BMW-Fans in Argentinien

BMW-Fans in Argentinien

Wider den Protektionismus

Rings um Buenos Aires wächst die Leidenschaft für BMW-Youngtimer. Doch die Fans der Münchener Autos haben mit den Widrigkeiten des Protektionismus zu kämpfen.

21. Januar 2014

Old- und Youngtimer sind rings um den Erdball gefragt. Auch in Südamerika. Doch wer in Argentinien dieser Leidenschaft an den Klassikern auf vier Rädern frönen will, muss allerlei Hindernisse überwinden. Denn die argentinische Regierung hat einen ehernen Paragraphen-Wall aus protektionistischen Gesetzen errichtet.

Jeder, der seine Produkte in Argentinien verkaufen will, soll sie im Land produzieren oder muss im gleichen Gegenwert argentinische Waren exportieren. Erst wenn ein Auto 23 Jahre alt ist, darf man es importieren.

Für die Sammler bedeutet das, dass Ersatzteile nur über die hiesigen Autohändler zu bekommen sind. Nur sind die Teile dann fünf Mal so teuer. "50 Prozent sind die Zollkosten. Den Rest schlägt der Händler drauf", erklärt Mariano Varsky, Sekretär des BMW Clubs Argentinien.

 

 
 

Guter Rat ist teuer

Also ist guter Rat teuer. Ersatzteile sind nötig, um die Autos in Schuss zu halten. Also finden die rund 70 Mitglieder "kreative Wege", um an die benötigten Teile zu kommen. Ein Kanal ist eBay. Aber auch andere BMW-Clubs, wie zum Beispiel der in den USA, helfen den Argentiniern. Dann wird das Teil einfach in einem Paket geschickt. Wichtig ist, dass man nicht einen Motor als Ganzes importiert, sondern viele Einzelteile.

"Falls der Zoll mal eingreift, hilft man halt etwas nach", erklärt ein BMW-Fan augenzwinkernd. Die Südamerikaner lassen sich auch von der Politik nicht von dem Spaß an den Münchener Autos abbringen: Ihr neues Hauptquartier ist eine alte Garage inmitten von Buenos Aires. Hier treffen sich die Aficionados der weißblauen Ingenieurskunst regelmäßig und helfen sich gegenseitig bei der Pflege ihrer Schätze.

Mit viel Herzblut dabei

Auch wenn ihre Anzahl im Vergleich zu den Mitgliederzahlen anderer BMW-Clubs vergleichsweise gering ist, stecken die Gaucho-Sammler nicht weniger Herzblut in ihre Lieblinge. In Anbetracht der Umstände dürfte die Begeisterung noch mehr brennen als anderswo.

Sei es bei Marcelo Marini und seinem BMW 320 aus dem Jahr 1980, Daniel Gutani (633 CSi) und Carlos Aguirre Köber (BMW 635 CSi) oder Mauro Theller, der zwei BMW 320 des Jahres 1981 sein eigen nennt. Hinter jedem dieser Automobile steckt Freude an der bayerischen Marke und viel Arbeit, die Vehikel in Schuss zu halten. Denn Eines fällt beim Anblick der Youngtimer-BMWs sofort auf: Sie sind in perfektem Zustand.

Versteckte Preziose

Eine echte Preziose hat Roberto Andriuolo mittlerweile gefunden. Nämlich einen BMW 600. Die "Große Isetta", Baujahr, 1958 stand 20 Jahre lang unbeachtet und unter einer Staubschicht begraben in einer Ecke eines Parkhauses in Saladillo, einer Kleinstadt etwa 180 Kilometer südöstlich von Buenos Aires, und rottete vor sich hin.

Der Zustand war dementsprechend erbärmlich. "Das Interieur war komplett zerstört, aber die Karosserie und der Motor befanden sich in einem erstaunlich guten Zustand", erinnert sich der 74-jährige. Als es an die Restauration ging, halfen die Experten von BMW Classic in München mit Konstruktionsplänen.

Schwieriger war es da schon, an die Ersatzteile zu kommen. Da musste wieder der Einfallsreichtum her - oder der örtliche Sattler, der beim Wiederherstellen des Innenraums half. Es dauerte über ein Jahr, um ein Rücklicht mit originalem Acrylglas zu ergattern.

Doch Roberto Andriulos Geduld zahlte sich aus. Heute, fünf Jahre nach der Rettung, schaut die Isetta wie aus dem Ei gepellt aus. Roberto und der M1-Fahrer Alejandro sind sich einig: Verkaufen werden sie ihre Autos nie.

Kult-Renner

Auf der anderen Seite der PS-Skala bewegt sich Alejandro Novak. Der Anwalt nennt einen BMW M1 sein eigen. Sobald es um "sein Auto" geht, beginnen die Augen des Mittvierzigers zu strahlen. Die Stimme bekommt einen freudigen Unterton, der auch mit einer gehörigen Portion Stolz vermengt ist. Diese Emotion dürfte den meisten Auto-Fans einleuchten. Schließlich genießt der BMW M1 Kultstatus.

Sein Schlüsselerlebnis hatte der Advokat im zarten Alter von 16 Jahren, als er den M1 in einem Pro-Car-Rennen bewundern durfte. Seitdem ließ ihn die Leidenschaft nicht mehr los.

Einige Jahre später hatte er auch schon ein Objekt der Begierde ausgemacht. Eben jenen BMW M1, den er jetzt sein Eigen nennt. Doch der Weg zu diesem weißen Bayern-Sportler, von dem es in Argentinien nur drei Stück gibt, war steinig. "Ich habe mich 20 Jahre um dieses Auto bemüht", erzählt Novak. Ein vorheriger Besitzer war niemand Geringeres als der ehemalige argentinische Formel-1-Fahrer Jorge Cupeiro.

Als Alejandro Novak das Auto endlich bekommen hatte, hatte der BMW M1 noch die Rennreifen und die Pro-Car-Ausstattung inklusive Kriegsbemalung. Es dauerte sechs Monate, um den Straßensportler wieder in den Original-Zustand zurückzuversetzen.

Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll | Bildmaterial: BMW AG