Die Engländer waren schon immer ein verrücktes Volk. In den 60er-Jahren bastelten sie aus einem Mini und einem Wohnwagen die zweifelhafte automobile Konstruktion des Wildgoose.

7. Januar 2014

Die Briten lieben Urlaub - und zwar am besten gleich im eigenen Land. Camping? Ja gerne. In den 60er-Jahren wurde im südenglischen Sussex ein Mini mit einem Wohnwagen gekreuzt. Der Mini Wildgoose könnte hässlicher kaum sein.

Kaum vier Meter lang, mag man nicht daran glauben, dass diese Wildgans in Form eines fahrbaren Schneckenhauses für vier Personen gedacht war. Selbst zu zweit ist die Übernachtung auf kleinstem Raum eine stimmungsvolle Herausforderung, die man sich gerne erspart. Und sie wird nicht kleiner, wenn der Mini Wildgoose wie der Dienstwagen von Inspektor Gadget seine Geheimnisse erst auf den zweiten Blick preisgibt. Denn der hässliche Brite ist klein, aber oho.

Elektrisch lässt sich sein Hubdach ausfahren, und wem bei seinem Anblick in schmuckem weiß-vailantgrün vorher noch nicht die Spucke weggeblieben ist, der verlangt spätestens jetzt im ausgefahrenen Zustand nach einem Glas Wasser - oder schalem Ale.

Wer sich seinerzeit in den rollen Schuhkarton verguckte, musste sich erst einen Mini Van kaufen und dann je nach Ausstattung nochmals zwischen 400 und 650 britische Pfund für den Umbau auf den wackelnden Tisch des Hauses legen. Kaum mehr als 60 Fahrzeuge sollen je verkauft worden seien.

 

 
 

Schalten mit Zwischengas

Egal ob im Stand oder während der Fahrt, die Holzkonstruktion des verlängerten Mini Campers mit der Produktionsnummer 18 ächzt, als hätte ihr letztes Stündlein geschlagen. Tempo 80 ist locker drin - alles Schnellere wird zum Himmelfahrtskommando auf winzigen 10-Zöllern.

Der Geradeauslauf des Brit-Campers ist kaum als solcher zu bezeichnen. Auch auf schnurgeraden Strecken windet sich das kleine Campingmobil wie eine Klapperschlange auf dem Weg zur Nachspeise.

Da schadet es nicht, dass der gerade einmal 848 Kubikzentimeter große Vierzylinder mit seinen 34 PS nur die schmalsten Ansprüche an ein flottes Fortkommen befriedigt. Geschaltet wird natürlich mit Zwischengas.

Elektrisches Hochdach

Nach heutigen Maßstäben kann man sich weder vorstellen, dass einmal jemand mit diesem Schuhkarton auf Rädern in Urlaub gefahren ist; noch mag man daran denken, dass erwachsene Personen in diesem Vehikel ihre Nächte verbracht oder tagsüber gekocht haben.

Denn auch wenn es die äußeren Dimensionen kaum ahnen lassen - die wilde Gans ist ein vollwertiges Wohnmobil. Ist der gewünschte Stellplatz in den stürmisch-feuchten Highlands erst einmal gefunden und hat sich das Hochdach teilelektrisch in den verhangenen Himmel gereckt, wird der Wohnraum hinter der winzigen Fahrgastzelle zu einem eben solchen.

Dicht an dicht

Die Platzverhältnisse in der schmalen Fahrgastzelle sind so karg, dass man nicht nur bei den zahlreichen Schaltvorgängen schon einmal Körperkontakt mit dem oder der Copilotin aufnimmt.

Durch die porösen Gummidichtungen pfeift der Wind, als hätte man die hintere Tür geöffnet. Ist sie aber nicht. Nicht besser macht es die kaum vorhandene Isolierung für Wärme oder Geräusche.

Nach dem Abendessen wird der Tisch per mehrteiliger Stabkonstruktion zur Unterlage des Betts. Die Sitzkissen klettern ebenfalls nach oben, während der Mini Wildgoose getreu seinem Namen wild im Wind wankt.

Man sollte sich mögen, wenn man gemeinsam - in welcher Konstellation auch immer - im Mini Wohnmobil von einst sein Lager teilt.

Text: Press-Inform / Stefan Grundhoff | Bildmaterial: Uwe Fischer