Nostalgie: BMW 850 CSi

Nostalgie: BMW 850 CSi

Athletischer Gran Turismo

BMWs 8er-Reihe führte lange Jahre ein Schattendasein. Jetzt erwacht wieder die Lust am Gran Turismo. BMW 850 CSi ist immer noch ein Erlebnis.

Der BMW 850 CSi ist mehr Italiener als Deutscher. Das wird jeder bestätigen, der die klassische Keilform mit der schmalen Front, den eingängigen Linien und dem bulligen Heck gesehen hat. Doch der Designer war nicht Pininfarina oder Bertone. Der Mann hinter dem Aussehen des schicken Gran Turismo hieß Claus Luthe.

Die ansehnliche Form resultiert in einem sagenhaften cw-Wert von 0,29. Allerdings nur bei geschlossenen Scheinwerfern.

Beim 850 CSi findet man überall die Spuren der M GmbH - auch äußerlich. Angefangen von den vier Auspuffendrohren bis hin zum Aerodynamikpaket an der Front. Doch diese Zusatzbeplankung ist kaum sichtbar.

 

 
 

Fahrer im Zentrum

Beim BMW 850 CSi dreht sich alles um den Piloten. Das geht beim ihm zugewandten Cockpit los und endet beim geringen Platz auf der Rückbank. Der Fahrerplatz gleicht einer Kommandozentrale mit den ganzen Tasten auf der Mittelkonsole zum Abrufen von Bordcomputerdaten.

Wer auf den Kippschalter mit "S" und "K" drückt, kann zwischen einer komfortablen und einer sportlichen Abstimmung wählen. Die bessere Wahl ist das S. Aber der Clou ist die erstmalige Vernetzung aller Assistenzsysteme. Weswegen die Elektronik auch die Achillesferse des sportlichen Müncheners ist.

Kein Wunder, dass der hochgerüstete Technikträger mit rund 180.000 DM seinen Preis hatte. Der BMW 850 CSi war immerhin das Top-Modell der Baureihe. Zwischen August 1992 und November 1996 wurden 1.510 Stück dieses echten Gran Turismos gebaut.

Ein Traum von Zwölfzylinder

Die Kernkompetenz des schnittigen Coupés war und ist es, die Passagiere entspannt und schnell von A nach B zu bringen. Einsteigen, wohlfühlen, Spaß haben - das zählt auch heute noch für den BMW 850 CSi.

Gran Turismo hin oder her: Mit 380 PS und einem Drehmoment von 550 Newtonmetern erschien der BMW 850 CSi das eine oder andere Mal formatfüllend im Rückspiegel echter Sportwagen - trotz des Kampfgewichts von zwei Tonnen. Das liegt natürlich in erster Linie an dem Ungetüm mit dem Code S70B56, das unter der langen Motorhaube seinen Dienst verrichtet.

5,6 Liter Hubraum und zwei Ventile pro Zylinder brauchen ihren Platz. Schließlich wurde der Zwölfzylinder für den 850 um 600 Kubikzentimeter aufgebohrt, mit einer verbesserten Motorelektronik versehen und die Verdichtung erhöht.

Seidenweiches Fauchen

Kaum hat man den Zündschlüssel gedreht, befindet sich ein Grinsen im Gesicht. Und das will nicht enden. Der 380-PS-Motor hängt so leicht am Gas und dreht seidenweich bis an die 7.000-U/min-Marke hoch.

Wo andere Triebwerke rabiat brüllen, faucht der bayerische Zwölfender mit ungebremster Wonne. Die Leichtigkeit, mit der das große BMW-Coupé auch heute noch, 20 Jahre, nachdem es eingestellt wurde, dahingleitet, macht jede Geschwindigkeit zum Erlebnis. Egal ob 50, 120 km/h oder mehr. Bei 250 km/h schiebt die Elektronik dem Sturm und Drang einen Riegel vor, ohne dem locker 280 km/h drin wären.

Die knackige Sechsgangschaltung bereitet Freude, kann aber die meiste Zeit ob des schieren Drehmoments des Motors ignoriert werden.

Mitlenkende Hinterachse

Landstraßen das bevorzugte Revier des Zwei-Tonnen-Vehikels. Doch auch in engen Kurven legt der BMW 8er eine Behändigkeit an den Tag, die man dem 4,78 Meter langen Schiff nicht zugetraut hätte. Der Hauptgrund ist die Multilink-Hinterachse, eine der ersten ihrer Art. Beim 850 CSI lenkt diese sogar mit.

Garniert wird die Kurvenfreude durch eine ganze Armada an Technik-Assistenten mit der Traktionskontrolle im Zentrum. Gegenüber den anderen Fahrzeugen der 8er Baureihe ist das Fahrwerk straffer und die Lenkung noch direkter.

Wenn man mit dem 850 CSi so um die Kurven wetzt, wundert man sich, warum der schmucke BMW nach 30.621 Einheiten still und leise eingestellt wurde. Aber vielleicht hat ja BMW aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und macht es jetzt besser. Die Münchener wagen sich mit der Studie BMW Gran Lusso Coupé wieder in die Gefilde des sportlichen Gleitens vor.

Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll | Bildmaterial: BMW AG