Nostalgie: Seat Ronda Crono 2000

Nostalgie: Seat Ronda Crono 2000

Der spanische Golf GTI

Der Seat Ronda Crono 2000 ist so etwas wie der iberische Gegenspieler des Golf-GTI. Die PS-Spritze kam mit Hilfe von Porsche zustande.

13. November 2013

Schon im Innenraum wird klar, auf welches Automobil der Seat Ronda Crono 2000 zielt. Denn da gibt der Seat ganz den Golf GTI: Sitze mit karierten Mittelbahnen und ein sportliches Interieur sollen auch optisch Dynamik versprühen.

Beim Ronda Crono 2000 haben sich die Spanier wirklich ins Zeug gelegt und einiges an Technik verbaut, die damals in einem Kompaktklasse-Sportler nicht üblich war - egal ob Golf GTI oder nicht: Zwei grüne Leuchtdioden-Bänder zeigen den Öldruck (in kg/Kubikzentimeter) und die Öltemperatur an. Gleich daneben geben rote Lampen, die sich in einer angedeuteten Fahrzeug-Silhouette befinden, Auskunft über den Reifendruck, Ölstand und den Zustand der Bremsen.

Da der Crono das Top-Modell war, gibt es auch solche Annehmlichkeiten wie elektrische Fensterheber vorne.

 

 
 

Abenteuerliche Entdeckung

Der Seat Ronda Crono 2000 ist das Top-Modell der Baureihe, von der insgesamt 177.869 Stück produziert wurden. Von dem iberischen GTI-Jäger mit 120 PS liefen allerdings nur 800 Stück vom Band.

So rar das Auto, so abenteuerlich seine Entdeckung. "Wir haben das Auto bei einem General, der in Barcelona auf einem Hügel lebt, entdeckt. Dort stand der Ronda unter einem Tarnnetz", erzählt Isidre Lopez, der Leiter der historischen Seat-Sammlung.

Der Ronda befand sich in einem erbärmlichen Zustand: Er hatte einen Frontschaden, die Karosserie rostete, und das Getriebe war eigentlich nur noch Schrott. Letzteres war besonders schwer zu besorgen, da es eine spezielle Konstruktion mit größeren Zahnrädern ist. Doch ein Seat-Händler half aus. Bei der Reparatur der Karosserie griffen die Youngtimer-Experten auf die originalen Baupläne und die Expertise der Seat-Clubs zurück, um Ersatzteile zu besorgen.

Zylinderkopf von Porsche

Äußerlich unterscheidet sich der schnellste Ronda kaum von seinen Modellbrüdern. Lediglich der rote Crono-Schriftzug im Kühlergrill signalisiert, dass das Alpha-Tier der Baureihe im Rückspiegel auftaucht.

Diese Signalfarbe ist nicht umsonst gewählt. Der Zwei-Liter-Motor hängt gierig am Gas und hat mit dem knapp 1.000 Kilogramm schweren Vehikel keinerlei Probleme. Daher lässt es sich auch im fünften Gang und bei niedrigen Drehzahlen ganz entspannt fahren. Gibt man dem Triebwerk die Sporen, geht es heftig nach vorne.

Kein Wunder: Der Zylinderkopf wurde bei Porsche entwickelt, nur der Motorblock ist noch von Fiat.

Kerniger Geselle

Der Klang gereicht dem deutschen Sportwagenhersteller ebenfalls zur Ehre. Der Ronda klingt rau, ungestüm und brodelnd. Ab 140 km/h muss man im Innenraum laut reden, um sich zu verstehen. Bei 190 km/h ist Schluss. Die erreicht der Ronda Crono auch.

Die Bremsen - vorne Scheiben, hinten Trommeln - greifen bissig zu.

Damit der flotte Iberer auch gut auf dem Asphalt liegt, sind vorne und hinten Domstreben verbaut. Dementsprechend hart ist auch das Fahrwerk. Allerdings wankt der Youngtimer in Kurven gerne mal und neigt zum Untersteuern.

Auch die Fünfgang-Schaltung und vor allem die Lenkung könnten präziser sein.

Seat gewinnt Rechtsstreit gegen Fiat

Was viele nicht wissen: Um ein Haar wäre die Produktion des Ronda eingestellt wurden. Zumindest wenn es nach Fiat gegangen wäre. Den Italienern war die Ähnlichkeit zum Ritmo zu groß.

Über 30 Jahre währte die Kooperation zwischen Seat und Fiat, ehe sie 1982 endete. Aus Freunden wurden schnell Feinde. Als sich die Verantwortlichen beider Hersteller im Jahr 1984 in Paris vor Gericht trafen, ging es um Plagiatsvorwürfe. Oder anders gesagt: Wie viel Fiat Ritmo steckt im Seat Ronda?

Um das Urheberrecht am Kompaktklasse-Modell mit dem internen Code 0222A zu klären, wurde eigens ein Auto vor Gericht präsentiert, das zeigte, was von Fiat und was von Seat stammte. Die gelben Teile kamen aus Spanien, die schwarzen aus Italien.

Letztendlich bekam Seat recht und die Produktion des Ronda ging bis 1986 weiter.

Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll | Bildmaterial: Hersteller