Die schönsten Studien der 1990er

Die schönsten Studien der 1990er

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Durch den technischen Fortschritt werden neue Karosserien auf bekannten Plattformen immer günstiger. Das ist das Eldorado für Automobildesigner: Studien waren so vielfältig wie nie zuvor.

Rund und anschmiegsam wirken die Autos der 90er. Die Optimierung der Aerodynamik treibt uns einige liebgewonnene Details an Karosserien aus, auf die Studien schon länger verzichten: Regenrinnen beispielsweise werden dem geringen Luftwiederstand geopfert und Türgriffe verschwinden aus aerodynamischen Gründen so weit in der Karosserie, dass die Bedienung mit langen Fingernägeln zur Qual wird.

 

 
 

Für jeden Kunden das Passende

Doch es gibt auch Positives zu berichten, und davon eine ganze Menge. Die „Nischenpolitik“ der Hersteller startete in den 90ern. Sprich: Wo immer eine Lücke für ein bislang noch nicht gebautes Automodell lauern könnte, fängt bald ein Hersteller an, sie zu schließen. Auf der anderen Seite können bekannte Nischen erneut belebt werden: Der Mazda MX-5 reanimierte die Gattung der kleinen, preisgünstigen Roadster wieder. Und das quasi im Alleingang.

Handys auch im Auto

Doch er ist nur ein Beispiel für die in den kommenden Jahren explodierende Angebotsvielfalt in den Showräumen der Händler. Während die Generation Golf teils noch verwundert auf die immer häufigeren Handys schaut (mit Minutenpreisen für einige D-Mark) , Deutschland sich ab 1990 wiedervereinigt und 1993 fünfstellige Postleitzahlen verpasst bekommt, tun sich für Designer wahre Himmel auf.

Spaß ja – aber umweltfreundlich muss er sein

Zwar hat noch keiner so ein Crossover aus SUV und Coupé erfunden wie den heutigen BMW X6, aber das liegt vor allem an einer Tatsache: Das SUV selbst war Anfang des Jahrzehnts noch gar nicht erfunden.

Sauber musste ein Auto sein (ab 1993 nur noch mit geregeltem 3-Wege-Kat) oder einen der neuen, sparsamen Diesel-Direkteinspritzer unter der Haube tragen. Da kam Toyota mit mehreren Studien auf die Idee, die Menschen vom Fernseher wegzulocken oder vom beginnenden Siegeszug des Internets abzulenken.

Andere Looks werden billiger

Mittel der Wahl war ein Fahrzeug, welches jedem Käufer signalisierte, dass es für ihn kaum Grenzen geben würde. Der Siegeszug der SUV, also Freizeitfahrzeuge in Geländewagenoptik, begann 1994 mit dem RAV4. Der Toyota ist damit so etwas wie der Uropa des BMW X6.

Die Vielfalt der Studien aus dieser Dekade signalisierte dem Käufer auch, dass es für jedes seiner Bedürfnisse eine Lösung geben solle. Das war ein Umschwung: Als die Entwicklung der Autos noch sehr viel teurer war, achteten die Rechenkünstler in den Konzernzentralen sehr genau darauf, nur ja keinen potentiellen Käufer zu verschrecken. Gebaut wurde nicht das, was am besten gefiel, sondern das, was die wenigsten störte.

Design muss sich internationalisieren

Das war nun nicht mehr nötig. Das Design konnte und sollte polarisieren. Vor allem die deutsche Automobilindustrie sah sich einem weiteren Problem im Design gegenüber. Zunehmende Verkaufserfolge außerhalb Deutschlands und Europas bedeuteten, dass das Design internationaler werden musste. Was gefällt auch einem Chinesen, Amerikaner oder Russen?

Provokation von BMW

Das beste Beispiel dafür ist BMW. Mit einer Reihe von sehr ungewöhnlichen Studien bereitete BMW seine Kundschaft gewissenhaft darauf vor, dass nichts weniger als eine Revolution bevorstand. Sie kam nach langer Vorbereitung in den 90ern schließlich 2001 mit den neuen 7er. Dieser stößt in Deutschland vielerorts auf Unverständnis, auch fast 20 Jahre nach seiner Einführung. Und doch: Er war ein Verkaufserfolg, wenn auch vor allem außerhalb Deutschlands.

Elektronische Helferlein in jedem Auto

Ende der 90er schien nichts mehr unmöglich. Sogar zwei Schafe, die eigentlich nur eines waren. Das erste geklonte Säugetier, das Schaf Dolly, beherrschte 1996 wochenlang die Schlagzeilen (um dann 2003 frühzeitig zu sterben). Michael Schumacher fährt seit 1994 Weltmeistertitel in Folge ein und wird so bald damit nicht aufhören. In den Autos piepst, spricht und blinkt es – die Elektronik hat endgültig Einzug gehalten.

Der Innenraum wird wichtiger

Früher waren viele Studien reine Showcars, die nur schön aussahen. Jetzt nahmen sich die Designer zunehmend die Innenräume vor. Eines der ersten Showcars, welches sein Thema komplett durchzog, war der VW New Beetle. Ein bisschen zu viel von allem aus heutiger Sicht, vor allem die Retro-Blumenvase im Innenraum.

Doch er löste einen Trend aus, denn ihm folgten Retroautos in großer Zahl. Mal ahmten sie existierende Formen oder Vorbilder nach, wie der Mini des neuen Jahrtausends, mal zitierten sie nur klassischen Formen wie BMW Z3 oder Z8. Doch der Trend begann mit dem New Beetle Ende der 90er.

Schlager erleben ein Revival

Wenn schon der Käfer plötzlich bei seinem amerikanischen Spitznamen Beetle genannt wird und immer öfters „Boygroups“ die Charts stürmen, wo bleiben dann wir? Keine Sorge: Neben der zunehmenden Verbreitung von Boy- und Girlgroups wie Take That oder den Spice Girls erlebt auch der deutsche Schlager ein Revival. So einen wie Guildo Horn, der am European Song Contest teilnimmt, den haben wirklich nur wir Deutschen.

Text: SH | Bildmaterial: Mazda