Wie schlägt sich… der VW Käfer

Wie schlägt sich… der VW Käfer

Das Auto aller Autos

Er motorisierte Millionen, und das weltweit. Seine Zuverlässigkeit ist legendär – oder? Wie schlägt sich das Urmeter der deutschen Autos im Alter?

28. Januar 2013

In Sachen Tradition kann dem Käfer kaum einer das Wasser reichen. Konkurrenten in Sachen langer Bauzeit und Kultstatus könnten höchstens noch Citroëns Ente, der Trabant oder der Mini sein. 21,5 Millionen Exemplare wurden seit 1938 gebaut, erst 2003 war endgültig Schluss. Bis dahin hatte der Käfer seine Mission erfüllt: Er war weltweit zum Symbol des deutschen Wirtschaftswunders avanciert und galt als zuverlässiges, günstiges Gebrauchsauto mit Charme.

 

 
 

Rost ist der größte Feind

Heute stellt sich die Situation jedoch etwas anders dar. Der Käfer stammt aus einer Zeit, als Autos noch sehr pannenanfällig waren. Da erhielt ein Käfer schnell das Label „zuverlässig“, da er ohne größere Pannen 50.000 Kilometer überstand. Trotzdem ist die Technik nicht der größte Feind des Käfers, sondern der Rost. Bis in die 60er-Jahre erhielten fabrikneue Käfer keinen Rostschutz, auch danach ist er nur sehr sporadisch aufgetragen worden. Fast alle Käfer auf dem Markt haben also schon die eine oder andere Rostkur hinter sich.

Cabrios noch gefährdeter

Entscheidend für den Kauf sollte daher der Zustand der Karosserie sein. Hier sind vor allem die Türen sowie der Bereich um die Trittbretter gefährdet. Das gilt besonders für den hinteren Anschluss. Rostgefährdet präsentieren sich auch die Reserveradmulde sowie der vordere Rahmenkopf. Cabrios sind trotz ihres höheren Wertes übrigens noch gefährdeter als die geschlossene Version. Beim Hersteller Karmann hat man auf die Versiegelung der zusätzlichen Verstärkungsschweller hinter den Trittbrettern wenig Wert gelegt.

Ist das Dach defekt, wird es teuer

Das Cabrio kann noch dazu im Reparaturfall wesentlich teurer als gedacht werden. Da es sich beim Käfer Cabrio um einen Viersitzer handelt, ist das Verdeck entsprechend groß. Es ist im Ersatz wesentlich teurer als beispielsweise das eines Porsche Cabrios. Achten muss man daneben auf das Gestänge: Das Dach sollte sich leicht zusammenfalten lassen. Einfache Kunststoffdächer, die oft geöffnet werden, können schon nach vier Jahren erneuerungsbedürftig sein. Solche aus Stoff halten länger, aber selbst bei guter Pflege nicht über zehn Jahre.

Der Auspuff hält nicht lange

Technisch gesehen kommt dem Käfer eine Eigenschaft zugute, die Henry Ford einmal so beschrieb: Was nicht dran ist, kann auch nicht kaputt gehen. Demzufolge macht die Elektrik nur selten Probleme. Die Motoren allerdings gelten zwar als haltbar, aber ebenso als undicht. Teuer wird es, wenn Motor und Getriebe zum Abdichten getrennt werden müssen. Daher dürfen am Motor leichte Ölundichtigkeiten zu finden sein - aber keine Tropfen hängen.

Anfällig sind zudem Auspuff und Heizbirnen. Letztere dienen bei luftgekühlten Motoren als Wärmetauscher für die Innenraumheizung. Lassen sich die Heizungszüge im Passagierraum nur noch schwer oder gar nicht betätigen, sind die Heizbirnen meist innerlich verrostet.

Ist das Fahrgefühl etwas teigig, kann dies auf ausgeschlagene Traggelenke der Vorderachse hindeuten. Achten sollte man zudem auf schief ziehende Bremsen.

Ersatzteilprobleme? Ein Fremdwort

Ersatzteile gibt es zuhauf, auch wenn sich Käfer kaum noch auf den Schrottplätzen der Republik finden lassen. Spezialisierte Oldtimerhändler in Deutschland sorgen dafür, dass es für alle Modelle noch ausreichend Ersatzteile gibt – Engpässe gibt es höchstens für manche Teile der Innenausstattung, vor allem die der Sondermodelle.
Fazit: Der Käfer ist der Teutone unter den Gebrauchtwagen. Hält sich der Rost in Grenzen, gibt es das klassenlose Auto mit wenigen Mängeln für (noch) kleines Geld. Wertzuwachs ist garantiert – oder wann haben Sie den einstigen Millionenseller das letzte Mal in der freien Wildbahn gesehen?

Text: SH | Bildmaterial: Wikipedia / Urmelbeauftragter