Nostalgie: Land Rover 101 Forward Control

Nostalgie: Land Rover 101 Forward Control

Für große Kaliber

Der Land Rover 101 Forward Control wurde ursprünglich als Zugmaschine für Feldhaubitzen konzipiert. Das ändert nichts am riesigen Spaßpotential des Militär-Vehikels.

Für ein Militärfahrzeug schaut der Land Rover 101 Forward Control gar nicht so furchteinflößend aus. Brachial ist er aber noch immer. Eben kompromisslos, zweckmäßig und ein Trumm von einem Auto.

Das Führerhaus wurde vergelegt, um möglichst viel Laderraum zu generieren. Vorne und hinten sind Starrachsen mit halbelliptischen Blattfedern und hydraulischen Stoßdämpfern verbaut. Die Reifen mit der Größe 9 x 16 helfen bei der Bodenfreiheit. Die Bremsen sind ebenfalls hydraulisch und verfügen über zwei unabhängige Bremskreise. Bei der hinteren Bremse ist ein Ventil vorhanden, das den Bremsdruck reduziert sobald die Beladung abnimmt.

Das Chassis ist Land-Rover-typisch aus Aluminium mit Stahlbeplankung.

 

 
 

Von Komfort keine Spur

Schon der Anblick lässt erahnen: Von Komfort ist hier keine Spur. Ursprünglich wurde der Land Rover ab 1975 gebaut, um als Zugmaschine für eine Feld-Haubitze des Kalibers 105 Millimeter zu dienen. Da der 101  FC auch als blankes Chassis ausgeliefert wurde, variieren die Aufbauten allerdings: So wurden auch Radar-Stationen transportiert.

Die technische Basis des Ungetüms ist ein ganz ziviler Land Rover Series II. Die Zahl 101 bezieht sich auf den Radstand, der misst 101 Inch, also 2,57 Meter. Der V8-Motor befindet sich zwischen dem Fahrer und dem hinteren Aufbau. Das Aluminium-Triebwerk hat zwei Zenith-Vergaser. Mit einer Leistung von 137 PS und einem maximalen Drehmoment von 250 Newtonmetern bei einer Drehzahl von 2.500 U/min ist der 101 FC nicht gerade übermotorisiert.

Doch zunächst muss man das brachiale Trumm von einem Laster über Reifen und Fahrertür entern.

Beschränkung aufs Wesentliche

Das Interieur beschränkt sich auf das Wesentliche: Um den 101 FC zu starten, muss man zunächst den Knopf drücken und dann mit dem Choke das Standgas regulieren, solange die Maschine noch kalt ist. Das Vierganggetriebe folgt dem Muster einer H- Schaltung. Also mit dem langen unpräzisen Hebel den ersten Gang einlegen und Kupplung kommen lassen. Alles kein Hexenwerk.

Gemächlich ruckelt der 101 Forward Control an. Der erste Gang ist mit 74:1 so kurz übersetzt, dass die Geschwindigkeit bei 5.000 U/min nur elf Stundenkilometer beträgt. Wenn man einen geeigneten Anhänger ankuppelt, hat auch dieser Allradantrieb.

Höllenlärm

Geht es schneller voran, steigert sich auch der Geräuschpegel. Der Motor macht einen derartigen Höllenlärm, dass die Unterhaltung zwischen Fahrer und Copilot nur durch sehr lautes Sprechen, fast Schreien, möglich ist. Es scheppert und kracht ohne Unterlass.

Der Komfort ist gleich null. Die Federung ist nicht existent, jeder Schlag wird direkt in das Kreuz der Insassen weitergeleitet. Logisch, mit verweichlichten Soldaten gewinnt man keinen Blumentopf.

Doch das ist nicht das einzige Hindernis, im wahrsten Sinne des Wortes. Die steil aufragende Lenksäule befindet sich direkt vor dem Bremspedal. Ok. Also muss das Verzögern erst noch geübt werden.

Sternstunde schlägt im Gelände

Die Sternstunde des laut krakeelenden Militärfahrzeugs schlägt im Gelände. Der permanente Allradantrieb mit einer hydraulischen 266-Millimeter-Borg&Beck-Kupplung sorgt für genug Vortrieb. Das Zweigangverteilergetriebe stellt verschiedene Untersetzungsvarianten parat, die je nach Anforderung eingesetzt werden können.

Klingt alles ganz schwierig, ist aber letztendlich nicht anders zu bedienen als ein ziviler Geländewagen. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit hat man alles ganz gut im Griff. Nur die Stimme wird ob des krachenden Geräuschpegels arg strapaziert.

Unerkannter Filmstar

Bei seinem größten Auftritt haben nur Experten den Land Rover 101 Forward Control erkannt. Im Actionreißer "Judge Dredd" mit Sylvester Stallone in der Hauptrolle erscheint der Militärlaster in einer futuristischen Verkleidung und ist nur an dem grünen Oval an der Seite als Land Rover zu identifizieren.

Offenbar ist der unverwüstliche Geländewagen im Jahr 2139, in dem das Spektakel spielt, ein zuverlässiges Transportmittel für die Bürger in Mega City One.

Wenn er nicht bis dahin durchhalten kann, welches Auto dann?

Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll