Rolls-Royce Alpine Trial

Rolls-Royce Alpine Trial

Auf James Radleys Spuren

Vor hundert Jahren dominierten vier Rolls-Royce-Werksteams mit ihren Silver Ghosts die Österreichische Alpenfahrt. Jetzt haben sich 48 Rolls-Royce-Enthusiasten mit ihren Oldtimern aufgemacht, die Wettfahrt noch einmal zu absolvieren.

20. Juni 2013

Innerhalb von wenigen Minuten ist die berühmte Basilika in Mariazell nur noch Nebensache. Der Grund: 48 historische Rolls-Royce Silver Ghost, die hier einen Zwischenstopp während des Alpine Trials einlegen. In Sekundenschnelle bilden sich Menschtrauben um die Oldtimer, von denen jeder seine eigene Geschichte erzählt.

So wie Michael Zeitlins Silver Ghost, Baujahr 1914, in dem sogar der Prince of Wales und spätere König von England, Edward VIII., während seines New York Aufenthalts 1919 die 8th Avenue entlang gefahren wurde. Nachdem der königliche Rolls-Royce 1991 bei einer Auktion verkauft wurde, brach in der Halle, in der die Autos standen, ein Feuer aus. Zeitlin erstand den Silver Ghost von der Versicherung und ließ das verbrannte Automobil in zehnjähriger, mühevoller Kleinarbeit wieder restaurieren.

 

 
 

48 historische Silver Ghost sind am Start

Insgesamt 6.179 Silver Ghost wurden zwischen 1906 und 1925 gebaut. 48 der auch als "40/50 HP" bezeichneten Fahrzeuge, haben sich jetzt auf die Tour durch Österreich, Italien, Kroatien, Slovenien und wieder zurück nach Wien gemacht.

Die Intention der meist sehr wohlhabenden Automobil-Enthusiasten ist der Spaß an der Sache, einfach das urtümliche Erlebnis selbst zu erfahren.

Deswegen freut sich Strone MacPherson, der mit einem 1914 Alpine Eagle Silver Ghost an den Start geht, besonders auf den Loiblpass. "Da gibt es noch Schotterstraßen, und es gibt auch keine Leitplanken. So wie 1913", erklärt der freundliche Schotte. Angst, dass seine teure automobile Preziose bei der Tortur Schaden erleidet, hat er nicht. "Das hält das Auto locker aus!"

Niederlage als Ansporn

Für Rolls-Royce ging es vor hundert Jahren um nicht mehr und nicht weniger als die Ehre. Denn James Radley musste 1912 im "besten Auto der Welt" am Katschbergpass aufgeben - die Österreichische Alpenfahrt, wie die Rallye damals hieß, war verloren. Für die stolzen Briten ein Ding der Unmöglichkeit.

Also rüstete Rolls-Royce den Ghost für das Jahr 1913 mit einer niedriger übersetzten Viergangschaltung und anderen Bremsen an der Hinterachse aus. Außerdem verbesserten die Techniker die Kühlung und gestalteten den 7,4-Liter-Sechszylinder so, dass er gestartet werden konnte, ohne die Motorhaube zu öffnen.

Die Maßnahmen waren erfolgreich, Radley konnte die 2.929 Kilometer lange Wettfahrt mit seinem 50-PS-Silver-Ghost beenden und bekam dafür sogar noch den Preis der Stadt Triest überreicht.

Rolls-Royce-Dominanz

Die drei anderen Rolls-Royce-Piloten, Curt Friese, E.W. Hives und Jock Sinclair komplettierten den Triumph: Die Rolls-Royce-Werksfahrer beendeten fast alle Etappen auf den ersten vier Plätzen. Bei der letzten Etappe zurück nach Wien war Sinclair in Guntramsdorf in einen Unfall verwickelt.

Friese, der die Rallye ohne Strafpunkt absolviert hatte, bekam den wichtigsten Einzelpreis aus den Händen des Erzherzogs Leopold Salvator.

Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll | Bildmaterial: Hersteller