VW-Clubs in Argentinien

VW-Clubs in Argentinien

Escarabajo heißt Liebe

Die verrücktesten VW-Anhänger darf man nicht in Deutschland oder den USA suchen: Markenverliebter als Argentinier kann keiner sein. Für viele gibt es am Wochenende neben dem Fußball nur eine Leidenschaft: Käfer und Bully.

24. September 2013

"Es ist egal, ob man einen luftgekühlten Volkswagen fährt oder nicht", plaudert Marcos Cornelo los, "es gibt bei uns einige, die fahren einen Golf, andere einen Beetle oder einen Kombi. Uns sind alle willkommen, Hauptsache VW."

In Argentinien und dem Nachbarland Brasilien gehen die Auto-Uhren anders. BMW, Porsche und Mercedes kann sich hier kaum einer leisten. Die wirklichen Auto-Enthusiasten fahren Volkswagen; für viele ist es längst eine Religion.

Ihre Clubs heißen Movimiento Aircooled, Sumando Volkswagen, Asociason Amigos del Escarabajo Argentina oder schlicht Club de Amigos VW Kombi. Allen gemein ist die Liebe zu VW - für sie seit je her eine einheimische Marke, die nur ihren Ursprung im fernen Wolfsburg hat.

 

 
 

Immer was los

Fernando E. Pisano ist seit Jahren Präsident des VW Clubs Argentina: "Ich habe mich für die verschiedenen Modelle schon immer begeistert. Besonders für den kleinen Escarabajo." So nennen die Einheimischen ihren geliebten Käfer, der seit 1951 in Argentinien verkauft wurde. Der T2 Bully heißt hier ganz einfach Kombi.

Manche der gut ein Dutzend Clubs treffen sich einmal im Monat; andere nur ein paarmal im Jahr. "Bei uns ist immer etwas los. 180 bis 200 Leute kommen jedes Mal zu den Treffen, die hier in Buenos Aires stattfinden. Viele kommen von außerhalb mit ihren ganzen Familien. Dann wird gegrillt, gespielt und über Ersatzteile diskutiert", erzählt Marcos Cornelo, "echte Autoleute sind hier keine. Wir sind einfach nur Fans. Ist eben eine Leidenschaft."

Szenetipp: VW Westfalia

Ein besonders harter Kern sind diejenigen, die einen VW Westfalia fahren. "Diese Camper wurden bei uns in Argentinien nie verkauft", erklärt Fernando E. Pisano, "das sind alles reine Importmodelle. Im ganzen Land gibt es aber immerhin knapp 100 Stück. Und bei jedem Treffen kommen locker 20 bis 30 Autos zusammen. Ist alles eine eingeschworene Gemeinschaft."

Christian fährt eine alten VW Käfer von 1956: "Mein Alltagsauto, mit dem ich jeden Tag unterwegs bin. Aber ich habe auch noch einen 1960er Escarabajo. Der wird nach 100.000 Kilometern aber gerade gründlich restauriert. Ist nicht einfach, Ersatzteile zu bekommen. Doch das Internet macht mittlerweile vieles einfacher. Wir schauen jeden Tag in den Teilebörsen nach und lassen uns die Sachen dann schicken - meist aus Europa."

Bisher wurden die Clubs in Argentinien dominiert von den beiden Bestsellern Escarabajo und Kombi, dessen Produktion in Brasilien nach über 50 Jahren gerade erst endete. Doch mehr und mehr kommen die VW-Fans vom anderen Ende der Welt auf den Geschmack des Golf I - in Argentinien ein echter Exot.

"Von dem wurden hier seinerzeit gerade einmal 89 Exemplare importiert; drei davon waren GTI", erklärt Club-Präsident Pisano, "stattdessen wurden hier von Volkswagen in der Anfangszeit der alte Beetle, aber auch Schwimm- und Kübelwagen gebaut."

Lowrider-Kombis und Porsche-Käfer

Der 30jährige Gonzales kann sich für die Golf-Modelle nicht so recht erwärmen. Er liebt seinen 78er Käfer über alles. Unter der Haube im Heck: ein 220 PS starker Boxermotor, der mächtig Dampf macht. Mit seinen Freunden ist er in dem Club Movimiento Aircooled eine feste Größe und verpasst kein Treffen.

Carlo Valdez, mit grüner Kappe tief ins Gesicht gezogen, hat es gerne noch etwas älter. "Angefangen hat meine Leidenschaft mit einem T2 Kombi, den ich mit Freunden zum Lowrider umgebaut habe", lacht Carlo, "mittlerweile habe ich vier Käfer aus den Baujahren 1958, 1959, 1960 und 1962. Tolle Autos. Ich liebe sie alle." Sein 62er-Käfer mit erstem Lack hat gerade erst 104.000 Kilometer runter. Und im Heck des historischen Escarabajo von 1960 bollert ein 110 PS starker Boxermotor aus dem Porsche 356 Super 90.

Carlo steigt ein und brabbelt im strömenden Regen vom Hof. Am Wochenende geht es zum nächsten Treffen in den Norden des Landes. 400 Kilometer sind in Argentinien rein gar nichts - für ein Treffen mit Gleichgesinnten schon gar nicht.

Text: Press-Inform / Stefan Grundhoff | Bildmaterial: press-inform / VW Clubs A