Nostalgie: BMW 507

Nostalgie: BMW 507

Traum in Weiß

Wer einmal im BMW 507 gesessen ist, will nicht mehr aussteigen. Der klassische BMW-Roadster vereint Purismus und Dynamik mit zeitloser Eleganz.

Wenn Ikonen sich für eine automobile Ikone entscheiden, ergibt das eine wahre Hochzeit im Himmel. Niemand anderes als "The King" Elvis Presley und der französische Kino-Star Alain Delon waren vom BMW 507 begeistert.

Flach und elegant thront dieses in Blech geformte automobile Monument des guten Geschmacks auf dem Asphalt. Das Design des Klassikers stammt von Albrecht Graf Goertz und überzeugt mit seinen klaren aber unverwechselbaren Linien.

Eine lange Motorhaube und ein kurzes Heck garantieren unverfälschte Roadster-Proportionen. Dazu gibt es eine breite Niere, Kotflügel und die mit einem eleganten Schwung nach unten abfallen.

Als der schnittige BMW auf der IAA 1955 seine Europa-Premiere feierte, brandeten Beifallsstürme auf. Die Bezeichnung "Traum von der Isar" ist nur eine von vielen Huldigungen.

 

 
 

Nur 251 Exemplare

Der Applaus ergab aber noch keinen wirtschaftlichen Erfolg. Zwischen 1956 und 1959 wurden lediglich 251 Exemplare gebaut. Heute existieren nur noch etwa 200.

Was war der Grund für die relativ kleine Stückzahl? Einen schnellen BMW zu fahren, war damals wie heute kein ganz billiges Vergnügen. Der 507 kostete rund 26.500 DM. Zum Vergleich: Einen Käfer bekam man Mitte der 50er-Jahre des letzten Jahrhunderts schon für rund 3.800 Mark.

Vor allem auf dem amerikanischen Markt blieben die Verkaufserfolge aus. Das ist mittlerweile anders: Heutzutage reißen sich die wohlhabenden US-Amerikaner um den schicken Münchener, obwohl er nicht gerade günstiger wurde: unter 800.000 Euro geht nichts.

Angemessene Start-Prozedur

Dafür bekommt man ein schönes, seltenes und ein absolut alltagstaugliches Auto. Die Technik des 507 war für damalige Zeiten top. BMW nahm den famosen Achtzylinder aus der barocken Limousine 502, verpasste ihm eine Vitaminspitze von zehn auf 150 PS und implantierte das Triebwerk in den Roadster.

Die Start-Prozedur ist dem Triebwerk angemessen. Erst dreht man den Zündschlüssel, dann drückt man den Start-Knopf und gibt dabei kräftig Gas. Damit ist tatsächlich ein kerniger Tritt gemeint. Wer das Pedal nur streichelt, erntet lediglich ein genervtes Husten aus acht Kehlen.

Sobald das weißblaue Kraftwerk mit einem zornigen Knurren zum Leben erwacht, muss es bei 3.000 bis 4.000 U/min bei Laune gehalten werden, bis die Betriebstemperatur erreicht ist.

Famoser Achtzylinder

Der 3,2-Liter-Motor macht den BMW 507 so besonders. Einmal warmgefahren hängt er energisch am Gas und quittiert jeder Aufforderung zum Vortrieb mit einem bassartigen Bellen.

Die Kraft macht aus dem formschönen Klassiker ein Auto, das auch im Jahr 2013 keine rollende Schikane ist. Ganz im Gegenteil: Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 205 km/h. Der Sprint aus dem Stand bis zur 100-km/h-Marke ist nach rund 11,5 Sekunden absolviert. Ganz ordentlich.

Was diese Zahlen jedoch nur unzureichend oder gar nicht ausdrücken können, ist der unglaubliche Fahrspaß, den der BMW 507 vermittelt. Der Fahrer sitzt tief, verschmilzt fast mit dem Asphalt und bekommt so die Dynamik der weißblauen Preziose unmittelbar mit.

Gangknüppel auf dem Mitteltunnel

Sogar der Gangknüppel befindet sich auf dem Mitteltunnel. Was heutzutage ein unverzichtbarer Grundsatz der Ergonomie ist, war damals im Zeitalter der Lenkrandschaltungen noch die absolute Ausnahme. Die Viergangschaltung und das Kuppeln sind kein Problem, allerdings sollte man schmale Schuhe mitnehmen, da die Pedale doch recht eng nebeneinanderstehen.

Auch das riesige Lenkrad mit dünnem Kranz sorgt bei der mächtigen Kurbelei doch eher für Schwielen als für entspanntes Zirkeln. Zunächst.

Agil und alltagstauglich

Hat man sich einmal an das Fehlen der Servounterstützung gewöhnt - und das geht sehr sehr schnell - zeigt sich der ewig junge und doch 58 Jahre alte Beau auf vier Rädern als sehr alltagstauglich und vor allem richtig dynamisch.

Schon damals setzten die Münchener auf Leichtbau und verpassten dem sportlichen Aushängeschild eine Aluminium-Karosse, die das Leergewicht auf 1.220 Kilogramm drückte. Damit wetzt der Bayern-Renner richtig flink um jede Kurve, die sich dem Vorwärtsdrang in den Weg stellt.

Das Heck lenkt bei gefühlvollem Umgang mit dem Gaspedal brav mit. Nur wenn man es übertreibt, vollführt das knackige Hinterteil einen geschmeidigen Schwenk, der aber durch schnelles Gegenlenkung sofort wieder kontrolliert werden kann.

Text: Press-Inform / Wolfgang Gomoll | Bildmaterial: Hersteller