Kleinstwagen als Klassiker

Kleinstwagen als Klassiker

„Oh, ist der süß!“

So oder ähnlich hören es Oldtimerbesitzer oft, wenn sie mit ihrem Goggomobil oder Kabinenroller auftauchen. Was muss man beachten, wenn man sich für einen Kleinstwagen als Klassiker interessiert?

19. Februar 2014

So ein Kleinstwagen hat auch heute noch zahlreiche Vorteile: Im Gegensatz zu anderen Oldtimern gibt es oft eine rührige Szene, der Verbrauch ist relativ gering und Parkplatzsorgen kannte man damals wie heute nicht. Und: Auf Oldtimertreffen ist man mit so einem Wagen der heimliche Star: Diesen Autos haftet ein unschlagbar positives Image an.

 

 
 

Noch kein „richtiges Auto“

Doch so einfach ist es leider nicht. Diese Fahrzeuge wie den Messerschmitt Kabinenroller oder den Lloyd LP 300 („Leukoplastbomber“) nannte man früher Rollermobile. Und schon dieser Begriff macht deutlich, wo die Schwierigkeiten lauern könnten. Gedacht war diese Autoklasse für Leute, die sich nach dem Krieg kein „richtiges“ Auto leisten konnten.

Antrieb oder selbst Fahrgestellteile stammten daher oft von Zweirädern. Diese waren leicht verfügbar und vor allem eines: billig. Und noch eines war damals wichtig: Hatten die Rollermobile bis zu 250 Kubikzentimeter Hubraum, dann durften sie mit dem früheren Motorradführerschein bewegt werden. Die Zusatzkosten für den PKW-Führerschein konnten also auch entfallen.

In der DDR gab es keine Kleinstwagen

Übrigens: Diese Rollermobile sind eine westeuropäische Spezialität. In England, Italien und bei uns erlebte diese Fahrzeugspezies eine ungeahnte Blüte, die eigentlich in Italien entwickelte BMW-Isetta rettete sogar das ganze Unternehmen. In der DDR hingegen sah man dieses als falschen Weg und setzte gleich auf ein großes Auto – den Trabant – zur Volksmobilisierung.

Aus heutiger Sicht muss man diese sympathischen Fahrzeuge mit dem Kuschelfaktor einmal ganz nüchtern betrachten. Sie sind konstruiert worden, um mehr Sicherheit und besseren Wetterschutz als Motorräder zu liefern. Das tun sie, mehr aber auch nicht. Sie sind deshalb auch nicht mit dem heutigen Smart vergleichbar, der nach den Standards wesentlich größerer Autos gebaut wird.

Man muss sich darauf einstellen

Und: Die Rollermobile hatten ihre große Zeit in den 50er-Jahren des vorigen Jahrhunderts. Diese Wagen sind also rund 60 Jahre alt und daher richtige Oldtimer. Das gilt nicht nur für die mäßige Motorisierung, sondern für alles, was mit der Sicherheit zu tun hat. Bergabfahrten mit den dürftigen Bremsen sind zwar möglich, setzen aber ein hohes Maß an Einfühlsamkeit für die damalige Technik voraus.

Wer das weiß und sich aus nachvollziehbaren Gründen trotzdem für einen dieser Zeitzeugen des Wirtschaftswunders interessiert, dem sei zum Abschluss noch die Mitgliedschaft in einem Markenclub empfohlen. Auf regulärem Wege an Ersatzteile zu kommen ist nahezu unmöglich – kaum einer der Hersteller hat überlebt.

Die schönsten Rollermobile finden Sie in der Bildergalerie.

Text: SH | Bildmaterial: Wikipedia / dave_7