Wie schlägt sich… der Citroën 2CV

Wie schlägt sich… der Citroën 2CV

Die Kunst des Weglassens

Dacia hat mit dem Logan das Billigauto erfunden? Mitnichten. Die „Ente“ von Citroën kultivierte 40 Jahre lang das Prinzip, nichts in ein Auto zu bauen, was nicht unbedingt notwendig ist.

28. Januar 2013

Es war schon immer etwas Besonderes, einen Citroën 2CV mit dem Spitznamen „Ente“ zu fahren. Ursprünglich als einfaches Transportmittel für die Bauern in Frankreich erdacht, entwickelte sich der Wagen aufgrund seiner Einfachheit und des minimalistischen Aufbaus schnell zum Kult. Kaum ein Accessoire konnte früher einen nonkonformistischen Lebensstil besser verdeutlichen als die Ente.

Den Nutzwertcharakter zeigt auch die Tatsache, dass neben den rund 3,8 Millionen viertürigen Limousinen mit Rolldach auch 1,2 Millionen „Kastenenten“ gebaut wurden. Hinter den Vordertüren begann die Ladefläche des Kleinlieferwagens.

 

 
 

Weniger ist mehr

41 Jahre lang wurde der 2CV also gebaut, erst 1990 war Schluss. In der Grundform unverändert, hielten sich auch die technischen Änderungen in engen Grenzen. Die größte Umstellung war sicher neben hin und wieder ein paar PS mehr die Umstellung auf Scheibenbremsen vorne 1981. Das aber war es auch schon.

Rost schon bei der ersten Hauptuntersuchung

Leider haben die Franzosen auch die Rostvorsorge auf dem gleichen Stand gelassen. Selbst Liebhaber der Ente müssen eines zugeben: Die Enten rosten - alle, und überall. Schon bei der ersten Hauptuntersuchung fielen damals rund 20% aller Enten durch, zwei Jahre später waren es 33%.

Aus diesem Grund mussten die meisten heute gut aussehenden Enten schon mehr oder weniger tiefgreifende Sanierungsarbeiten an der Karosserie und vor allem am Bodenblech über sich ergehen lassen. Von der Qualität dieser Arbeiten hängt auch der Wert ab. Zur Info: Da die Ente so rostanfällig ist, gibt es sogar nachgefertigte Bodengruppen komplett aus Edelstahl.

Wasser dringt von oben und unten ein

Neben Rahmen und Bodenblech sind praktisch alle Blechteile rostgefährdet. Eine kurze Aufzählung der größten Problemzonen: vordere Lüftungsklappen und der Scheibenrahmen, die Schweller, das Heckblech unter der Kofferraumklappe, Türen, Endspitzen der Kotflügel.

Unbedingt anheben sollte man auch die Gummimatte auf der Fahrerseite: Unter den Pedalen gibt es ein Blech, welches fachmännisch getauscht sein muss. Sonst kommt das Wasser nicht nur über das oft undichte Rolldach, sondern auch von unten in den Wagen.

Service muss sein

Ein Beweis für die altertümliche Konstruktion des Wagens sind auch die zahlreichen Schmiernippel am Fahrwerk, die regelmäßig frisches Fett benötigen. Unterbleibt dies, verschleißen die Tragarme der Vorderachse schnell.

Neues Öl sollte der Motor regelmäßig bekommen haben, ebenso wie das Einstellen der Ventile alle 20.000 Kilometer geschehen musste. Ist all das geschehen, kann der Zweizylinder-Motor bis zu 300.000 Kilometern halten.

Ersatzteile sind günstig

Ersatzteile für die Ente gibt es kaum noch bei Citroën. Macht aber nichts: Zahlreiche spezialisierte Händler haben sich auf den 2CV konzentriert und bieten die meisten Teile sogar für kleines Geld an.

Fazit: Ente-fahren ist kaum mit Logik zu erklären. Das ist eine Lebensanschauung. Wer sich mit den qualitativen Mängeln arrangieren kann, erhält eine komfortable, viertürige Limousine mit Rolldach. Ach ja: Jetzt zugreifen. 2011 war die Ente der Oldtimer mit dem höchsten prozentualen Wertzuwachs, noch vor allen Ferrari!

Text: SH | Bildmaterial: Wikipedia / Zamba