Wie schlägt sich… der Trabant

Wie schlägt sich… der Trabant

Gar nicht schlecht

Der Trabi ist mehr als ein Auto: Er ist ein Symbol sowohl für die technische Rückständigkeit der DDR als auch für die Wiedervereinigung, als viele in ihm „rübermachten“. Aber fahren kann das Symbol auch – sogar gut?

28. Januar 2013

Der Sachsenring Trabant wird gerne in einer Reihe mit der Ente von Citroën, dem VW Käfer sowie dem Mini von Austin genannt. Aber dann meist spöttisch abgetan: Zu rückständig sei er mit seinem Zweitakter, zu hässlich und überhaupt zu sehr mit der untergegangenen DDR verbunden. Dabei sind die meisten Trabant-Geschichten ein Missverständnis.

 

 
 

Eigentlich ein gutes Auto

Schauen wir doch noch einmal genauer hin: Ente und Käfer sind konstruktiv gesehen Vorkriegsautos – wenn auch im Falle des Citroën mit einem sehr modernen Konzept. Als der erste Trabi 1958 nach jahrelangen Verzögerungen endlich die Straße unter die Räder nahm, hatte er die wesentlich moderneren technischen Anlagen als der Heckmotor-Käfer. Sein Frontantrieb war zeitgemäß, das Platzangebot für so ein kleines Auto gut, und als noch niemand vom Leichtbau sprach, wog er lediglich 620 Kilo. Das Einzige, was schnell nicht mehr in die Zeit passte, war der Zweitaktmotor.

Ein Vierzylinder zum Schluss

Erst kurz vor dem Ende, 1990, hatte die Sachsenring-Führung Glück und konnte endlich den ersehnten Viertakter (vom VW Polo) unter die Kunststoff-Haube des Trabant zwängen. Doch da war sein Schicksal schon besiegelt: Es wollte ihn einfach keiner mehr haben, den Trabant, und 1991 endete die Produktion schließlich für immer.

Unterschiedliche Preise

So einen Trabant 1.1 – so heißen die Modelle mit dem VW-Vierzylinder - gibt es für kleines Geld auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Daneben überraschen Stücke, die zum damaligen Neupreis ausgezeichnet sind. Und das gilt nicht nur für die beliebten offenen Versionen – den „Tramp“ – sondern auch für Kombi (Universal) und Limousine.
Der Grund für den großen Preisunterschied ist zumeist der Zustand der Grundkonstruktion. Zwar besteht die Außenhaut aus Kunststoff, kann also nicht rosten, doch darunter steckt ein Stahlskelett. Dieses ist ab Werk nicht konserviert und rostet im Zweifel extrem. Die teuren und guten Stücke sind oft bis zur letzten Schraube zerlegt worden.

Die Technik ist fast gleich geblieben

Die Technik ist dagegen meist robust und wurde zum großen Teil vom Zweitakter übernommen. Eine Ausnahme bilden die Getriebe dieser Vierzylinder-Versionen. Unbedingt sollte man auf leichte und exakte Schaltbarkeit der Vierganggetriebe achten. Sind sie das nicht, ist die Synchronisation hin.

Achten sollte man auch auf Vollständigkeit. Es gibt einige Teile wie die Schaltkonsole der Vierzylinder, die von denen der Zweitakter abweichen und entsprechend schwer zu beschaffen sind. Die meisten Ersatzteile für den letzten Trabant stammen aus Verschrottungen in anderen osteuropäischen Ländern. Ersatzteilmangel kann trotzdem herrschen, so sind zum Beispiel Achsteile rar gesät. Normale Verschleißteile wie Bremsbeläge oder komplette Karosseriepartien machen dagegen keinerlei Probleme.

Der Trabi ist unterschätzt

Die Zeit der echten Schnäppchen bei Trabant-Käufen sind vorbei. Heute tauscht niemand mehr ein gepflegtes Exemplar gegen eine Kiste Bier. Insofern ist der Trabi denn auch wirklich im Westen angekommen – die Preise haben sich stabilisiert.

Fazit: Der Trabi ist eigentlich gar nicht rückständig. Jedenfalls dann nicht, wenn man ihn als die Konstruktion der 50er-Jahre ansieht, die er zeitlebens geblieben ist. Hier kann man für kleines Geld einen Alltagsoldie bekommen.

Text: SH | Bildmaterial: Wikipedia / ignis